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Der Kunde ist König

Ist ein Arbeitsloser wirklich König?

"Bei uns ist der Kunde König"!

Dieses Schild steht an manchen Geschäften, Gaststätten und anderen Unternehmen. Allerdings kann man dieses Schild nicht überall lesen!

Bei den Jobcentern gleich gar nicht!

Während die Wirtschaftsunternehmen immer mehr Wert auf Kundenorientierung statt Produktorientierung legen und dafür ein Menge Zeit und Geld investieren hat hier das Unternehmen Bundesagentur den umgekehrten Weg eingeschlagen.

Nach dem Motto: "Unser Kunde ist ein Bettler und so wird auch behandelt". Also eine völlige Umkehr jedweder anders lautender Wissenschaft-und Wirtschaftsmeinungen.

Kundenorientierung ist eine lohnende Sache, sagt die Wirtschaft.

Mit Einführung von Hartz IV wurde der Begriff "Kunde" auch für die Millionen Arbeitslosen eingeführt.

Ausgearbeitet wurde das Pampflet von einer Kommission.
Diese Kommission trug ursprünglich den Namen "Kommission Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt". Bekannt geworden ist sie dann jedoch unter dem Namen Hartz, benannt nach ihrem Leiter und Vorsitzenden Peter Hartz. Peter Hartz war zu dieser Zeit Mitglied des Vorstandes der Volkswagen AG.

Weitere Mitglieder der Kommission waren:

  • Prof. Dr. Werner Jann, Universität Potsdam
  • Isolde Kunkel-Weber, Mitglied des ver.di-Bundesvorstandes
  • Heinz Fischer, Abteilungsleiter Personal Deutsche Bank AG
  • Norbert Bensel, Mitglied des Vorstandes der DaimlerChrysler Services AG und der Deutschen Bahn AG
  • Dr. Jobst Fiedler, Roland Berger Strategy Consultants
  • Peter Gasse, Bezirksleiter der IG Metall Nordrhein-Westfalen
  • Wilhelm Schickler, Präsident des Landesarbeitsamtes Hessen
  • Dr. Peter Kraljic, Direktor der McKinsey & Company Düsseldorf
  • Klaus Luft, Geschäftsführer der Market Access for Technology Services GmbH
  • Harald Schartau, Minister für Arbeit und Soziales, Qualifikation und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen
  • Hanns-Eberhard Schleyer, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks
  • Prof. Dr. Günther Schmid, Wissenschaftszentrum für Sozialforschung
  • Wolfgang Tiefensee, Oberbürgermeister der Stadt Leipzig
  • Eggert Voscherau, Mitglied des Vorstandes der BASF AG

Nach dem durchlesen der honorigen Personen, müsste jedem auffallen, das diese Damen und Herren genau wissen müssten, was der Begriff " Kunde" für eine Bedeutung hat.

Ich glaube zumindest, dass in Ihren Firmen der Kunde als "König" behandelt werden soll. Nun Frage ich mich, wie so hoch bezahlte Manager bei Arbeitslosen den Begriff "Kunden" prägen konnten.
Sollten die Millionen Verhartzten mit dem Begriff eingelullt werden? Wo doch genau bekannt war, dass sie nie als Kunden behandelt werden sollen, vielleicht auch gar nicht behandelt werden können?

Wie war doch mal der Plan der Hartz IV-Kommssion?

Es sollte eine Quick-(Schnell-) Vermittlung, man könnte auch sagen eine One Night Stand-Vermittlung, stattfinden. Die Geschwindigkeit bei der Vermittlung soll erhöht werden. Arbeitssuchende und Arbeitgeben werden als Kunden der Arbeitsämter ( jetzt Arbeitsagenturen) gesehen. Daraus soll gleichzeitig ein verbesserter Service für die Kunden erfolgen.

So stand es im Hartz IV-Papier.

Was daraus geworden ist wissen wir.
Eine zunehmende Erniedrigung, Entmündigung und Demütigung Ihrer Kunden, zumindest des Kunden Arbeitnehmer, war die Folge.

Im Bereich der Kundenorientierung entstehen immer neue Berufsbilder. Zum Beispiel des Customer Relationship Management ( CRM), auch Kundenbeziehungsmanagement genannt.
Warum wohl?
Sollte der Kunde doch wichtig sein?

Das der Begriff "Kunde" zwar schön klingt aber nicht zum Arbeitslosen passt zeigen die nächsten Beispiele entnommen von Prof. Dr. Lothar J. Seiwert.
Prof. Seiwert hat zahlreiche Bestseller zum Thema Zeit- und Selbstmanagement geschrieben. In den USA und Frankreich wurde er jeweils für das "Beste Wirtschaftsbuch des Jahres" ausgezeichnet.
Also, der muß es ja wissen!

Er führte aus:

    Wissen Sie, warum ein Unternehmen Kunden verliert?
  • 68 % werden mißachtet oder gleichgültig behandelt
  • 14 % beschweren sich vergeblich
  • 9 % kaufen anderswo günstiger
  • 5 % kaufen bei Freunden oder Verwandten
  • 3 % ziehen weg
  • 1 % versterben

Hier seine Empfehlungen:
  1. Pflegen Sie einen engen Kontakt mit Ihren Kunden
  2. Machen Sie sich mit den Bedürfnissen, Erwartungen und Wünschen Ihrer Kunden vertraut
  3. Überprüfen Sie regelmäßig die Zufriedenheit Ihrer Kunden mit Ihren Produkten
  4. Konzentrieren Sie sich auf all Ihre Leistungen, mit denen Sie die Wertschöpfung für den Kunden erhöhen
  5. Beziehen Sie Ihre Kunden in Ihre Entscheidungsfindung mit ein
  6. Verlangen Sie von jedem Mitarbeiter innerhalb Ihrer Organisation, Ihre Kunden mindestens einen oder mehrere Tage im Jahr persönlich zu treffen und zu bedienen
  7. Passen Sie Ihre Geschäftsprozesse an die Bedürfnisse und Wahrnehmungen des Kunden an
  8. Strukturieren Sie Ihre Organisation entsprechend den Markterfordernissen
  9. Entwickeln Sie eine Kunden-Rückgewinnungs-Strategie und wenden Sie sie an
  10. Sie sollten nur kundenfreundliche MitarbeiterInnen einstellen und fördern

Nun entscheiden Sie selbst, ob der Begriff " Kunde" passend gewählt ist.
Oder ist es umgekehrt "Der König und der Bettler"?

Mir genügt es, wenn die Millionen Arbeitslosen wie Menschen behandelt, die in solidarischer Gemeinschaft unserer aller Hilfe und Aufmerksamkeit bedürfen und mit einer Grundsicherung ausgestattet werden, die Ihnen ein menschenwürdiges Leben ermöglicht.
Nicht mehr und nicht weniger.

Gruß allegro