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Opel: Standortverlagerung als Folge eines Rüstungsdeals?

Laut Monitor vom 22.7.2004:
Beim Rüstungskonzern Lockheed Martin wittert man damals ein ganz großes Geschäft. Osteuropäische Länder wie Ungarn und Polen wollen in die NATO und brauchen dafür moderne Waffensysteme, wie das Kampfflugzeug F16. Dass sich die armen Osteuropäer die teuren Flieger eigentlich nicht leisten können, scheint dabei kein Problem.

Wo ein Wille, da also auch ein Weg. Das dachte damals auch der polnische Ministerpräsident. Begeistert vom amerikanischen Angebot bestellte er gleich 48 US Kampfjets vom Typ F16.
Auch bei Opel in Deutschland herrschte vor einigen Jahren noch Begeisterung über das neue Modell Zafira. Jetzt wandert ein Teil der Produktion nach Polen. General Motors hat versprochen, dass die Konzerntochter Opel dort kräftig investiert - im Rahmen des F16-Deals.
Die Grundlage für dieses Koppelgeschäft wurde im April 2003 in Warschau besiegelt: Der F16-Vertrag. Ein Jahrhundertgeschäft - schwärmt man in Polen - das wie folgt funktioniert: Die polnische Regierung zahlt Lockheed Martin für die Flugzeuge stolze 3,5 Milliarden US Dollar. Auf Pump der US Regierung. Im Gegenzug verspricht Lockheed Martin ein lukratives Koppelgeschäft. Durch vertraglich zugesicherte Investitionen sollen mehr als 6 Milliarden Dollar zurück nach Polen fließen.
Hier kommt der amerikanische Automobilkonzern General Motors ins Spiel. Ihm schickt Lockheed eine bislang nicht bekannte Millionensumme aus dem Rüstungsdeal zu. Als Anreiz, damit General Motors über seine Tochter Opel anstelle von Lockheed einen Teil der zugesagten 6 Milliarden investiert.
Beide Konzerne bestätigen den Deal, schweigen aber über die Höhe der geflossenen Gelder.

Soweit der Ausschnitt aus der Sendung von Monitor.

Auch die bestehenden Probleme bei Opel sind von General-Motors hausgemacht.

Dass die anhaltende Arbeitsniederlegung im Opel-Werk Bochum laut Juristen unzulässig ist, wird den streikenden Opelanern in Bochum ziemlich egal sein. Bei ihnen geht es um die nackte Existenz.

Als GM im Jahr 2000 eine Allianz mit Fiat einging, haben die Opel-Mitarbeiter mit einem zweitägigen Streik auch die Zusagen erreicht, dass die Kooperation Opel-Fiat für sie keine Nachteile bringt.

Diesmal sieht es aber schlimmer aus, weshalb die Verantwortlichen wohl nicht so schnell nachgeben werden. Europa ist für GM derzeit ein Verlustgeschäft, egal ob Opel, Saab oder Vauxhall. Nur das Werk im spanischen Saragossa ist zu 100 % ausgelastet, Opel und Saab nur zu 60 %.

Den GM-Bossen zufolge sind dafür insbesondere die teuren deutschen Standorte verantwortlich: "Würden wir in Deutschland zu den selben Bruttolöhnen wie in Frankreich fertigen, fiele unser Jahresergebnis um bis zu 700 Millionen Euro günstiger aus", sagte Carl-Peter Forster, GM-Vize in Europa. Bezeichnend für die Vergleichsrethorik ist der Vergleich der Löhne, nicht der Vergleich der Qualität und Produktivität.

Bei solchen Betrachtungen bleiben die Fehler in den Managementetagen immer unerwähnt. Hat nicht die Konzernspitze in Detroit in den 90-ger Jahren einen regiden Sparkurs eingeführt, der zu dramatischen Qualitätseinbußen und damit enormem Imageverlust von Opel führte? Hat nicht die Konzernspitze in Detroit den immer stärker werdenden Trend zur Diesel-Technologie in Europa schlichtweg ignoriert? Und hat nicht die Konzernspitze in Detroit Manager nach Deutschland geschickt und dem deutschen Management vor die Nase gesetzt, die von europäischer und deutscher Modellpolitik und den hier vorherrschenden Qualitätsstandards schlichtweg keine Ahnung hatten?

GM leidet an dem gleichen Größenwahn wie die Bush-Administration: Das alte Europa muss man nicht verstehen, die sind eben rückständig. Es ist für die Bosse in den USA wohl unverständlich, dass technische Standards im "alten Europa" stärker gewichtet werden, als Chrom und unnötiger Schnick-Schnack. Und diese Ignoranz hat zu dramatischn Einbußen bei der Käufergunst geführt.

"Der Konzernführung geht es offenbar wie der US-Regierung, sie wollen das alte Europa nicht verstehen", sagte dazu Opel-Konzernbetriebsratschef Klaus Franz verbittert. Bei GM herrsche kurzfristiger Aktionismus mit Blick auf die US-Börse.

Opel und GM

General Motors (GM) übernahm 1929 die Adam Opel AG. 33,4 Millionen US-Dollar mussten die Amerikaner für den damals größten deutschen Autobauer zahlen. Derzeit beschäftigt Opel 36.000 Mitarbeiter, Stammsitz ist Rüsselsheim (Hessen).

Es zeigt wie so oft eines: Hochbezahlte Manager Setzen durch Fehlentscheidungen Milliarden in den Sand. Doch statt sie zur Verantwortung zu ziehen, sieht man zu, wie sie die Verantwortung auf die Belegschaften abwälzen und die Aktionäre sind es zufrieden, wenn dann durch Stellenabbau und Produktionsverlagerung, verbunden mit einem kleinen Geldgeschenk aus einem Rüstungsdeal (im Falle Opel) die Aussichten auf Profit wieder verbessert werden.

Ich denke, das ist immer noch nicht alles. Ein solcher Deal würde nicht geschlossen, wenn nicht die politische Landschaft in diesem Land das begünstigen würde. Aktionen dieser Art werden hingenommen. Auch wenn die Politiker in die Fernsehkameras betroffene Gesichter machen, sind das nichts als einstudierte Gesten. Aber tatsächlich wird man doch wegen ein paar Arbeitslosen mehr keine erneute Eiszeit mit Bush riskieren.

Clement und Steinbrück (Ministerpräsident NRW) mahnen die Arbeitnehmer zur Mäßigung. Arbeitsniederlegungen halte er für falsch, sagte Clement dazu. Die Opel-Geschäftsleitung habe bereits signalisiert, dass es Verhandlungsspielraum gebe: "Ich hoffe, dass bald wieder die Arbeit aufgenommen wird. Alles andere ist gewiss nicht von Vorteil", betonte er.

Am Dienstag wollen die Beschäftigten mit einem europaweiten Aktionstag den Druck auf das Management weiter erhöhen, die Kürzungspläne zu überdenken. Dann soll die GM-Produktion an allen europäischen Standorten vorübergehend ruhen. In Bochum werden Tausende von Menschen zu einer Protestveranstaltung erwartet, an der nach Angaben der NRW-SPD auch SPD-Landeschef und NRW-Wirtschaftsminister Harald Schartau teilnehmen will. Fraktionen von SPD und Grünen im Landtag riefen ebenso wie zahlreiche Gewerkschaften neben der IG Metall zur Unterstützung der Demonstration auf. Man sieht, es gibt auf Landesebene auch andere Stimmen in der Politik.

Noch ein weiteres Großdesaster ist zu vermelden: Karstadt!

Auch bei Karstadt werden Managementfehler moniert, sogar von Bundeskanzler Schröder. Und das wird wohl auch stimmen. So gründete Karstadt 1997 mit der Lufthansa ein Touristik-Gemeinschaftsunternehmen, den Thomas-Cook-Konzern, der zuletzt herbe Verluste brachte. Die weiteren Aktionen des Managements erinnern an ein Monopoly-Spiel, kaufen, kaufen, kaufen: 2001 erwarben die Essener die Textilkette SinnLeffers, eine Beteiligung an den Golf-House-Filialen und gründeten ein Joint Venture zum Betrieb der US-Kaffeehauskette Starbucks in Deutschland. Später kamen sogar Fitness-Center hinzu. Insgesamt gehörten Ende vergangenen Jahres 368 in- und 92 ausländische Firmen zum Konzern.

Interessant ist auch die Kommentierung mancher Wirtschaftsgazetten. So schreibt die FAZ, am Beispiel Karstadt würde die häufig geäußerte Feststellung, Massenentlassungen würden von der Börse mit Kursgewinnen honoriert, widerlegt. Der Aktienkurs von Karstadt würde weiter in den Keller gehen. Wie so oft bei der FAZ (und auch anderen Zeitungen) eine meinungsmachende, manipulative Betrachtung. Wenn nämlich zum gleichen Zeitpunkt Gerüchte kursieren, dass die Banken aus der Kreditgewährung aussteigen (unter anderem die Nord-LB), dann fürchten Anleger um Ihr Geld und das bringt die Kurse in den Keller.

Aber Managementfehler sind nur eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist der Verdrängungswettbewerb. So weiten die Discounter und die großen Handelsketten ihre Geschäftsfelder aus, indem sie wie Kraken ihre Arme in immer wieder neue Geschäftsbereiche stecken und da ist nichts vor ihnen sicher. Vom PC über das Fahrrad bis hin zu Gartenmöbeln, alles bei Aldi, bei Lidl, bei Tschibo u.s.w. Mit den Preisen der Discounter können die Kaufhausketten nicht mithalten und hier zeigt das kapitalistische System seine Struktuerfehler. Das kapitalistische System baut auf Wachstum. Ist der Markt gesättigt, findet Wachstum einfach nicht mehr statt. Wer eine funktionierende Waschmaschine hat, kauft keine Zweite. Was liegt also näher, als andere aus dem Spielfeld zu kicken, um so Wachstum zu generieren und der kapitalistischen Grundidee Genüge zu tun. Anders gesagt, während Aldi, Lidl etc. durch die Ausweitung ihrer Geschäftsfelder weiter wachsen, müssen andere wegen dem Verlust der zu den Discountern gewechselten Käuferschichten Personal entlassen. Für viele kleine Unternehmen bedeutet das die Insolvenz.

Unsere Politiker sehen das, aber es scheint sie nicht zu interessieren. Unbeirrt halten sie an ihrer Politik fest, machen Geschenke an die Wirtschaft, um diese anzukurbeln. Dafür müssen sie aber das Geld woanders herholen, konkret bei denen, die ohnehin keines mehr haben, bei uns. Das ist wiederum ein kapitaler Fehler, denn die Stagnation in unserem Land liegt nicht im Export, sondern im Binnenmarkt. Der wiederum ist abhängig vom Konsum der Bürger. Dem Bürger nimmt man aber ständig Geld ab, Vereinbarungen des Staates mit den Bürgern werden einfach mit einem Federstrich annulliert und zusätzlich geht man auf die Forderungen der Wirtschaft ein und unterstützt die Forderungen nach unbezahlter Mehrarbeit.

Eine unsinnige Politik. Die Bürger, die noch ein wenig Geld haben, werden sparen, aus Angst vor den Restriktionen des Staates und als Folge des Vertrauensverlustes in die staatliche Verlässlichkeit. Ein Staat, der heute mit den Bürgern schriftlich fixierte Vereinbarungen trifft und kurze Zeit später diese Vereinbarungen für obsolet erklärt (Beispiel 50ger Regelung), verliert das Vertrauen der Bürger und hat es auch nicht mehr verdient.

Schlimm dabei ist, dass diese Abwärtsspirale den Mittelstand viel härter trifft, als die großen Konzerne. Und der Mittelstand ist der eigentliche Motor der Wirtschaft. Die auf die Interessen der Multis ausgerichtete Politik treibt den Mittelstand in den Ruin. Insolvenzen und Steigerung der Arbeitslosenzahlen sind die Folge.

Sinn vom Ifo-Institut, der mit Vornamen eigentlich Un heißen müsste, hat mit einer Bemerkung sicherlich recht. Was Bei Karstadt und Opel passiert, ist nur die Spitze des Eisbergs. Wenn die Politik nicht bald gegen die permanente Profitmaximierung auf Kosten der Allgemeinheit gegensteuert, sind die Folgen unabsehbar. Im ersten Drittel des 20. Jahrhundert wurden ähnliche Fehler gemacht, aber damals waren die Menschen noch an Armut und Elend gewöhnt. Trotzdem kam es zum Eklat. Heute sind die Menschen an einen relativen Wohlstand gewöhnt und irgendwann werden alle erkennen, dass die Abwärtsspirale sich immer schneller dreht. Was dann passiert, wage ich nicht zu prognostizieren.