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SponsoringSponsoren werden allenthalben gesucht, von Vereinen, von Parteien oder für bestimmte Anlässe. Gelegentlich würde ich mir auch einen Sponsor wünschen, aber da ich nicht bereit bin, dafür eine Verbiegung in Kauf zu nehmen, wird das wohl nichts werden. Neu für mich war allerdings, dass auch der Staat mehr und mehr auf Sponsoren setzt und hier wird es in meinen Augen kritisch. Gerade hat das Innenministerium einen Zweijahresbericht über erfolgtes Sponsoring veröffentlicht, von dem ich bisher keine Ahnung hatte. Zum Glück hat sich ein Kollege gefunden, der mich darüber informierte. Wissen Sie, im Prinzip habe ich nichts gegen Sponsoring und Sponsoren, wären da nicht gewisse Nebeneffekte. Selten wird aus reinem Idealismus gesponsert. Fast immer gibt es einen kommerziellen Hintergrund, entweder der u. U. damit verbundene Werbeeffekt, oder aber nach dem Motto: "Eine Hand wäscht die andere" die Erwartung von Gegenleistungen. Hier setzen meine Bedenken ein. Um meine Bedenken zu verdeutlichen, füge ich hier die Tabelle nur für das Bundespräsidialamt ein und verlinke am Schluss auf ein PDF-File, das alle Positionen für alle Ressorts enthält. In diesen Beitrag mache ich dann nur noch eine Tabelle mit den Angaben, zu welcher Dienststelle bzw. Ministerium welche Gesamtsumme an Sponsorleistungen geflossen sind und mit wie vielen Positionen das geschah. Tabelle Bundespräsidialamt
Anders als beim Bundespräsidialamt enthalten beispielsweise die Sponsorleistungen beim Innenministerium Einzelpositionen, die an Einrichtungen oder untergeordnete Behörden geleistet wurden. Dabei sind durchaus Positionen, bei welchen ich mir schon vorstellen kann, dass sie wirklich nur von dem Fan einer Einrichtung gespendet wurden. Beispielsweise Spenden an Feuerwehren. Dass da aus Dankbarkeit für einen gelungenen Einsatz oder für die Ausrichtung eines Sommerfestes von Freunden der Feuerwehr Sachleistungen oder auch kleinere Geldspenden fließen oder mit einer Sammelaktion zusammen kamen, geschieht in der Regel ohne Hintergedanken oder mit einem (regionalen) Werbeeffekt (z. B. Bereitstellung des Equipments wie Biertischgarnituren, Zapfanlage, Gläser und evtl. ein Fass Bier). Da dann die Spender in der Ansprache herausgestellt werden, ist hier schon ein Werbeeffekt vorhanden, aber ohne den Geruch von Korruption. Ob das auch bei den vielen kleinen und größeren Sponsorleistungen für das THW auch in der Form gesehen werden kann, ist schon wieder nicht so sicher. Wenn aber z. B. mehr oder weniger große Geldspenden für die Ausgestaltung bei politischer Bildung, für Werbespots zu Wahlen etc. gezahlt werden, ist die Vermutung, dass dabei der Neutralitätsgedanke ins Hintertreffen gerät, nicht auszuschließen. Wenn das Auswärtige Amt für die Ausrichtung von Festen durchaus erkleckliche Summen erhält, kann schon die Vermutung aufkommen, dass dabei Empfehlungen für etwas größere Aufträge im Ausland für ein bestimmtes Unternehmen den reinen Werbeeffekt etwas übersteigen. Aber hier zunächst einmal die Aufstellung der Gesamtsummen:
Natürlich plus der nicht bezifferbaren Sachwerte (insgesamt mit 62 % des Gesamtaufwandes bewertet). Nun, das Sponsoring dieser Art gibt es erst seit 2003 und alle 2 Jahre soll ein Bericht darüber erscheinen. Ich stelle hier mal die einleitenden Worte des BMI (Bundesministerium des Innern) zum ersten Zweijahresbericht ein. Erster Bericht über Sponsoringleistungen in der Bundesverwaltung veröffentlicht Sponsoring aus privaten Finanzierungsquellen hat für die öffentliche Verwaltung in den letzten Jahren aufgrund der immer knapper werdenden Haushaltsmittel zunehmend an Bedeutung gewonnen. Sponsoring dient einerseits dem Bedürfnis der öffentlichen Hand, Aktivitäten und Ziele der Verwaltung durch Unterstützung privater Geldgeber zu fördern, andererseits eröffnet es dem Sponsor auch die Möglichkeit, einen Werbeeffekt oder sonst öffentlichkeitswirksamen Vorteil zu erreichen. Zugleich kann die Förderung Ausdruck privaten Engagements sein, wenn es sich um Spenden und sonstige Schenkungen handelt. Beim Sponsoring ist aber sicherzustellen, dass nicht der Eindruck entsteht, die Dienststellen oder ihre Beschäftigten ließen sich von den Interessen des Sponsors leiten oder behördliche Entscheidungen seien durch sachfremde Erwägungen beeinflusst. Die Bundesregierung hat deshalb im Jahr 2003 die Verwaltungsvorschrift Sponsoring beschlossen, die Leitlinien und Handlungsanweisungen für die immer komplexer werdende Praxis beim Sponsoring in der Bundesverwaltung enthält. Aus Transparenzgründen, zur Vermeidung der Parteilichkeit und als Beitrag wirksamer Korruptionsprävention sollen alle diese Leistungen in einem zweijährlichen Bericht offen gelegt werden. Der Bericht soll zugleich einen Überblick darüber geben, in welchen Fällen die Verwaltung bei der Erfüllung ihrer Aufgaben unterstützt wurde. Jetzt bin ich ja beruhigt. Da steht ja ausdrücklich: Beim Sponsoring ist aber sicherzustellen, dass nicht der Eindruck entsteht, die Dienststellen oder ihre Beschäftigten ließen sich von den Interessen des Sponsors leiten oder behördliche Entscheidungen seien durch sachfremde Erwägungen beeinflusst. Aber schon runzelt sich meine Stirne wieder. Es ist sicherzustellen, dass nicht der Eindruck entsteht??? Was heißt das denn nun genau? Soll das heißen, es darf zwar so sein, nur der Eindruck, dass es so ist, darf nicht entstehen? Aber nein, dann wäre das ja legalisierte Korruption. Trotzdem, es verwirrt mich und immer wenn ich verwirrt bin, beginnt meine Phantasie zu galloppieren (kein Tippfehler, weil ich Galle und Galopp in einen Zusammenhang stellen wollte). Da erscheint vor meinem geistigen Auge eine aus dem Sponsoring finanzierte Party des Bundespräsidialamtes, zu der natürlich nur honorige Leute eingeladen wurden. Ich stelle mir vor, dass die INSM auch gesponsert hat und dafür mit einer Einladung beglückt wurde. Da bei den Gästen auch der Richter des Bundesverfassungsgerichts Steiner zu erwarten ist, schickt die INSM ihren Botschafter und ehemaligen Präsidenten des BVerfG, den "fast wäre er Finanzminister geworden - Paul Kirchhof". Nach dem offiziellen Teil stehen dann Steiner, Kirchhof und Clement zwanglos zusammen. und wie das so ist, man spricht auch ein wenig über Hartz IV. Kirchhof (er muss den von der INSM formulierten Text nicht ablesen, denn er hat ihn auswendig gelernt): Steiner: Clement: (stellt seinen Teller mit Hummer, Toast und Kaviar auf Seite) Wie schon gesagt, solche Szenen gaukelt mir in solchen Momenten meine Phantasie vor. Aber wenn ich mir beispielsweise die Sponsorleistungen bei unserer geliebten Ulla Schmidt ansehe, dann frage ich mich, ob angesichts der Gesundheitsreform nicht Bayer, Hoechts, BASF, Beiersdorf, Merck, Ärztebund, verschiedene Versicherungsgesellschaften, Apothekervereinigung usw. auch 50 bis 100 Euro zum Sponsoring beigetragen habe, versehen mit kleinen Anregungen für eine erfolgreiche Reform???? Noch ist das Sponsoring ja eine junge Einrichtung. Aber wenn sich erst mal rumspricht, dass man sich in ein Ministerium einkaufen, pardon, einsponsern kann, dann kann man wohl in zukünftigen Berichten etwas größere Summen erwarten. Ich schließe natürlich von mir auf andere, aber wenn mir jemand ein Geschenk macht, dann fühle ich mich verpflichtet und suche nach einer Möglichkeit, mich zu revanchieren. Ob Behörden und Ministerien da anders sind? In der Verlautbarung wird auf die Werbewirksamkeit hingewiesen. Wäre es nicht besonders werbewirksam gewesen, im Zweijahresbericht die Sponsoren anzuführen? Oder hat man Sorge, dass dann der Verdacht bestärkt würde, dass hier wieder ein wenig Politik gekauft wurde? Mit der Mail, in der ich auf diesen Bericht aufmerksam gemacht wurde, stand folgender Text: Hat er nicht Recht? Volkseigentum wird immer schneller und immer billiger verscherbelt, ob nun Unternehmen, Immobiliengesellschaften (Gagfah) oder Immobilien überhaupt, Ob Energie-, Wasser- und Gesundheitswesen (z. B. der Verkauf der Uni-Kliniken Gießen und Marburg), die Politik verhökert den Staat und damit uns. Und irgendwie werde ich den Verdacht nicht los, dass etliche der Geschäfte direkt oder indirekt mit einem Sponsoring begannen, denn schaut man genau hin, wo die höchsten Summen gesponsert wurden, stellt man ohne Erstaunen fest, dass dort, wo keine Geschäfte zu machen sind, auch nur geringe Sponsorengelder (oder Sachleistungen) hin fließen. Für Unternehmen ist das natürlich billig, können sie die Sponsortätigkeit doch steuerlich absetzen. Du bist Deutschland:
Aber das bilde ich mir alles nur ein, oder? Zweijahresbericht Sponsoring |