| Navigation aus Navigation an | Erstelldatum: 27.03.2009 | ||
Rentenerhöhung 2009
An die Damen und Herren des Sehr geehrte Damen und Herren, der von Ihnen angeleierte Presserummel um die diesjährige Rentenerhöhung ist sicherlich aus Ihrer Sicht hilfreich, nicht zu viele Stimmen an die Linke zu verlieren. Aber es soll ja Rentner geben, die auch, zumindest rudimentär, denken können und sogar die Anfänge der Mathematik beherrschen. Diese Rentner werden nun eine kleine Hochrechnung durchführen:
Selbst die Dümmsten in diesem Land beginnen zu erkennen, dass diese, wie die Presse schreibt - "höchste Rentenanpassung seit 15 Jahren" nichts anderes ist, als der plumpe Versuch, im Wahljahr die Rentner wieder dahin zu bringen, dass sie möglichst nicht die Linke wählen, sondern die alteingesessenen Parteien CDU/CSU, SPD, FDP oder Grüne. Die östlichen Länder bekommen einen zusätzlichen Bonus, damit dort nicht Scharen von Rentnern, die bisher die zuvor genannten "Alteingesessenen" wählten, zu den Linken überlaufen. Ich weiß noch nicht so recht, wie ich die Aussage von Frau Merkel: - Sie freue sich und damit könnten die Rentner auch zur Behebung der Krise beitragen" - werten soll. Ist es der dümmste oder der impertinenteste Ausspruch des Jahres? Fakt ist, dass die Einführung eines Einheitsbeitrags für die gesetzlichen Krankenkassen (KK) zu einer Absenkung der realen Nettoeinnahmen bei den Rentnern seit Januar 2009 führten. Geht man dabei von einer durchschnittlichen Steigerungsrate der KK-Beitrage von 2% aus, hatte der Rentner bei einer Rente von 1.000,- € damit eine Mindereinnahme von 10,- € im Monat (hälftiger Beitrag, also 1%), somit im gesamten Jahr 2009 ein Minus von 120,- € bei der gesetzlichen Rente. Anders sieht das aus, wenn er noch eine Rente aus einer Zusatzversicherung oder als Firmenrente bekommt. Dort zahlt er den vollen Beitragssatz der Krankenkasse und hat somit reale 2% weniger Einnahmen seit Januar. Jetzt soll er 2,41% mehr an Rente bekommen. Bei einer Rente von 1.000,- € sind das 24,10 € im Monat oder 144,60 € Mehreinnahmen im Jahr 2009. Davon in Abzug zu bringen sind die 120,- € Mehrkosten für den seit Januar geltenden KK-Beitrag. Verbleiben ihm also 24,40 €. Doch halt, auch das ist eine Milchmädchenrechnung, denn er zahlt ja von diesen 2,41% an die Krankenkasse die Hälfte von 15.5% und für die Pflegeversicherung nochmals 1,95%, die man von den scheinbar erhaltenen 144,60 € abziehen muss. Nun wurde ja angekündigt, dass evtl. die Beiträge zur KK im Juli wieder um 0,6% gesenkt werden. Das senkt die Abzüge der KK auf 14,9%. Sicherlich, Sie hatten in der Vergangenheit viel Erfolg mit Ihrer Kampagne von "Generationengerechtigkeit", weil junge Menschen oft nur das IST sehen und dabei weder Vergangenheit noch Zukunft ins Auge fassen und sich mit der Frage der Rente noch nie ernsthaft auseinandergesetzt haben. Da ist es relativ leicht, sie mit zwar falschen, aber logisch klingender Hetze gegen die "Alten" aufzubringen. Sie haben mangels Kenntnis des Systems noch nicht begriffen, dass der Begriff "Generationengerechtigkeit" nichts als ein Euphemismus ist, erfunden, um die Jugend von der Realität abzulenken und vor allem, sie gegen die Rentner aufzustacheln. Inzwischen nimmt aber auch bei der Jugend der Anteil derer zu, der begreift, dass jede Kürzung der Renten heute zwangsweise auch ihre späteren Rentenansprüche mindert. Sie beginnen auch zu begreifen, dass das politisch forcierte Lohndumping und die Änderungen in der Erwerbsbiographie durch größer werdende Zeiten der Arbeitslosigkeit noch zusätzliche Kürzungen ihrer Rentenansprüche bedingen. Selbst die Presse äußert sich diesmal kritisch dahingehend, dass sie klar zum Ausdruck bringt, dass es dabei lediglich um Wählerstimmen geht, dafür in den nächsten Jahren dann wieder Nullrunden für die Rentner zu erwarten sind. Leider vergisst die Presse, dabei auch die Kürzung der Renten durch die Gesundheitsreform zu erwähnen. Halten wir fest: Mit der Agenda 2010 wurde im Sinne der Lissabon-Strategie ein Weg beschritten, die Konzepte staatlich organisierter Systeme nachhaltig zu zerstören und sie, soweit wie möglich, durch private, kapitalorientierte Systeme zu ersetzen (siehe GATS,
Wenn der von Ihnen so gerne benutzte Terminus " - nachhaltig -" eine reale politische konstante Durchsetzung erfahren hat, dann bei der Zerstörung dieser staatlichen Dienstleistungen. Im Gesundheitssystem haben Sie inzwischen den Leistungskatalog der gesetzlichen Kassen auf ein nicht mehr ausreichendes Minimum bei gleichzeitig steigenden Kosten für die Patienten zusammen gestrichen, dabei mit dem seit Beginn des Jahres geltenden Gesundheitsfond ein System geschaffen, dass den sonst stets betonten Zwang zum Wettbewerb völlig außer Kraft setzt und durch einen Einheitsbeitrag für jede Kasse ersetzt (hier hat wohl die DDR-Planwirtschaft Pate gestanden), dazu ein Honorarsystem für Ärzte eingeführt, dass sich in keiner Weise am gesundheitlichen Bedarf der Patienten orientiert, sondern festgelegte Pauschalen pro Patient vergibt. Das Ziel ist klar. Wer es sich leisten kann, soll durch private Zusatzversicherungen einen Ausgleich schaffen. Wer es nicht kann, für den gilt ein uraltes Motto: "Weil Du arm bist, musst Du früher sterben." Heutige Rentner, die 45-50 Jahre ihre KK-Beiträge gezahlt und dabei die Leistungen der Kassen nicht oder nur selten in Anspruch genommen haben, bekommen nun im Alter, in dem Arztbesuche zwangsweise häufiger anfallen, diese Leistungen verweigert. Von den Ausfällen eines Herrn Mißfelder möchte ich erst gar nicht sprechen. Auch das Rentensystem haben Sie nachhaltig ausgeblutet. Die heutigen Rentner haben mit einer Erwerbsbiographie von 45 bis 50 Jahren permanent ihre Beiträge in die Rentenversicherung gezahlt. Wenn Sie in Diskussionen dann von Sozialleistungen sprechen, ist das eine typisch politische Verzerrung der Tatsachen. Es ist eine Versicherungsleistung, eine Zwangsversicherung, die über Jahrzehnte den Arbeitnehmern ein trügerische Sicherheit vorgaukelte. Mit der Agenda 2010 und dem Einsatz der Rürup-Kommission haben Sie dann dieses System wirklich nachhaltig zerstört. Rürup und Raffelhüschen, die beide mit guten Honoraren für die private Versicherungswirtschaft tätig waren und sind, haben sich wirklich alle Mühe gegeben, das bis dahin funktionierende Rentensystem zu zerstören. Rürup ist es gelungen, der Bevölkerung ein Szenario für die nächsten 50 Jahre vorzugaukeln, dabei das bisher nicht widerlegte Mackenroth-Theorem völlig ignorierend und den Menschen eingeredet, nur die private Versicherung böte ausreichenden Schutz. Auch Ihr Kollege Riester hat sich intensiv an dieser Zerstörung beteiligt, sehr zum eigenen Vorteil. Heute, im Zuge der Finanzkrise, stellt sich die Frage, wie viele Riester- oder Rürup-Rentner wohl jemals in den Genuss ihrer zusätzlichen Rente kommen werden. Sonst, stets in Richtung USA schielend, scheint Ihnen das dortige, bereits mehrfach aufgetretene Fiasko privater Rentenversicherungen entgangen zu sein. Aber macht ja nichts, Hauptsache, Ihr Kollege Riester und die hellsehenden Herren Raffelhüschen und Rürup haben reiche Ernte eingefahren.
Dass Sie mit Ihren Rettungspaketen aus Naivität handeln, nimmt Ihnen inzwischen niemand mehr ab. Aber, dass muss ich zugeben, auch diese Politik wird nachhaltig sein. Sie pumpen Milliarden in die Spielcasinos mit dem irreführenden Namen "Bank". Nachdem nun der Spielbetrieb nicht mehr aufrecht erhalten werden kann, weil die Bank gesprengt wurde, springt der Staat ein und tauscht die faulen Chips (Derivate) gegen Bares auf Kosten der Steuerzahler. Dass Sie nun die Täter, also die Bankster, als Experten zur Behebung der Krise einsetzen, kommt der Besetzung von Ämtern in der Justiz (Richter, Staatsanwälte) mit Kriminellen gleich. Bei Banken wie der HRE von systemischen Gründen für die Milliardengeschenke zu sprechen, geht schon über das Stadium der Ironie hinaus. Es ist blanker Zynismus. Mit diesen Maßnahmen sichern Sie den relativ ungeschorenen Abzug auch des letzten der Spekulanten aus seinen waghalsigen Spieleinsätzen auf Kosten der Steuerzahler und vor allem der künftigen Generationen ab. Und wenn dann Ihr prächtig in Szene gesetzter neuer Wirtschaftsminister in Sachen Opel ausgerechnet Roland Berger als Berater kürt, findet das sogar die Presse etwas merkwürdig und das will was heißen. Was Unternehmensberatungen wie Roland Berger oder McKinsey auch angefasst haben, ob in der Rürup-Kommission, in der Hartz-Kommission oder auch in ihrem ganz normalen Geschäft, der Unternehmensberatung, es hat sich stets für die Allgemeinheit zerstörerisch ausgewirkt. Dass das ein im Gedenken preußischer Feudalherrschaft erzogener adeliger Wirtschaftsminister nicht versteht, kann man noch verstehen. Dass aber aus Ihren Reihen kein Veto kam, beweist eigentlich, dass Sie vergessen haben, wo Ihre Wähler zu finden sind. Zusammenfassend kann man sagen, dass keine Ihrer Maßnahmen zur Krisenbewältigung dort ankommt, wo es notwendig wäre, um zumindest den Binnenmarkt zu beleben. Dort, wo es erforderlich wäre, gleichen Sie nicht einmal die Inflationsrate aus und ihre Geschenke an die Wirtschaft treffen nicht den Teil der Wirtschaft, der die meisten Leute beschäftigt, den Mittelstand. Sie haben nur die gleichen Leute im Visier wie vor dem Bekanntwerden der Krise, die Hochfinanz und die Global-Player. Es hat schon einen tieferen Sinn, dass für die globalen Aktivitäten der Konzerne der unseriöse englische Begriff Player = Spieler eingeführt wurde. Zum Abschluss noch eine kleine Mahnung an die Linke. Sie werden, so hoffe ich, trotz vieler Ressentiments bei den nächsten Wahlen erheblichen Zulauf finden. Aber bedenken Sie, die Wähler werden Sie noch mit weitaus kritischeren Augen betrachten, als die übrigen Parteien. Machen Sie nicht die gleichen Fehler wie Ihr Berliner Ableger, sonst ist Ihr nächstes Wahlergebnis nichts als ein Strohfeuer. |
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