| Navigation aus Navigation an | Erstelldatum: 28.11.2009 |
MinisterkarussellZwar habe ich derzeit genug privaten Kram am Hals und eigentlich keine Zeit zu schreiben, aber die Ereignisse in dieser Woche haben mir einfach keine Ruhe gelassen. Das wohl spektakulärste Ereignis ist der Rücktritt von Jung. Allerdings bezweifle ich, dass dieser Rücktritt so ganz freiwillig gewesen ist. Da hat wohl Landesmutter Merkel ein wenig nachgeholfen und, in geneigter Opportunität, einige aus der Fraktion Merkel mit ihr. Bei solchen Nachrichten lese ich immer gerne, was denn die WELT darüber schreibt. Weniger, weil ich die Artikel besonders erhellend finde, als wegen der anschließenden Kommentare. Es hat mich schon ein wenig erstaunt, dass die Mehrheit der Kommentatoren den Rücktritt begrüßt hat und die Zahl derer, die nicht nur den Anlass für den Rücktritt, nämlich das Bombardement auf die Tanklaster, richtig fanden, weil sich die deutschen Soldaten ja verteidigen mussten und es natürlich die Linken waren, die Schuld haben, dass der arme Jung nun zurücktreten musste. Es ist geradezu faszinierend, wie in einigen Gazetten völlig zusammenhanglos immer wieder auf die Linken eingedroschen wird. Dazu ein Zitat von Tucholsky aus seinem Buch: "Gegen den Strom", welches mir ein Bekannter geschickt hat. Ursprünglich 1926 an die Adresse der SPD gerichtet, kann man es getrost auf alle Linkenhasser anwenden:
Ich kenne viele deutsche Sozialdemokraten, die geradezu Krämpfe bekommen, wenn von den Leuten, die links von ihnen stehen, die Rede ist. Diese blauroten Köpfe, diese kippenden Falsettstimmen, dieses Gefuchtel mutet sonderbar an. Woher der Eifer -? Treffender kann man wohl die Kläffer nicht beschreiben, die grundsätzlich mit dem Strom schwimmen. Vermutlich wissen die wenigsten dieser Kläffer über die wirklichen Vorgänge Bescheid, soweit sie überhaupt bekannt geworden sind. Soweit zum Zeitpunkt des Vorfalls den Medienberichten zu entnehmen war, hatten die Taliban 2 Tanklastwagen in ihre Gewalt gebracht. Angeblich, so zumindest wurde es vom Militär begründet, bewegten sie sich in Richtung eines nahegelegenen NATO-Militärstützpunktes unter deutschem Kommando zu, natürlich um einen Terrorangriff mit den Tanklastern durchzuführen. Sie waren noch weit vom Stützpunkt entfernt, als sie wegen des schlechten Terrains im Sand stecken blieben und die Laster kurzfristig nicht frei bekamen. Nach kurzer Zeit setzte die Beobachtung der Tanklaster durch Flugkörper ein. Etliche Stunden später ordnete der Kommandeur des von der BW verwalteten NATO-Stützpunktes, der ungefähr 6 km vom Geschehen entfernt liegt, die Bombardierung der Laster an, die von Flugkörpern der NATO-Bündnispartner durchgeführt wurde. Eine akute Gefährdungslage schied definitiv aus, denn die Laster befanden sich ca. 6 km vom Stützpunkt entfernt, waren manövrierunfähig und es gab keine Anhaltspunkte, dass sich daran etwa ändern würde. Herr Jung begründete später diese Aktion mit einer akuten Gefährdungslage. Die Begründung von Herrn Jung für die Gefährdung war ein möglicher Selbstmordanschlag mit diesen Lastern auf den Stützpunkt. Bush hat die präventive Kriegsführung zur Verteidigung eingeführt. Wollte Jung nun die präventive Tötung von Menschen als Verteidigung einführen, die ja sonst vielleicht einen Anschlag durchführen könnten?Afghanistan ist ja lt. offizieller Darstellung kein Kriegsgebiet (zumindest nicht für die BW) und der Auftrag der BW ist nicht der der Kriegsführung und der Feindvernichtung, sondern humanitärer Art. Alles andere ist rechtlich nicht haltbar, auch nicht im Zuge einer NATO-Mission, denn es verstößt ganz eindeutig gegen unser Grundgesetz. Auch der Nachfolger von Jung, zu Guttenberg, hütet sich, von einem Krieg zu sprechen, sondern bezeichnet die dortigen Zustände als "kriegsähnlich." Irgendwie gerät dabei die Terminologie ein wenig durcheinander, denn getötete Soldaten sind offiziell "Gefallene", ein Terminus, der nur für in einem Krieg Getötete verwendet wird. Gerne wird auch angeführt, dass die Taliban ja keine Uniform trügen, eine Voraussetzung für einen Krieg. Doch wer sagt eigentlich, dass Kaftan und Turban nicht auch eine Uniform der dortigen Kultur sind? Doch zurück zum Vorfall am Kundus. Wenn ein deutscher Oberst einen Luftangriff auf ein Objekt einleitet, ungeachtet der Frage, ob sich in oder um dieses Objekt Menschen befinden, ist das eine kriegerische Handlung, die als Vergeltungsschlag gegen den Feind gewertet werden muss. Wenn dabei nicht einmal sicher ist, ob es sich bei den Menschen in unmittelbarer Nähe des Zielobjekts wirklich um zum Feind gehörende Truppen oder um Zivilisten handelt, wird der Vorfall zur strafrechtlich zu verfolgenden Handlung, denn dieses Verhalten stellt ein Kriegsverbrechen im Sinne des § 11 VStGB dar. Kriegsverbrechen des Einsatzes verbotener Methoden der Kriegsführung (1) Wer im Zusammenhang mit einem internationalen oder nicht internationalen bewaffneten Konflikt mit militärischen Mitteln einen Angriff gegen die Zivilbevölkerung als solche oder gegen einzelne Zivilpersonen richtet, die an den Feindseligkeiten nicht unmittelbar teilnehmen, (2) Verursacht der Täter durch eine Tat nach Absatz 1 Nr. 1 bis 6 den Tod oder die schwere Verletzung einer Zivilperson (§ 226 des Strafgesetzbuches) oder einer nach dem humanitären Völkerrecht zu schützenden Person, wird er mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren bestraft. Führt der Täter den Tod vorsätzlich herbei, ist die Strafe lebenslange Freiheitsstrafe oder Freiheitsstrafe nicht unter zehn Jahren. … Meine persönliche Einschätzung nach diesen der Presse entnommenen Mitteilungen:
Die Erklärung, die Jung zu dem Vorfall nun als Rechtfertigung angeführt hat, kann nur als lächerlich und sehr peinlich gewertet werden. Peinlich deshalb, weil dieser Mann in solch verantwortungsvollen Ämtern eine klar erkennbare Fehlbesetzung ist. Hat er, wie er behauptet, die Informationen ungelesen an die NATO weitergeleitet, wäre das ein solches Ausmaß an Dummheit und gleichzeitig eine derart eklatante Verletzung seiner Pflicht als oberster Dienstherr der BW, dass er entlassen und angeklagt hätte werden müssen, weil er gegen seinen Diensteid und die ihm obliegenden Pflichten in einer grob nachlässigen Weise verstoßen hat. Doch aus meiner Sicht hat der Vorgang noch eine andere Dimension, denn Jung war zu keiner Zeit ein Mann, der selbständig handelt. Deshalb ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er, als er von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt wurde, Merkel als Kanzlerin und Steinmeier als Außenminister in Kenntnis gesetzt hat und, so wie ich das sehe, von beiden aufgefordert wurde, die Sache zu vertuschen. Man hatte wohl nicht damit gerechnet, dass die Sache von "Verbündeten" derart kritisch betrachtet dazu noch veröffentlicht würde. Aus diesem Grund hätte Merkel einen Untersuchungsausschuss wohl zu fürchten und Steinmeier eigentlich auch. Vermutlich haben auch andere Kabinettskollegen den vollen Umfang des Vorfalls gekannt, was sie alle jedoch öffentlich abstreiten werden. Natürlich ist das nur meine persönliche Meinung, die ich nicht beweisen könnte. In den Kommentaren wird immer wieder die Frage gestellt, was denn schließlich die Zivilisten an den Lastern gewollt hätten. Sie hätten schließlich das Benzin stehlen wollen. Man kann nur mit dem kopf schütteln. Diesen Leuten fehlt jegliches Verständnis für die Situation in Afghanistan. Ich erinnere mich an eine Erzählung meiner Mutter. Kurz vor Ende des 2. Weltkriegs war in unmittelbarer Nähe des Hauses, in dem meine Eltern wohnten, bei einem Tiefflieger-Angriff ein Pferd getroffen worden. Noch bevor Entwarnung für den Luftangriff gegeben worden war, waren Frauen mit Messern dort und nach kurzer Zeit erinnerte nur noch eine Blutlache auf der Straße an das getötete Pferd. So ähnlich ist die Situation in Afghanistan. Es herrscht für die normale Bevölkerung Mangel an allem und wenn dann solche eine Situation entsteht, dann greift man zu, ungeachtet der Gefahren, denn wenn man selbst keine Verwendung für das Benzin hat, kann man es auf dem Schwarzmarkt verkaufen und kommt so an eine wenig Geld. Nun ja, nach der Wahl wollte auch Merkel nicht, dass Jung weiter in diesem Amt bleibt und machte ihn zum Arbeitsminister. Durch seinen Rücktritt ist dieser Posten nun wieder frei. Bzw. war es, denn lt. der Süddeutschen soll nun Ursula von der Leyen den Job bekommen und als Nachfolgerin im Familienministerium die 32-jährige Kristina Köhler aus Hessen. Wichtig scheint dabei zu sein, dass die neue Familienministerin twittern kann, warum sonst würde das in der Presse so hervorgehoben? Noch ein zweiter Hammer wurde bekannt. Die EU will den Amerikanern den Zugriff auf SWIFT-Daten erlauben und man will das noch vor dem 1.12. unter Dach und Fach bringen, denn ab dem 1.12. gilt der Lissabonvertrag und dann darf das Parlament in solchen Fragen mitreden. De Maizière will sich bei der Abstimmung der Stimme enthalten, ein Verfahren, das Aufschluss darüber gibt, welch Geistes Kind der neue Innenminister ist. Eine Enthaltung ist eine Zustimmung, bei der er im Land sogar die Wahrheit sagt, wenn er behauptet, er habe nicht dafür gestimmt. Das hat er wohl den Nichtwählern abgeschaut. Aus meiner Sicht ist diese Zustimmung der EU zu der Anforderung der USA ein Einschnitt in die Persönlichkeitsrechte aller in Europa ansässigen Bürger und in Deutschland ein klarer Verstoß gegen das Grundgesetz. Die Vorgehensweise der Kommission ist dabei gleichzeitig ein weiterer Beweis, weiche Bedeutung die "Unions-Bürger" für die Unionsführung haben. KEINE! Und das Verhalten von de Maizière beweist, dass seine Achtung vor den Menschen in Deutschland auf dem gleichen niedrigen Level ist. Die neueste Nachricht betrifft den Finanzmarkt. Um einer "drohenden Kreditklemme" vorzubeugen, will die Bundesregierung mit 10 Milliarden die Kreditversorgung ankurbeln und die Risikosicherung übernehmen. Mit diesen 10 Milliarden könnten ca. 100 Milliarden Kredite generiert werden. Das Geld dazu soll aus dem "Deutschlandfond" kommen. Offenbar hat diese Kanzlerin in der Finanzkrise gelernt, wie man Luftnummern aufbaut, denn der Staat hatte weder die 500 Milliarden für den Rettungsschirm der Banken, noch die 100 Milliarden für den Deutschlandfond. Er hat nur eines: "82 Millionen Zwangsbürgen" (-1 bis 2%, die Leute, zu denen alles Geld fließt). Klar, wenn der Staat die Risiken aufkauft, dann wollen die Banken natürlich auch wieder das Verbriefungsgeschäft ankurbeln. Aber vermutlich sind die "Aufschwungszenarien" eher die Furcht, dass die wirkliche Krise erst noch kommt, den die Pleitewelle der Banken in den USA ist noch keineswegs abgeschlossen. Hätte die Bundesregierung in der Finanzkrise wirklich etwas gegen die Krise tun wollen, hätte sie die meisten Bankmanager hinter Schloss und Riegel setzen müssen und die Manager der Unternehmensberatungen gleich mit. Doch wer geht schon gerne gegen "Brüder im Geiste" vor? |
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