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Wenn wir vom oberen Management sprechen, fallen uns Namen wie Schrempp, Ackermann, Esser, Heinrich von Pierer, Kajo Neukirchen und und und ein, unsere Kinnlade und unsere Mundwinkel ziehen nach unten und wir wenden uns schnell anderen Dingen zu, denn oberes Management bedeutet brutales Management auf personellem Sektor.

Nicht alle sind so. Es gibt sie noch, die Manager, für die Mitarbeiter mehr als Kostenfaktoren sind, Manager, die wissen, dass der Erfolg eines Unternehmens in weit stärkerem Maße vom Engagement der Menschen abhängt, die im Unternehmen arbeiten. Wohlverstanden, Menschen, nicht Personalnummern. Hier möchte ich jemanden vorstellen, der im obersten Management zu Hause war und letztendlich gezeigt bekam, was mit Leuten passiert, die nicht mitspielen, die sagen: Um meinen Job verantwortungsvoll auszufüllen, muss ich ehrlich sein und bleiben. Zunächst möchte ich mal kurz erläutern (auf meine subjektive Art), was für Dinge da mitspielen können. Ein Konzern hat einen Vorstand und ein Kontrollgremium, den Aufsichtsrat. Der Aufsichtsrat, so schreibt das Gesetz es vor, muss paritätisch besetzt sein, zur Hälfte Arbeitgeberseite, zur anderen Hälfte die Arbeitnehmerseite.
Eine echt demokratische Einrichtung? Nicht ganz. Wer will schon wirklich, dass die Arbeitnehmer die gleichen Rechte haben? Also muss ein Mitglied der Arbeitnehmerseite ein leitender Angestellter sein, z. B. ein Arbeitsdirektor.
Sitzt auf der Arbeitnehmerseite zumeist mindestens ein hochrangiger Gewerkschaftsfunktionär im Ausfsichtsrat, fehlt auf der Arbeitgeberseite nie mindestens ein Mitglied aus dem Bankengewerbe, bevorzugt von dem Unternehmen, welches den Konzern mit Krediten versorgt.
- Prof. Dr.-Ing. Hans-Joachim Selenz
- seit 1992 Mitglied des Vorstandes der Preussag Stahl AG.
- 1994 Sprecher des Vorstandes Preussag Stahl AG.
- 1996 Mitglied des Vorstandes der Holding, Preussag AG.
- Ab September 1999 Vorstand der EDAG, des größten unabhängigen europäischen Automobilentwicklers in Fulda.
- Vom 2. Juni (Börseneinstieg) bis März 1999 Vorstandsvorsitzender der Salzgitter-AG.
- Zum 31. Januar 2001 Rücktritt als Vorstand der EDAG.
Beeindruckend, nicht wahr. Finde ich auch. Beeindruckender finde ich aber seine Reaktion, als er sich weigerte, verfälschte Bilanzen zu unterschreiben und dafür Rufmord in Kauf nahm. Auf seiner HP sind die Vorgänge bestens beschrieben und wer darin verwickelt war und ist, in einer Kurzfassung finden sie die Story hier.
Natürlich, Hans J. Selenz wurde nicht in wirtschaftliche Not gestürzt. Doch das ist nicht ausschlaggebend. Er ist sich treu geblieben und prangert bis heute an, was in der Wirtschaft falsch läuft, das zählt.
Auch wenn die Beiträge von Prof. Selenz nicht immer meine Meinung wiedergeben, finde ich es wichtig, seine Sicht der Dinge zu veröffentlichen.
Hier nun sein Urteil über Ackermann, den kriminellen Chef der Deutschen Bank:
| Selenz Kommentar 7. August 2004 |
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Herr Ackermann und der „Führerschein“
Deutsche-Bank-Chef Ackermann habe im Mannesmann-Prozess „zugeben müssen, dass er das deutsche Aktienrecht nicht kenne.“ Heftige Kritik von Harald Petersen, Vorstand der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger an Josef Ackermann. „Wir sind froh, dass der Verstoß gegen das Aktienrecht nun vor dem Bundesgerichtshof verhandelt wird.“ „Die WELT“, 4. August 2004.
Man reibt sich die Augen. Wohlgemerkt - wir befinden uns in Deutschland. In Deutschland, wo man für jedwede Tätigkeit einen Schein braucht. Ein Handwerker ohne Meisterbrief wird sofort gestoppt. Wer ohne Schein angelt, der riskiert ein Strafverfahren. Jagen ohne Jagdschein ist kriminell. Boot fahren ohne Führerschein ist verboten - mit Motor ebenso wie unter Segeln. Sogar der Betrieb einer Frittenbude ohne Schein führt zum sofortigen Einschreiten der Behörden. Fahren ohne Führerschein ist in Deutschland schlechterdings undenkbar. Die Polizei schritte unbarmherzig zur Tat. Der Übeltäter ohne Fahrlizenz würde sogleich aus dem Verkehr gezogen. Wer aber überprüfte den „Manager-Führerschein“ von Herrn Ackermann?
Den „Führerschein“ von Herrn Ackermann definiert nicht nur das Aktiengesetz. Nach festen Vorgaben - versteht sich. Darauf verlassen sich die Aktionäre als Besitzer der AGs. Nach Aussage der Richterin hat Ackermann das Aktiengesetz verletzt. Die Mannesmann AG mutierte zum SB-Laden für Vorstände und Aufsichtsräte. Anschließend wurde der Laden zerlegt. Den „Führerschein“ präzisiert das „Gesetz über das Kreditwesen“ (KWG). Es regelt die Anforderungen für die „Zulassung zum Geschäftsbetrieb“. Hier lesen wir in § 32 - Erlaubnis - von der „Zuverlässigkeit“ dessen, der Bankgeschäfte betreiben oder Finanzdienstleistungen erbringen will. Nach § 33 wird die Erlaubnis zum Geschäftsbetrieb versagt, wenn „Tatsachen vorliegen, aus denen sich ergibt, daß ein Antragsteller oder eine der in § 1 Abs.2 Satz 1 bezeichnete Person nicht zuverlässig ist. Die fachliche Eignung ...setzt voraus, daß sie (die Personen) in ausreichendem Maße theoretische und praktische Kenntnisse in den betreffenden Geschäften sowie Leitungserfahrung haben.“ Ungeeignete Geschäftsleiter kann die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) abberufen. Nach § 36 kann sie ihnen auch die Ausübung ihrer Tätigkeit untersagen. Chef der Bafin ist Herr Sanio. Er ist damit oberster Bank-Polizist der Republik
Herr Ackermann ist Chef der größten Bank im Lande. Als Schweizer Staatsbürger, steht er für Weltläufigkeit im Vorstand der Deutschen Bank. Sein Victory-Zeichen zu Beginn des Mannesmann-Prozesses sorgte für Aufsehen. Das hatte er sich bei Michael Jackson abgeschaut. In den USA - versteht sich. § 93 AktG definiert die Voraussetzungen für die Berufung in den Vorstand einer AG. Wie er angesichts der identischen Bestimmungen von § 116 AktG Aufsichtsrat von Bayer, Linde, Lufthansa und Siemens werden konnte? Ein Rätsel. Ein Aufsichtsrat ohne spezifische Gesetzeskenntnisse. Damit ist auch klar, warum Richterin Koppenhöfer ihn nicht verurteilte. Da er das AktG nicht kannte, handelte er arglos und gänzlich ohne böse Absicht.....
Herr Ackermann beklagte sich: Nur in Deutschland stelle man Manager vor Gericht, die Werte schaffen. Damit meint er wohl, die zivilisierte Welt müsse mit Abscheu auf dies Land schauen. Nicht nur hier irrt Herr Ackermann. Die Werte, von denen er sprach, waren virtuell. Eine finanzielle Fata-Morgana sozusagen. Bilanzielle Luftspiegelungen. Ackermanns „Milliarden-Werte“ lösten sich buchstäblich in Luft auf. Nun soll sogar der deutsche Steuerzahler bluten.
Im Mannesmann-Prozess wurde eines klar: In diesem unserem Lande gibt es Manager, die nicht einmal die Regeln zur Führung der ihnen anvertrauten Unternehmen kennen. Deutschland ist damit das einzige Land der zivilisierten Welt, das Manager ohne „Führerschein“ nicht aus dem Verkehr zieht. Die gesetzlichen Vorgaben dazu hätten wir. Sie werden aber nicht angewandt, da sie offenbar nur für Buchhalter gelten. Herr Sanio, wann schreiten Sie als Bank-Polizist zur Tat?
| Peine, den 7. August 2004 |
gez. Prof. Dr.-Ing. Hans-Joachim Selenz |
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