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E-Mail eines NichtsMein Kommentar: Solche Mails sollten täglich zu Tausenden an diese Adressen gehen. Doch nun zur Mail des mir unbekannten Schreibers: An internetpost@bundeskanzler.de angela.merkel@cducsu.de; guido.westerwelle@bundestag.de; info@gruene-fraktion.deVorweg: Bitte verzeihen Sie mir, daß ich mich nicht weiter vorstelle. Aber da diese e-Mail nicht nur an Sie als Vertreter der Parteien geht, sondern auch an andere Stellen, deren Empfanger diese Mail möglicherweise auch lesen und sogar mit meiner ausdrücklichen Billigung auch ganz oder in Teilen veröffentlichen - im Internet gibt es einfach zuviele "weirdos" wie mich. Aus diesem Grund bitte ich um Nachsicht und die Berücksichtigung meiner Privatsphäre; über eine wie auch immer geartete Antwort freue ich mich trotzdem. Sehr geehrte/r Personalreferent/in, Sachbearbeiter/in oder Praktikant/in (in der Annahme, daß diese e-Mail höchstwahrscheinlich nie den eigentlichen Adressaten erreicht), zu Ihrer Beruhigung vorweg: dieses Schreiben enthält nichts grundsätzlich Neues, es wurde lediglich nach dem Motto "if you can't win by arguments, go for volume" verfaßt. Aber vielleicht gehen Ihnen - wie auch mir - die ewige Litaneien um Hartz IV und dessen Auswirkungen auch so langsam auf den Geist. Dabei dürfte ich mich doch eigentlich nicht beschweren, weil ich offiziell nicht mehr von den Regularien des SGB II betroffen bin. Ich muß mich nicht um "angemessenen Wohnraum" bemühen; brauche keine Angst zu haben, daß ein "außergewöhnlicher Zufluß" von geldwerten Leistungen ab dem 51. Euro p.a. möglicherweise meine Leistungen schmälern könnte und muß auch nicht auf Biegen und Brechen meinen Willen beweisen, wirklich jede Tätigkeit aufzunehmen, geschweige denn einer "gemeinnützigen" für den berühmten Euro pro Stunde Mehraufwandsentschädigung nachgehen zu müssen. Was macht es da schon, daß ich seit dem 01.01.2005 keinerlei Leistungen mehr erhalte, weil meine Lebensgefährtin ein monatliches Einkommen erzielt, welches angeblich die Grundbedürfnisse eines Zwei-Personen-Haushaltes ausreichend abdeckt? Apropos Lebensgefährtin: ist es richtig, daß sie aufgrund des per SGB II verordneten Lebensumstandes als "Ehegattin ohne Trauschein" in die günstigere Steuerklasse III wechseln, mich bei ihr nach dem Prinzip der Familienversicherung mitversichern, mich ohne weiteres beerben, im Falle einer Trennung von mir Unterhalt fordern und im Falle einer schweren Erkrankung meinerseits entscheiden kann, ob ich weiterhin am Leben bleiben muß oder mir der Stecker gezogen wird? Nachdem also diese Fragen hoffentlich zu meiner vollsten Zufriedenheit geklärt werden, möchte ich mich nun noch weiteren Aspekten des "Lebens mit Hartz IV" widmen. Wie ich bereits kurz zuvor (wenn Sie schnelle Leser sind) erwähnte, habe ich seit dem 01.01.2005 keinerlei Ansprüche auf Leistungen nach dem SGB II mehr (ich werde mich bestimmt noch häufiger wiederholen - bitte sehen Sie mir das nach, eine entsprechende Rhetorik war noch nie meine Stärke). Da ich nun nach offizieller Lesart zu den Langzeitarbeitslosen zähle, erschließt sich für mich nicht der Sinn, mir u.a. auch Förderungsmaßnahmen durch das Arbeitsamt (sorry: Agentur für Arbeit) und die ARGEn vorzuenthalten. Ich weiß, daß Sie mich jetzt mit dem Argument auskontern wollen, daß man die Regeln verschärfen muß, damit all die "faulen Arbeitslosen" (eine Aussage eines Bundeskanzlers) sich endlich mal so richtig Mühe geben, um aus der "sozialen Hängematte" (noch so'n Spruch) herauszukommen. Angesichts einer Arbeitslosenzahl von offiziell ca. 5,2 Mio. Arbeitslosen, denen ein Angebot von ca. 1,2 Mio. offenen Stellen gegenübersteht sowie all den anderen "Stolpersteinen" auf dem Weg zur Beschäftigung (möchten Sie von einem Maurer ein Netzwerk für ihre Computer einrichten und betreuen lassen? Eben...) wage ich die freche Behauptung, daß es gar nicht mal so einfach ist, an eine Beschäftigung zu gelangen, die dem Arbeitssuchenden ein auskömmliches Einkommen sichert. Noch schlechter sieht es aus, wenn man schon eine längere Zeit arbeitslos war, weil viele Arbeitgeber der Überzeugung sind, daß Langzeitarbeitslose eigentlich gar nicht mehr in der Lage sind, einer geregelten Tätigkeit nachzugehen. Grandioserweise haben Sie alle dafür gesorgt, daß Langzeitarbeitslose auch Langzeitarbeitslose bleiben - mit Hartz IV. Wenn Sie mir stichhaltig und vor allem schlüssig erklären können, warum insbesondere den Langzeitarbeitslosen wirklich nützliche Maßnahmen zur Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt verwehrt werden, haben Sie bei mir schon einmal einen dicken Stein im Brett (warum dieser Stein so wichtig ist, erkläre ich Ihnen später). Daß die Beschäftigungsmaßnahmen (im Volksmund: Ein-Euro-Jobs) pure Augenwischerei sind, sieht man alleine schon daran, daß diese Stellen zuvor noch nicht einmal als Mini-Jobs vorhanden waren. Jetzt balgen sich all die "gemeinnützigen" Einrichtungen um diese "gemeinnützigen" staatsfinanzierten Jobs, die es zuvor ohne Alimentation nicht gegeben hat. Merken Sie etwas? Glauben Sie im Ernst, daß ein staatlich alimentierter Job in ein nicht alimentiertes Arbeitsverhältnis führt, zumal der "Nachschub" an Billigarbeitskräften allein aufgrund der hohen Anzahl der ALG II-Empfänger garantiert ist? Diejenigen, die diese "Arbeitsangebote mit Mehraufwandsentschädigung" anbieten, können nämlich rechnen . Trotzdem würde auch ich einen Ein-Euro-Job annehmen, obwohl mir dessen Widersinn bewußt ist - die Hoffnung, daß sich allein aus irgendeiner Tätigkeit eine Chance ergibt, stirbt bekanntlich zuletzt. Aber ich kann/darf nicht, weil, ich bin schließlich nicht als bedürftig eingestuft worden, da meine Lebensgefährtin...aber das erwähnte ich bereits. Aber es gibt ja auch andere Möglichkeiten, um Langzeitarbeitslose wieder "nach vorne" zu bringen. Dummerweise nicht für die Betroffenen selbst, weil das "fordern und fördern"-Prinzip sich für diese Gruppe nur noch auf Minimalstmaßnahmen wie dem Besuch von "Bewerbertrainings" und "Staplerscheinen" beschränkt. Okay, für den einen oder anderen mögen diese Maßnahmen eine echte Hilfe darstellen; aber wenn Sie sich mal in das "echte Leben" begeben (dazu müssen Sie noch nicht einmal das Büro verlassen - ein intensiver Blick in diverse Foren, die sich u.a. mit dieser Problematik beschäftigen, reicht bereits aus), werden Sie wahrscheinlich feststellen, daß selbst diese Minimalstmaßnahmen eigentlich herausgeworfenes Geld sind, weil sie weder an der Situation des Langzeitarbeitslosen noch an der Gesamtsituation entscheidende Änderungen herbeiführen.Ich schweife ab...egoistisch, wie ich nun einmal bin (und wie es mich die Politik der vergangenen Jahre gelehrt hat), wollte ich dieses Schreiben ausschließlich meiner Person widmen. Ich könnte noch tagelang so weitermachen...vielleicht mache ich es auch irgendwann einmal. Vorerst soll aber nur diese e-Mail genügen. P.S.: Ich wollte Ihnen noch die Sache mit dem Stein erklären. Also...solange nicht irgendeine Administration irgendwann (demnächst?) einmal beschließt, daß Langzeitarbeitslosen das Wahlrecht entzogen wird, haben Leute wie ich noch eine Stimme. Sie sollten sich nicht allzusehr darauf verlassen, daß diejenigen, die jetzt dank Hartz IV an den Rand des Menschseins in unserer Gesellschaft gedrängt wurden, einfach schmollend in der Ecke sitzenbleiben werden und somit auch Ihren Machtanspruch per Nichtwahl untermauern - der Trend zum Engagement wächst. Und aus diesem Trend könnten sich auch Strömungen entwickeln, die zum Ende der bislang existierenden "Zwei-Koalitionen-Herrschaft" führen. Zeit zum Steinesammeln. |