| Navigation aus Navigation an | Erstelldatum: 17.09.2007 |
Der AbschussDie Debatte um den Abschuss einer von Terroristen gekaperten Passagiermaschine ist neu aufgeflammt und hat einen weiteren Befürworter gefunden, den "Kriegsminister Jung." Dass das BVerfG bereits ein endgültiges Nein zu dieser Frage äußerte, scheint die Herren Minister Jung und Schäuble nicht zu stören. Der Kölner Stadtanzeiger berichtete unter dem Titel: Luftwaffenpiloten: „Wir würden nicht schießen”, dass die Piloten sich in der Form äußerten, dass sie den Abschuss einer Passagiermaschine aus grundsätzlichen rechtlichen und moralischen Gründen ablehnen. "Wir sind über die Haltung des Ministers, unter allen Umständen eine als fliegende Bombe eingesetzte Passagiermaschine auch ohne gesetzliche Grundlage abschießen zu lassen, "irritiert", äußerte sich ein Pilot. Etwas später heißt es:
Schäuble und Jung unternehmen es eindeutig, die bestehende Ordnung zu beseitigen und das ist ein Aufruf an alle Deutschen, die Kanzlerin aufzufordern, sofort die Konsequenzen zu ziehen und die Minister umgehend zu entlassen, oder die Bevölkerung jagt bei einer Weigerung die gesamte Regierung aus dem Amt. Jedermann in diesem Land sollte sich darüber klar werden, dass sich die Staatsorgane immer dreister über die bestehenden Gesetze stellen und damit das Grundgesetz und die Bevölkerung regelrecht verhöhnen. Wie immer wird es Narren geben, die die Forderungen der Minister Jung und Schäuble ganz OK finden und ihre Meinung erst ändern, wenn sie selbst in einer solchen Maschine sitzen. Rekapitulieren wir einmal, was da passiert. Am 11.9. findet in den USA ein Attentat durch Terroristen statt. Es muss ein sehr sorgfältig geplantes Attentat gewesen sein, denn die Terroristen mussten nicht nur den minutiösen Ablauf planen, sondern auch noch für dieses Attentat alle bestehenden physikalischen Gesetze außer Kraft setzen. Eine absolute Meisterleistung von bin Laden. Deshalb ist eigentlich unverständlich, warum seine Videos immer von derart schlechter Qualität sind. Als Folge des Attentats fühlen sich nun alle europäischen Länder durch Terroristen bedroht, insbesondere Innenminister Schäuble und neuerdings auch Verteidigungsminister Jung. Um den Ernst der Lage auch richtig darzustellen, lässt man von Zeit zu Zeit angehende Terroristen verhaften, betont dabei immer wieder, wie dringend man die Terrorgesetze benötigt, obwohl man die Terroristen auch ohne diese Gesetze aufgespürt haben will. Neuerdings warnt Schäuble sogar vor einem Atomschlag durch Terroristen. Also bleibt ja nur der freie Abschuss. Aber ein wenig Nachdenklichkeit kann nicht schaden.
Die einzige Antwort, die mir einfällt, man schießt alle Maschinen ab, die ein Luftpirat gekapert hat. Man kann sich ja hinterher entschuldigen, sollte sich rausstellen, dass der Luftpirat nur ein kleiner Spinner war. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass man dem Spinner eine Terroristenvita verpasst, die ihn zu einem führenden Mitglied der Al Kaida werden lässt. Danach feiert man dann die Wirksamkeit der deutschen Sicherheitsbehörden und Schäuble und Jung können überlegen, mit welcher Begründung man die Todesstrafe in Deutschland wieder einführt, damit man nicht den lästigen Umweg über die EU-Verfassung nehmen muss. Bei den Piloten zeigt sich aus meiner Sicht der Kadavergehorsam, zu dem man als Soldat abgerichtet wird. Für etliche der Piloten scheint nur die Divergenz zwischen Befehl und der rechtlichen Grundlage maßgeblich zu sein. Ist die rechtliche Grundlage gegeben, hat man dann keine Hemmungen mehr, auf Befehl einen Massenmord zu begehen, weil man ja sonst den Dienst quittieren müsste? Für mich ist das Ganze einfach pervers und wenn ich dann den puren Zynismus von Thomas Wiegold im Focus lese, dessen Interview den Anstoß für die erneute Debatte gegeben hat, stellt sich mir die Frage, wie tief diese Gesellschaft noch sinken kann. | |