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Erstelldatum: 05.08.2006
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Ein Flyer in Thüringen
das Original (PDF-File)
Thüringens Innenminister Gasser hat einen Flyer herausgebracht, der dem Extremismus Einhalt gebieten soll. Damit jeder weiß, was Extremismus ist, hat er das auch beschrieben. Allerdings war er wohl schon müde und deshalb hat er ein paar Dinge vergessen. Am Ende gehe ich auf diese Positionen näher ein.
Handeln
gegen
Extremismus |
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Extremistisches Denken und Handeln kann
nur gemeinsam nachhaltig bekämpft werden!
Unterstützen Sie die Arbeit der Sicherheitsbehör-
den! Durch Hinweise aus der Bevölkerung konnte
in der Vergangenheit eine Vielzahl rechtsextre-
mer Musikveranstaltungen verhindert oder aufge-
löst werden.
Beweisen Sie Zivilcourage!
Schauen Sie nicht weg, wenn Dritte belästigt werden.
Informieren Sie bei Gefahr die Polizei!
Engagieren Sie sich auf lokaler Ebene vor Ort!
In vielen Kommunen existieren bereits kriminalprä-
ventive Räte, die sich unter anderem auch mit
der Problematik des Extremismus befassen.
Zeigen Sie Extremisten Ihre Ablehnung!
Oftmals genügt bereits ein deutliches Ignorieren.
Lassen Sie sich nicht provozieren!
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- Ihre Polizeidienststelle vor Ort
Notruf 110
Internet: http://www.polizei.thueringen.de
- Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz
Haarbergstraße 61, 99097 Erfurt
Tel: 0361/ 4406- 0
Internet:
http://www.verfassungschutz.thueringen.de
- Thüringer Landeskriminalamt
Abteilung Staatsschutz
Am Schwemmbach 69
99099 Erfurt
Telefon: 0361 / 341 - 09
Internet:
http://www.thueringen.de/de/lka/
- Thüringer Innenministerium
Steigerstraße 24, 99096 Erfurt Tel.: 0361 / 1188
Internet: http://www.thueringen.de/de/tim
Informationen zum Thema Rassismus, Fremdenfeindlichkeit
und Radikalismus finden Sie auch im
Internet unter: http://www.polizei-beratung.de
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Nutzen Sie staatliche Informations- und Aufklä-
rungskampagnen! |
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Liebe Bürgerinnen und Bürger,
unser demokratischer Rechtsstaat gewährleistet jedem
Einzelnen verschiedene Grundrechte. Da Demokratie
vom offenen Diskurs der politischen Meinungen lebt,
haben gerade Demonstrations- und Meinungsfreiheit
besondere Bedeutung. Grenzen für die Grundrechtsausübung
bestehen zumeist erst dort, wo Rechte anderer
beeinträchtigt werden. Dies ist gut und richtig. Leider
können aber auch Extremisten diese weit gehenden
Freiheiten nutzen, selbst wenn dies vielen Bürgerinnen
und Bürgern oft unerträglich erscheint.
Jegliche Art von Extremismus, sei es aus dem rechten
oder linken Spektrum, aus dem In- oder Ausland, muss
konsequent bekämpft werden. Der Staat wird dafür alle
rechtsstaatlichen Mittel unserer Verfassung nutzen. Um
letztlich erfolgreich zu sein, bedarf es aber vor allem
eines breiten demokratischen Konsenses in unserer
Bevölkerung. Nur gemeinsam kann der Extremismus
nachhaltig bekämpft werden. Wir alle sind gefordert,
immer wieder zu zeigen: Extremisten sind in Thüringen
nicht willkommen!
Ihr
Dr. Karl Heinz Gasser
Thüringer Innenminister
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Formen
des Extremismus
Rechtsextremismus
Merkmale:
- Überbewertung ethnischer Zugehörigkeit
(Nationalismus, Rassismus)
- Ideologie der Ungleichheit (Antisemitismus,
Fremdenfeindlichkeit)
- Autoritäres Staatsverständnis
- Kollektivismus statt Individualismus
Ziele:
- Überwindung der bestehenden Staats- und
Gesellschaftsordnung
- Wiederzulassung eines totalitären Staates auf der
Grundlage des Elite- und Führerprinzips
- „Reinerhaltung der eigenen (weißen) Rasse“ durch Abgrenzung vor „rassisch minderwertigen
Ausländern“
Besondere Gruppierung:
Skinheads lassen sich insbesondere von der
Neonaziszene und der NPD für Demonstrationen
mobilisieren, nutzen ihre Konzerte, um junge
Sympathisanten an die Szene heranzuführen.
- Linksextremismus
Merkmale:
- Errichten einer Volksfront (Zusammenarbeit mit
allen als „fortschrittlich“ geltenden politischen und sozialen Kräften)
- Aktionsbündnisse in sozialen Bewegungen
- Revolutionärer Klassenkampf
Ziele:
- Ablösung der freiheitlichen demokratischen
Grundordnung („Zerschlagung des
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Kapitalismus“) durch ein sozialistisches/kom-
munistisches Staats-/Gesellschaftssystem mit
Einparteienherrschaft
Autonome verweigern bewusst den politischen Dialog
und die gesellschaftliche Integration, stehen
Hierarchien und Autoritäten ablehnend gegenüber,
und betrachten Gewalt als legitimen Akt der
„individuellen Selbstbefreiung“.
Merkmale:
Massive Propaganda innerhalb der Personengruppe der Landsleute
Teilweise Versuch, sich als Fürsprecher der jeweiligen Migrantengemeinde darzustellen
Teilweise Aktivitäten in terroristischen Untergrundnetzwerken
Ziele:
Marxistisch-leninistische Gruppierungen:
Zerschlagung der Staats- und Gesellschafts-
strukturen und Errichtung einer orthodoxen kom-
munistischen Staats- und Gesellschaftsordnung in
den Herkunftsländern der Aktivisten
Nationalistisch-separatistische Gruppierungen:
Änderung der bestehenden territorialen Ordnung
in den Herkunftsländern der Aktivisten und
Errichtung unabhängiger Einzelstaaten nach
ethnischen Ordnungskriterien
Islamistische Gruppierungen:
Errichtung einer islamischen Staats- und Rechtsordnung (Scharia) in den Herkunftslän- dern der Aktivisten
Politisch-territoriale und kulturelle Ausdehnung des Islam weltweit
Zurückdrängen „westlicher“ Werte und Gesellschaftsformen
Teilweise gewaltsamer Kampf „für die Interessen des Islam“ („Jihad-Terrorismus“)
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Nun meine Interpretation dieses Flyers:
Liebe Thüringer Bürger,
sollte Ihnen in den Straßen eine der so genannten Montagsdemos auffallen, dann wissen Sie in Zukunft, dass das eine Extremistengruppe, vermutlich von Linksextremisten ist, allerdings, wenn Sie z. B. Frauen mit Kopftüchern unter den Demonstranten sehen, sind vermutlich auch islamitische Terroristen unter den Demonstranten. Sie brauchen dann allerdings nicht die Polizei zu informieren, weil die schon mit starken Einsatzkräften vor Ort ist. Wenden Sie sich einfach ab und ignorieren so diese Extremisten.
Seien Sie versichert, dass sowohl die Polizeikräfte als auch die verdeckt unter die Demonstranten gemischten Mitarbeiter des Verfassungsschutzes dort ihre erkennungsdienstlichen Maßnahmen treffen. Um dieser drohenden Gefahr Herr zu werden, wurde das Polizeirecht geändert:
Polizeirecht
Am 28. Juni 2002 ist das neue Polizeiaufgabengesetz in Thüringen in Kraft getreten. Mit teilweise erheblichen Änderungen und Neuregelungen soll die Polizei nun besser in der Lage sein, wirksam handeln und vorbeugen zu können – unter anderem durch:
- Aufenthaltsverbote und Platzverweise mit erweiterten Möglichkeiten
- präventive Telekommunikationsüberwachung (§ 34a Polizeiaufgabengesetz)
- Verdeckter Einsatz technischer Mittel in Wohnungen
- Rasterfahndung (erweiterter Anwendungsbereich zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus)
- wirksame Bekämpfung der Organisierten Kriminalität unter Einbeziehung des Thüringer Landesamtes für Verfassungsschutz
Sollten Sie Polizeikräfte sehen, die mit erhobenen Schlagstöcken über einem am Boden liegenden Demonstranten stehen, hat dieser die Polizei massiv bedroht. Die erhobenen Schlagstöcke dienen natürlich nur der Abschreckung.
So hätte Herr Gasser seine Ansprache fortsetzen können. Seine Darstellung ist nicht ungeschickt, denn sie spekuliert auf die Art der Wahrnehmung. Am Beispiel der Montagsdemos ist das gut darzustellen. Bei diesen Demos laufen fast immer Leute mit Fahnen politischer Gruppierungen mit, sowohl rechter als auch linker Gruppierung. Ob nun MLDP, REP oder NPD, sie machen sich mit ihren Fahnen bemerkbar. Damit werden die eigentlichen Veranstalter in die Nähe dieser Gruppierungen gerückt, im Flyer als Verbündete.
Wer den Kapitalismus ablehnt, ist nach Auffassung von Herrn Gasser offensichtlich gleich ein Extremist. Dabei scheint Herrn Gasser allerdings eine im Grundgesetz verankerte Definition völlig entfallen zu sein. Art. 20 Abs. 1 betont:
Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat
Dort steht nichts von Kapitalismus, erst recht nichts vom derzeit praktizierten Raubtierkapitalismus. In der Auflistung von Herrn Gasser fehlen außerdem 2 Arten extremistischer Gewalt: Der Staatsterrorismus und der Kapitalterrorismus. Wer die letzten Aussagen von Dieter Hundt und Peter Clever, dem Präsidenten bzw. Hauptgeschäftsführer der BDA, gelesen hat, kann diese Aussagen nur unter die Rubrik terroristischer Aktivitäten einordnen. Man will die ALG II-Leistungen weiter kürzen, die Sanktionen verschärfen und Hundt droht damit, seinen Betrieb nach Osteuropa zu verlagern.
Terror muss nicht zwangsläufig mit physischer Gewalt zusammenhängen. Und Psychische Gewalt wird von diesen Regierungen in Bund und Ländern in verstärktem Maße ausgeübt. Der Flyer des Herrn Gasser gehört dazu. In der Wahrnehmung der Thüringer Bürger sollen sozial Engagierte in die Nähe extremistischer Gruppierungen gerückt werden.
Nur frage ich mich, ist nicht eine Regierung, zwar von uns gewählt, aber tatsächlich in den Diensten des Kapitals, sozusagen als Abteilung CDU, CSU, SPD, FDP und Grüne nicht viel extremer als die im Flyer genannten Gruppierungen? So sehe ich die Skinheads als Primitivpräsenz der Rechten, die Intellektuellen der Rechten sitzt aus meiner Sicht längst wieder auf Parlamentsbänken. Ich zumindest sehe die Regierungen dieses Landes nicht mehr als Volksvertretungen an. Für mich sind sie nichts als Kapitalvertreter, die zurzeit dabei sind, die rechtlichen und freiheitlichen Grundwerte, die dieses Land einmal hatte, restlos zu zerschlagen. Für mich die derzeit schlimmste Form extremistischer Gruppen. Wir sind auf dem besten Wege, wieder ein Polizeistaat zu werden.