Die Arbeit von Professor Hengsbach

Der gläubige Katholik Friedhelm Hengsbach ist ein erklärter Gegner der zur Zeit laufenden Sozialreformen. In einem Interview mit dem Stern-Magazin sprach er deutliche Worte über die Fehlentwicklung der momentanen Reformeuphorie der politischen Kräfte. Der Professor, für den Solidarität und soziales Verhalten christliche Werte und gleichzeitig gesellschaftliche Notwendigkeit sind, artikuliert seine Ablehnung der Einschnitte in das Sozialgefüge sehr deutlich.

Interview mit dem Stern

Es folgen weitere Schriften, die kurz kommentiert werden und dann als Link auf die Original-Beiträge eingefügt wurden. Alle Links auf die Original-Beiträge verweisen auf PDF-Files.


Kritik des wirtschaftlichen Fundamentalismus

Im März 2003 publizierte er eine seine scharfe Kritik über, wie er es nannte, marktradikale Bekenntnisse und wirtschaftlichen Fundamentalismus.

Er bezieht sich dabei auf auf Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme und auf Friedrich A. Hayeks Konzept spontaner Ordnung als Deutungsmuster der Wirtschaftsgesellschaft und setzt sich mit den Theorien der ökonomischen Funktionsregeln von Angebot und Nachfrage auseinander.
Er verweist in seiner Analyse darauf, dass einseitige Betrachtungsweisen oder die Ausblendung bestimmter Sichtweisen zwangsläufig zu Fehldiagnosen führt und zieht als Beispiel die Arbeitslosigkeit und die politische Reaktion darauf heran.

Er kritisiert, dass betriebswirtschaftliches Denken mehr und mehr die volkswirtschaftliche Betrachtung verdrängt mit der Folge, dass Unternehmen, deren Blick zwangsläufig mehr auf betriebs- als auf volkswirtschaftliche Interessen gerichtet ist, stagnative Tendenzen nicht den marktpolitischen Anforderungen, sondern den arbeitspolitischen Rahmenbedingungen zuordnen.

Weiterhin kritisiert er die Fehleinschätzungen bezüglich des Generationenkonflikts, beleuchtet die Fiskalpolitik der EU mit den unterschiedlichen Inflationswerten der Kern- und der Randländer und wirft einen Blick auf die Gefahren der unterschiedlichen Marktsichtweisen der USA und Europas.

Die marktradikalen Bekenntnisse sind bodenlos - Kritik des wirtschaftlichen Fundamentalismus


Wird Solidarität fahrlässig demontiert?

In einem im Mai 2003 publiziertem Beitrag reflektiert Professor Hengsbach die Betrachtung solidarischen Handelns, real und politisch gesehen. So verweist er die modische Betrachtung, dass die Risikobereitschaft, Kreativität und Innovationskraft der 20-30jährigen mehr Wachstum und Beschäftigung hervorbringen als die Erfahrung, das Urteilsvermögen und die Weisheit der 50-60jährigen, in das Reich der Fabel. Er sieht den Generationenkonflikt nicht als Konflikt der verschiedenen Generationen (Kind, Eltern, Großeltern) sondern als Verteilungskonflikt einer Gereration (Erwerbstätige) an.

Er verneint den Zusammenhang zwischen Globalisierung und Arbeitslosigkeit und geißelt die politische Demontage der sozialen Werte. In diesem Zusammenhang geht er auch auf die politischen Fehlentscheidungen der Gesundheitsreform ein.

Solidarität schmilzt nicht von selbst - Wird sie fahrlässig demontiert?


Verantwortung der Unternehmer

In diesem Beitrag (Oktober 2003) setzt sich Prof. Hngsbach mit der Verantwortung von Untenehmen auseinander und sinniert über die von von Max Weber vor 100 Jahren definierten Begriffe einer Gesinnungsethik, die sich auf Handlungsabsichten und einer Verantwortungsethik, die sich auf Handlungsfolgen bezieht. Er verweist auf die Unterschiede individueller und gesellschaftlicher Verantwortung. Er verweist darauf, wie aus fürsorglicher Verantwortung der Unternehmer kleinerer und mittlerer Betriebe zu ihren Arbeitern und Angestellten eine partnerschaftliche Verantwortung für hochqualifizierte und kompetente Angestellte geworden ist, die sorgsam gepflegt werden muss.

Er verweist auf die Divergenzen bei freiwilliger Verantwortungsbereitschaft gegenüber einer aufoktruierten Verantwortungspflicht und beleuchtet die Dimension der Verantwortung im Verhältnis einer starr auf unternehmerische Gewinnmaximierung im Gegensatz zu einer offenen Auslegung mit optimalem Verhältnis der genutzten Ressourcen und des angestebten Gewinns.

Die zivilgesellschaftliche und gesamtwirtschaftliche Verantwortung der Unternehmer


Gerechtigkeit zwischen den Generationen?

In diesem Beitrag (Oktober 2003) reflektiert er die Generationendebatte. Er klärt zunächst über den Begriff Generationen auf. Er verweist auf die sozialen Regelungen, die gesellschaftliche Gruppen einander beanspuchen und schulden und verweist die Kampfparolen der Politik in den Bereich des Populismus. In vier Schritten überprüft er die Kampfparolen und weist anschließend Wege zur Bewältigung. Dabei zerpflückt er zuerst die Behauptung, der demografische Faktor und die geringe Geburtenrate belasteten die Generation von morgen. Im zweiten Schritt beleuchtet er das Verhältnis der Staatsverschuldung zur nächsten Generation. Im dritten Schritt geht er auf die Umlagenfinanzierung ein und moderiert den Begriff der Generationen-Bilanzierung. Danach folgen seine Thesen für den Ausweg aus der Krise.

Gerechtigkeit zwischen den Generationen? - Gerechtigkeit innerhalb derselben Generation!


Ein Menschenbild hinter der Agenda 2010?

In diesem Beitrag werden die markigen Thesen bezgl. der Agenda und die dagegen diffus und desolat wirkenden ökonomischen und gesellschaftlichen Analysen der Agenda gebrandmarkt.

Anschließend wird das Menschbild beschrieben, der Adressat der Agenda oder gelinde gesagt die Vorstellung der Politiker von den Menschen, die man mit der Agenda in eine glorreiche Zukunft führen will.

Ein Menschenbild hinter der Agenda 2010?


Soziale Gerechtigkeit - mutwillig beschädigt

Der Titel spricht für sich. Hier ein kurzer Auszug aus dem Beitrag:

Tatsächlich wollte Bundeskanzler Schröder den Erfolg seiner Politik daran messen lassen, dass sie zu mehr Wachstum und Beschäftigung führt. Aber die Veränderungen, die jetzt den Bürgerinnen und Bürgern mit geringem Einkommen zugemutet werden, sind wohl das Gegenteil versprochener Reformen.

Sie sind ein reines Reform-Spektakel. Die Politiker kündigen Jahrhundertwerke an, etwa die größte Steuerreform seit Bestehen der Bundesrepublik oder die größte Gesundheitsreform in der jüngeren Sozialgeschichte oder die größte Sparoperation, die es je gegeben hat. Aber sehr schnell verkümmert der inszenierte Bühnenzauber zur Mini-Reparatur in einer Hinterhofwerkstatt. Dann werden nur noch Sozialleistungen eingespart, gekürzt, gestrichen.

Soziale Gerechtigkeit - mutwillig beschädigt


Gerechtigkeitsfieber

Hier prangert Professor Hengsbach die von den verschiedenen Politikern geprägten Definitionen der Gerechtigkeit an.

Gerechtigkeitsfieber


Die neuen Verformer

Für Professor Hengsbach sind die Maßnahmen der Agenda keine Reformen, sondern Verformungen und ihre Initiatoren Verformer. Mit scharfen Worten greift er den volkswirtschaftlichen Unsinn der Maßnahmen an.

Die neuen Verformer


Clement durchgeknallt?

Mit der Fronleichnams-Idee von Clement, Feiertage abzuschaffen und unbezahlte Mehrarbeit zu verlangen und den Hurra-Schreien etlicher Wirtschafts-Bosse und Parteifunktionäre hat man den Professor wohl verärgert. Mit klaren Worten prangert er den Unsinn solcher Forderungen an.

Clement durchgeknallt?


Viel Deformation, wenig Reform

Dieser Beitrag befasst sich mit der Gesundheitsreform und kritisiert unverhohlen die reißerischen Ankündigungen einer qualitativen Verbesserung des Gesundheitswesens bei gleichzeitiger Demontage des Solidargedankens. Auch hier verweist der Professor auf die realen Marktmechanismen, die nach seinem Empfinden keine Relevanz zu den politisch definierten Wettbewerbsmechanismen haben.

Viel Deformation, wenig Reform


Herdentiere im Reformfieber

Nach Ansicht von Professor Hengsbach füttert die Koalition die Öffentlichkeit mit Legenden, um den Abbau der Sozialstruktur zu rechtfertigen. Die Opposition verliert sich nach seiner Auffassung in einem Überbietungswettbewerb, von dem letztendlich nichts als reine Sparkosmetik übrig bleibt. Er verweist darauf, dass sich im Solidargedanken die Beiträge nach der Leistungsfähigkeit und die Hilfeleistungen nach der Notlage richten.

Hengsbach geißelt die CDU als Trittbrettfahrer der SPD-Beschlüsse, die nach seiner Ansicht die gesellschaftliche Spaltung verfestigen statt sie zu entschärfen.

Herdentiere im Reformfieber


Sozialreformen sollen wirken und gerecht sein

Prof. Hengsbach dokumentiert in diesem Beitrag die Defizite der öffentlichen Debatten, die von Jahrhundertwerken und größten Veränderungen der Sozialgeschichte sprechen und als stümperisches Flickwerk enden. Er verweist auf die Tatsache, das bei der Rasenmähermethode von vorneherein die Stellen ausgegrenzt wurden, die der Rasenmäher nicht erfassen soll, dass die Entscheidungsträger und die einberufenen Kommissionäre selbst keinerlei Erfahrung mit sozialer Ausgrenzung und Armut haben und somit die Denkweisen von abgesicherten Beamten und Unternehmensmanagern vertreten. Er klagt an, dass bei den Reformen die Opfer zu Tätern, Verweigerern und Schmarotzern stilisiert werden. Er verweist auf die brüchig gewordenen Familienbilder, die von einem arbeitenden Ehemann, einer im Haushalt beschäftigten Partnerin und 2 bzw. mehr Kindern ausgehen. Er fordert den offenen Dialog über Gerechtigkeit, getragen von gegenseitigem Respekt.

Sozialreformen sollen wirken und gerecht sein


Fetisch Demographie

In diesem Beitrag räumt der Professor mit der spekulativen Verwendung des demographischen Faktors auf und verweist auf die Entwicklung der Vergangenheit, in welcher der gleiche Faktor jederzeit erkennbar war und durch die wirtschaftliche Produktivitätssteigerung mehr als neutralisiert wurde. Er verweist auf die Diskrepanz einer geforderten, höheren Lebensarbeitszeit und der gleichzeitig ausgeübten Praxis der Wirtschaft, den Arbeitnehmerbestand ständig zu verjüngen. Dieser Trend der Wirtschaft habe sich vor allem in den 90-ger Jahren herauskristallisiert, als dynamische Jungmanager den neuen Markt gründeten, der sich letztendlich als Blase entpuppte und immenses Volksvermögen vernichtete. Nach seinem Urteil braucht die Wirtschaft sowohl die Kreativität und Risikobereitschaft der Jugend, als auch die Weisheit und Erfahrung des Alters, wenn sie fortbestehen und konkurrenzfähig bleiben will.

Fetisch Demographie