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Selenz` Kommentar 12. Dezember 2007

Wendelin Wiedekings Wundergage

Die Managergagen beherrschen die Schlagzeilen. Landauf landab. Die Vorstandsvergütungen in deutschen Aktiengesellschaften haben abgehoben, schießen raketengleich in den Einkommenshimmel. Seit kurzem sticht bei diesem Gagenfeuerwerk ein Manager ganz besonders hervor - Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Er ist der neue Shooting-Star in der nach oben hin offenen Gagen-Skala. Für 2007 erhält er 60 Mio. Euro. Soviel wie 1000 Porsche-Werker. Kein noch so wohlhabender Mittelständler würde sich aus seinem Unternehmen derart unverschämt bedienen. Doch woher kommt das viele Geld? Hat Wiedeking bei Porsche den Dukaten-Esel gefunden?

Als er in Zuffenhausen antrat, stand Porsche kurz vor der Pleite. Fast zeitgleich übernahm ein gewisser Ferdinand Piech das Ruder bei VW. Er brachte das ihm anvertraute Unternehmen sogleich auf Porsche-Kurs. "Der VW-Konzern ist für Porsche von entscheidender Bedeutung," schrieb BUSINESSNEWS am 14. Februar 2007 "weil der Sportwagenbauer Ressourcen der Wolfsburger in den Bereichen Produktion und Entwicklung nutzt. Der Aufstieg Porsches, von einem Unternehmen am Rand des Bankrotts zum profitabelsten Autohersteller der Welt, wäre ohne den Rückgriff auf VW-Ressourcen undenkbar gewesen". Bis zum letzten Jahr verschleierte VW seine intime Verbindung zu Porsche sogar im Geschäftsbericht. Das allein wäre schon schlimm genug. Es ist aber nur die halbe Wahrheit. Kaum bei VW am Ruder, umgab sich Piech mit Lakaien und Ja-Sagern. Die stimmten Piechs Porsche-Plänen servil zu. Im Nu waren weitere wichtige Vertriebslizenzen im Osten in der Hand der Piech/Porsche-Familie. Wem der Kurs des Porsche-Eigners nicht passte, wurde gefeuert. Gnadenlos. Fachliche Qualifikation spielte keine Rolle bei VW. Kadavergehorsam war angesagt. Sogar Auto-Professor Seiffert wurde entsorgt.

Der Aufstieg Porsches vom Rand des Bankrotts mit Rückgriff auf VW-Ressourcen erfuhr mit dem Cayenne-Projekt seine finale Krönung. Piech ließ den Geländewagen Touareg entwickeln. Porsche wurde Projektpartner. Nicht etwa die Konzerntochter Audi. Der Cayenne entstand auf der Touareg-Plattform. Sogar die Türen sind austauschbar. Damit öffnete Piech der Sportwagenschmiede seiner Familie ein völlig neues Marktsegment. VW bestritt das Gros der Entwicklungskosten. VW stellt auch die Fabrik. Das schont den Geldbeutel der Porsches und der Piechs ganz ungemein. Der Cayenne läuft in Bratislava mit dem Touareg vom Band, wie die FAZ schrieb. Das stimmt indes nicht ganz. Am Bandende lässt man Motor und Räder weg. Damit wird "eine Rohkarosse vorgetäuscht", so der Werksvorstand. Dessen Parole: "Vier Schrauben und der Porsche ist fertig." Motor und Räder montiert Wiedeking in seiner Tarnfabrik in Leipzig. So wird aus "Fake in Slovakia" "Made in Germany". Die slowakischen VW-Werker bekommen 1/6 der Löhne ihrer Wolfsburger Kollegen. An einem Top-Modell Turbo S verdienen die Piechs und die Porsches VW-Angaben zufolge bis zu 50.000 Euro. In seinem Buch "Anders ist besser" kritisiert Wiedeking genau diese "krude Profitmaximierung" von "Sozial-Rambos" insbesondere im Osten. Über den Cayenne wurden Konkurrent Porsche Milliarden zugeschoben, statt sie im Konzern bei Audi zu heben. Mit diesen Milliarden von VW finanzierte Porsche den Einstieg bei VW. Die Heuschrecken, mit denen man die Öffentlichkeit narrte, saßen in Zuffenhausen. "Wir wollten einfach unser in den vergangenen Jahren so erfolgreiches Geschäftsmodell absichern", gesteht Wendelin Wiedeking in seinem Buch. Das ist zumindest ehrlich.

Das Cayenne-Projekt - gegen die Interessen von VW gerichtet - war eine Auslandsinvestition. Für die brauchte Piech den Betriebsrat. "Ohne IG Metall und Zustimmung des Betriebsrates gibt es keinen Pfennig außerhalb der deutschen Grenzen", begründete Dr. Schuster gegenüber dem LKA die Bordellzahlungen über das Konto 1860. Das hatte VW-Revisionschef Reinecke zum kriminellen Freiraum erklärt. Reinecke unterstand direkt den VW-Chefs Piech und Pischetsrieder. Piech war zudem das einzige Organ bei VW, das von den Betrugsvorgängen über seine Familienfirma persönlich profitierte. Die FAZ formulierte es messerscharf: "Wann hat man Vergleichbares erlebt? Dass ein angestellter Manager - nichts anderes war Piech in seinen aktiven VW-Jahren - einen Weltkonzern Zug um Zug unter die Kontrolle seiner Familie bringt".

Wendelin Wiedekings Wundergage entpuppt sich somit als Teil dieser Milliarden-Beute zu Lasten der 325.000 VW-Werker und Tausender Aktionäre. Die Justiz verharrt derweil im Tiefschlaf.

Peine, den 12. Dezember 2007
gez. Prof. Dr. Ing. Hans-Joachim Selenz