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Mein letztes Jobangebot:Das Telefon klingelt. Am nächsten Morgen schlage ich dort auf. Man hat ja die ultimative Super-Stelle für mich und es ist megadringend und überhaupt. Die wissen sonst gar nicht, wie es ohne mich weitergeht. Ob ich den SCHEIN mithabe. Was fürn Schein?? Ach sie wissen gar nicht??? Nee, ich weiss nix. Na aber man braucht den Schein, wegen der Vermittlung. Aha. Watt denn nur fürn Schein?? Da muss irgendwas an mir vorbeigegangen sein. ..Man klärt mich auf, ich brauche den KOPFGELDSCHEIN...den gibts beim Amt. Weil die das nicht schaffen, mich zu vermitteln, kann ich mir den Schein da holen...der Schein ist 2000 Euro Kopfgeld wert,wenn ein privater Vermittler mich vermittelt ...wuah,ich bin dem Staat 2000 Euro wert, damit er mich von der Backe hat. Wieso findet denn das Amt die Stellen nicht, die der private Vermittler findet? Dann könnte man die 2000 Euro doch sparen und wenn man das mal auf 5 Mio Arbeitslose umrechnet...mir wird schwindlig. Ich ORGANISIERE den Schein ( den ich eigentlich schon über ein Jahr haben müsste ) und bringe den Schein brav zum Vermittler, vorher kopiere ich den noch 14 mal, ich darf nämlich 15 private Vermittler beauftragen. Mensch, das ist ja richtig spannend. Und schon der erste HAT den Job, ich kann`s gar nicht fassen und bekomme sofort nen Adrenalin-Kick. "Sie können doch mit Outlook arbeiten, oder?" Ja kann ich, kann ich auch perfekt, ich kann sogar nen Netzwerkdrucker einrichten, wenn gewünscht oder nen Router neu konfigurieren und und und.... Der Vermittler erklärt mir, worum es sich handelt. Gefragt sind vielfältige menschliche Qualitäten, der Chef eines mittelständischen, "finanziell sicheren" Familienunternehmens sucht seine "zweite Hand", also DIE Chefsekretärin, die ins Unternehmenskonzept paßt, sich identifizieren kann, wo die "Chemie" stimmt und man langfristig (!!!) "fruchtbar zusammen arbeiten kann". Aha. Ich fasse das Ganze nicht, hier schmeißt mir wer meinen Traumjob nach. Trotz der massiven Endorphine, die mein Körper grade ausschüttet,kann ich nicht verhindern, daß in meinem Hinterkopf alle Alarmglocken schellen.Ich bin etwas wütend auf mich, weil das so ist, aber der böse Umstand "Erfahrung" ist allgegenwärtig. Ich eile nach Hause, um den Anruf des Arbeitgebers zu erwarten, der dann auch prompt erfolgt. Vorher checke ich kurz die firmeneigene Webseite, sieht gut aus, erster Eindruck positiv. Die machen Gewinn, haben Aufträge und wollen expandieren. Supi. Wir vereinbaren einen Termin für Montag Morgen ( es ist Freitag ). Am Montag Morgen motze ich mich entsprechend auf, ja okay, ich bin ne Frau und eitel. Immerhin verlasse ich mich nicht auf meine Optik, sondern weiss, daß ich auch was kann. Und was ich NICHT kann, kann ich lernen. Man kann alles lernen, wenn man will. Es ist arschkalt (17 Grad unter Null ),ich muss ne Stunde mit den öffentlichen Verkehrsmitteln tingeln, aber egal, es ist DER Job. Ich überschlage kurz im Kopf, daß die Monatskarte mich dann 67 Euro kostet und die S-Bahn-Fahrzeiten kann ich lesend überbrücken. Durchgefroren komme ich an. Cheffe ist sympathisch, in meinem Alter und locker drauf, das ist schonmal gut. Und dann kommen wir direkt zur Sache: Okay, das ist Nummer 1, die Chefsekretärin ( Office-Management ). Ich hab nur keine Ahnung von Buchhaltung, aber das macht ohnehin seine Schwester und Mitinhaberin der Firma. Paßt ja. Dann kommt Nummer 2, die Management- und Geschäftsführerassistentin. " Mir wird das alles zuviel, wir expandieren ja. Ich möchte MEINEN Aufgabenbereich ( also den den Geschäftsführers )komplett zwischen Ihnen und mir aufteilen. Das heißt, ICH betreue die Grosskunden und Sie den kompletten Kleinkundenbereich von Kontaktaufnahme, Kommunikation, Angebotserstellung, PRODUKTIONSÜBERWACHUNG!!!, Rechnungslegung und Versand. Ich will damit NICHTS mehr zu tun haben, sie machen das EIGENVERANTWORTLICH. " Ja okay, das hab ich auch kapiert. Ist machbar mit Einarbeitung. Nummer 3 ist der Produktionshelfer. "Wenn hier mal Not am Mann ist, stecke ich Sie zur Überbrückung auch mal eben in die Produktion, das können sie schon!" Ah ja, na wenn er meint. Die Firma stellt Styroporverpackungen im Lebensmittelbereich her. Es gibt nix, was ich nicht bereit wäre, zu lernen. Nummer 4 wäre dann der Verantwortliche für Werbung/Marketing. "Mehrmals im Jahr sind dann auch die Messen, auf denen wir uns präsentieren, vorzubereiten, das würde ebenfalls in ihr Aufgabengebiet fallen, natürlich unterstützen wir sie da mit unseren Erfahrungen, aber sie sollten das dann schon eigenverantwortlich können!" Nummer 5 wäre dann noch der Fremdsprachenkorrespondent. "Zunehmend bekommen wir Anfragen aus dem nichtdeutschsprachigen Raum und wir haben hier leider niemand, der englisch kann. " Ich verklickere ihm, daß ich willig bin, mein Englisch in relativ kurzer Zeit auf den Stand "kommunikationsfähig" zu bringen. Er hopst vor Freude fast an die Decke. Dann hätten wir ja ein sehr großes Problem schon mal gelöst!" Ich überschlage grade im Kopf, wie ich das geforderte Output in 40 Stunden SINNVOLL unterbringen kann, Organisation ist ja bekanntlich alles. Der Gute macht mir allerdings einen Komplettstrich durch diese Rechnung, in dem er mir erklärt, daß die Stelle "zunächst mal" mit nur 30 Stunden dotiert ist. Ach was. Die menschlichen Anforderungen sind machbar. Ich werde GEFORDERT. Man beachte: Knackpunkt: ich bin Hartz4-Empfänger und habe keine Forderungen zu stellen. Ich hab das Ganze mal ( ja man darf NOCH ab und an mal lachen....NOCH) in diversen Internetforen als Rätsel verpackt, nach dem Motto: was zahlt mir denn der Gute? KEIN Einziger hatte den richtigen Tipp Ich machs kurz und schmerzlos: 900 Euro Brutto im Monat bei 30 Stunden-Woche DAS IST DEUTSCHLAND!!!!!!!!!!!!!!!!!! |