| Navigation aus Navigation an | Erstelldatum: 06.09.2008 | ||
Regelsatz 132 € ????
Sehr geehrte Herren, Für Ihre Studie "Die Höhe der Sozialen Mindestsicherung" möchte ich recht herzlich danken. Ich finde die Studie genial und bin davon überzeugt, dass, im Falle man folgt Ihren Ratschlägen, das Arbeitslosen- und Sozialhilfeproblem schnell behoben sein wird. Betrachte ich mir ihren Warenkorb, haben Sie wirklich an alles gedacht. Na ja, nicht wirklich, also sagen wir an fast alles. Natürlich werden die ewigen Nörgler einzuwenden haben, dass schon die Grundlage der Regelsatzberechnung des Bundes aus zwei Gründen keinen Bezug zu den echten Lebenshaltungskosten haben kann, denn
Auch könnten solche Querulanten auf die Idee kommen, Ihr Warenkorb und ihre Regelsatzberechnung wären divergent, weil Sie z. B. einen Zuschuss zur Krankenkasse in Ihrer Aufstellung berücksichtigt haben (A2) , bei der Berechnung der Regelsätze diesen aber nicht berücksichtigt haben. Aber Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger sollten auch nicht krank werden. Schließlich tun sie ja nichts. Außerdem kommen Krankheiten ja von selbst, dann sollen sie gefälligst von selbst auch wieder gehen. Also streichen wir einfach den Arztbesuch (10 € im Quartal), lassen auch den Zahnarzt und den Optiker links liegen und Medikamente sind ohnehin zu teuer. Kritisch anmerken würden diese Stänkerer dann vielleicht auch, dass Arbeitslose in der Regel eine Eingliederungsvereinbarung abschließen müssen, in der sie sich verpflichten, mindestens 10 Bewerbungen im Monat nachzuweisen. Das können Vorstellungsgespräche oder schriftliche Bewerbungen sein. Dazu muss jeweils eine saubere Bewerbungsmappe erstellt werden und man muss sich auch persönlich vorstellen. Sie haben in Ihrer Studie von einem Ticket der CVAG gesprochen. Dabei geben sie den günstigsten Preis mit 23,- € an, den Durchschnittspreis mit 37,- €, nur konnte ich keine Erklärung finden, was den Unterschied ausmacht. Sie würden hier im Raum Frankfurt (RMV) dafür vielleicht eine Wochenkarte für zwei Tarifgebiete bekommen (im ungünstigsten Fall 2 Haltestationen), keinesfalls aber ein Monatsticket. Ob ein Arbeitsloser damit seinen Verpflichtungen nachkommen könnte, ist recht zweifelhaft, denn er muss ja teilweise auch in Nachbarorte für eine Vorstellung fahren. Aber wir wissen ja aus der Zeitung für Intellektuelle (BILD), dass sich die Arbeitslosen ohnehin drücken, ist doch ihr Leben völlig ausgefüllt mit Glotze, Schwarzarbeit und Sex mit der oder dem Partner(in), wobei die eheähnliche Gemeinschaft im Fragebogen der BA verschwiegen wird. Nörgler finden ja immer was. Sie haben doch extra betont, dass die Wohnkosten nicht eingerechnet wurden, dabei die Strom- und Wasserkosten zu den Wohnkosten gerechnet. Das ist auch richtig, denn diese Kosten fallen ja durch das wohnen an. Wenn man die Wohnkosten nicht einrechnet, interessieren die Rechnungen für Strom und Wasser auch nicht. Getränke zu den Mahlzeiten, außer vielleicht einem Viertel Liter Milch am Tag stehen einem Arbeitslosen nicht zu (das Wasser in der Maxiversion (1,5 ltr. am Tag) geht wohl für Waschen und Zähneputzen drauf). Betrachte ich mir die angegebenen Preise, steigen Tränen in meine Augen. Warum wohne ich nicht in Chemnitz, wo ich 100 g Brot für 5 Cent bekomme, das Pfund (500 g) für 25 Cent. Ich zahle hier glatt 99 Cent im billigsten Discounter. Auch die Milch für 49 Cent ist hier 30 Cent teurer. Von den anderen Preisen gar nicht zu reden. Fassen wir zusammen: Arbeitslose haben keinen Anspruch darauf, sich zu waschen, ihre Nahrungsmittel zu kochen (aber züchten wir da nicht Kannibalen heran, wenn die mangels Strom ihr Fleisch roh verzehren müssen?), Ihre Wäsche zu reinigen, ihre Lampen auch zu nutzen und müssen in Läden kaufen, die, betrachte ich mir die Preise, irgendwo im Schlaraffenland liegen müssen. Fährt die CVAG da hin? Ich finde das genial. Da wird so viel gemeckert, weil ein paar der Leute verhungert sind. Das schließen Sie aus. Sie lassen sie in einem Berg von Brot, Gemüse und Fleisch verhungern und verdursten. Genial finde ich auch die Frage an ihre Studenten, ob man die Arbeitslosen als Gegenleistung für die 132,- € arbeiten lassen sollte. Möglicherweise haben einige Ihrer Studenten schon gemerkt, dass man in den Semesterferien keinen Job mehr bekommt, aber im Großen und Ganzen haben die vom Arbeitsmarkt Null Ahnung und somit auch keine Vorstellung davon, wo der Gegenwert in Form von Arbeit herkommen soll, in den sie Arbeitslose drängen wollen. Dieses Nichtwissen war dann natürlich behilflich, dem vorbestellten Ergebnis der Studie zu dienen und dabei noch Umfragewerte anzuführen. Ich hätte da ein paar Vorschläge. Vielleicht jedem Professor ein Butler, ein Dienstmädchen und eine zusätzlich Haushaltskraft, für jeden Studenten eine(n) Arbeitslose(n), der ihnen ihre Arbeiten und Dissertationen schreibt (es gibt schließlich genug arbeitslose Akademiker). Aber, meine Herren, Sie wissen, dass es in der Wissenschaft nicht reicht, eine mit einem defekten Taschenrechner errechnete Theorie aufzustellen. Eine seriöse Studie muss mit einem Feldversuch die Stimmigkeit der Theorie beweisen. Ich halte für einen korrekten Beweis eine EVS-Periode für angebracht. Ich würde mich gerne an dem Versuch beteiligen und schlage Ihnen deshalb vor, Sie leben fünf Jahre von den 132,- € aus dem errechneten Ergebnis Ihrer Studie. Ihre fortlaufenden Bezüge aus Steuergeldern werden in dieser Zeit an mich überwiesen und ich teste in dieser Zeit, welche obskuren und irrelevanten Schnapsideen ich produziere, wenn ich monatlich die hohen Bezüge eines Hochschulprofessors verprassen muss. Nach 5 Jahren veröffentlichen wir dann unsere Ergebnisse und die Welt erfährt dann endlich genau, dass 132,- € im Monat reichen, wenn man arbeitslos ist, denn Sie habe es ja 5 Jahre lang im Selbstversuch bewiesen. Ich kann dann beweisen, welchen Irrwitz man produziert, wenn man aus dem Vollen schöpfen kann. Zum Schluss noch einmal, die Studie ist echt scharf. Wäre ich Obelix, würde ich Sie als Römer einstufen und Sie wissen sicherlich, welchen Lieblingsausspruch Obelix über die Römer äußert. Aber natürlich bin ich nicht Obelix, ich kann mir nur seine Überlegungen zu Eigen machen. Eine Frage habe ich noch, wer hat Sie für diese Studie bezahlt? Ich meine, neben dem Steuerzahler. (BDI? BDA? INSM? Der Bürgerkonvent?). Es ist schön, zu wissen, dass Hetzpropaganda Einzug in die wissenschaftliche Arbeit gefunden hat. Es wird schließlich Zeit, dass man sich von der irrigen Ansicht trennt, dass Wissenschaft Wissen schafft. Mit freundlichen GrüßenGert Flegelskamp |
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