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Polit-PokerSchaut man bei Google-News, stechen bei den Artikeln über die zukünftige Kanzlerschaft fast immer zwei Fotos ins Auge. Einmal Angela Merkel und im Hintergrund Edmund-Stoiber (als graue Eminenz?) und einmal Schröder mit gespitzten Lippen, dicht bei ihm Müntefering, ein Bild, bei dem man nicht weiß, ob Münte mit Schröder knutschen will oder ihm nur tief in die Pupille schaut. Selbstbewusst verkündet Merkel stets, dass der Anspruch auf die Kanzlerschaft bei ihr läge, während in Interviews mit Schröder auch schon mal die Frage aufgeworfen wird, ob Schröder "weich" würde, weil er sich äußerte, dass er "alles" tun werde, um eine große Koalition zu ermöglichen. Aber wer Schröder kennt, weiß, dass solche Worte keine Aussage enthalten, eben nur Worte sind. Kompromissbereitschaft macht sich doch immer gut. Sie muss ja nicht wirklich vorhanden sein. Aus der grünen Ecke kommen langsam auch andere Töne. Fraktionschefin Göring-Eckardt lässt vorsichtig anklingen, die Grünen sollten sich künftig auch andere Optionen als Rot-Grün eröffnen. Aber als Politikerin ist man ja vorsichtig und signalisiert deshalb, eine solche Option doch mal erst auf Landesebene testen zu wollen. (SPIEGEL-online vom 26. September 2005). Bei Merkel ist bereits einmal lt. einem Pressebericht angeklungen, dass sie auch im Falle einer großen Koalition auf der Erhöhung der Mehrwertsteuer beharren werde. Interessant ist die Frage, welche Politik im Falle einer großen Koalition wirklich gefahren würde. Dabei muss man davon ausgehen, dass diese Zweckpartnerschaft von SPD und CDU/CSU vermutlich schlechter laufen wird, als die von Schröder in der letzten Legislaturperiode mit der Agenda 2010 angestoßene Politik des sozialen Kahlschlags, die dann in trauter Gemeinsamkeit, nach einigen Verschlimmbesserungen seitens der CDU/CSU von allen Parteien verwirklicht wurde. In einer großen Koalition wird aber die SPD ihr Augenmerk darauf richten, einen Teil ihrer Klientel zurück zu gewinnen und damit in einigen Punkten eine Blockadehaltung einnehmen. Ob die Mehrwertsteuer dazu gehört, ist eher fraglich, denn trotz aller Dementis hat Eichel schon länger mit dieser zusätzlichen Einnahme geliebäugelt. Hier ein Satz aus dem CDU/CSU Wahlprogramm:Wir fördern neue Formen der Infrastrukturfinanzierung, zum Beispiel durch eine verstärkte Nutzung der Möglichkeiten öffentlich-privater Partnerschaften (PPPProjekte) mit verursachergerechter Finanzierung. Für mich interessant ist die Frage, ob die SPD bei der von der CDU/CSU im Wahlprogramm angedachten Methode der PPP-Modelle (Public Private Partnership) mitspielt. Schließlich wurde von der CDU/CSU der SPD besonders die Schuldenpolitik vorgeworfen. Verwirklicht Merkel die PPP-Variante, kann sie je nach Intensität der Anwendung schon bald die Einhaltung der Maastricht-Kriterien verkünden, was ihr allgemeinen Jubel bescheren würde, weil sie Schulden "nur" durch die Hintertür gemacht hat, über welche die Presse bekanntlich Stillschweigen bewahrt. Werfen wir einen kurzen Blick auf die Funktionsweise eines PPP-Modells und der möglichen Ausprägung einer solchen Partnerschaft zwischen der öffentlichen Hand und der Privatwirtschaft: Gar nicht schlecht, wird jetzt so mancher sagen. Aber jedes Ding hat bekanntlich mindestens zwei Seiten. Das trifft auch auf einen solchen Deal zu.
Sie haben natürlich Recht, wenn Sie der Ansicht sind, dass die Ausgaben schließlich doch finanziert werden müssen. Aber da steht auch etwas im Wahlprogramm von CDU/CSU, was im ersten Gang nicht sonderlich auffällt. Wörtlich steht dort: Zurück zur Frage: Wie würde die SPD solche Vorhaben aufnehmen? Über die Privatisierung der Autobahnen als mögliche Einnahmequelle hat sich etwas vorlaut Wolfgang Clement bereits Anfang des Jahres mal ausgelassen, wurde aber schnell zurück gepfiffen. Dennoch könnte es sein, dass die SPD einem solchen Vorhaben nicht abgeneigt wäre. Aber die Schuldenverschleierung mittels PPP-Modell dürfte ihr nicht in Kram passen, weil das ja Punkte für die CDU/CSU gäbe. Ich gebe zu, das ist alles reine Spekulation, allerdings nicht ganz ohne Basis. Jedenfalls kann ich eines mit Gewissheit sagen: Nicht nur die letzte Wahl war spannend, sondern auch die nächsten Wochen werden spannend bleiben. Dass der Bürger dabei der Verlierer ist, ist ja nicht so wichtig, Hauptsache der Spaß- und Spannungsfaktor bleibt erhalten. Oder denken Sie anders darüber? |