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Stellen Sie sich vor, ein ALG II Bezieher trifft im Park Rogowski und kommt mit ihm ins Gespräch. Da würden sich interessante Aspekte ergeben. Der Leser B. K. hat das mal angedacht und gekonnt niedergeschrieben. Hier ist sein Beitrag:

Die Begegnung

Ihr werdet es kaum für möglich halten... aber als ich heute im Stadtpark die Mülltonnen nach Pfandflaschen durchsuchte, traf ich Michael Rogowski und nutzte die Möglichkeit zu einem Gespräch. Ich hörte aus erster Hand einige bemerkenswerte Ansichten, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

Berndinator: Herr Rogowski, darf ich mich zu Ihnen setzen und mich mit Ihnen unterhalten?

Rogowski: Aber gerne doch! Die Sorgen und Nöte unserer Skla... äh Schutzbefohlenen nehmen wir ernst. Wir sind ja schließlich keine Unmenschen!

Berndinator: Herr Rogowski, trotz hoher Lohn- und Lohnnebenkosten, sowie Raucherpausen und anderer Arbeitsverweigerungstricks Ihrer Angestellten fahren Sie einen großen Mercedes. Können Sie sich das überhaupt noch leisten?

Rogowski: Höre aus da Ihrer Frage so etwas wie Sozialneid heraus? Ohne die von Ihnen angesprochenen Schummeltricks meiner Angestellten könnte ich mir einen zweiten Mercedes leisten.

Berndinator: Ausgerechnet Sie reden von Sozialneid? Wo Sie doch neulich die Hartz IV Leistungen für noch zu hoch hielten und den Gedanken der 1 Euro-Jobs nicht durch einen Stundenlohn von 2 Euro verwässert sehen wollten?

Rogowski: Das sind doch Peanuts. Ob Sie einen oder zwei Euro verdienen ist für die Wirtschaft unerheblich. Sie werden sich höchstens einen gebrauchten Polo leisten können. Kaufe ich dagegen einen zweiten Mercedes, leiste ich einen höheren volkswirtschaftlichen Beitrag als Sie jemals leisten werden.

Berndinator: Aber fahren können Sie doch immer nur ein Auto gleichzeitig, oder?

Rogowski: Sie haben immer noch nicht verstanden. Ginge es rein nach meinen Bedürfnissen, wäre ein Auto völlig ausreichend. Aber Sie müssen sich auch mal in meine Situation versetzen. In unseren Kreisen wird man ohne einen gewissen Luxus und Überfluß nicht für voll genommen. Ich mache mich unmöglich, wenn ich zum Geschäftsessen mit dem Bundeskanzler nicht im standesgemäßen Wagen mit Chaffeur vorfahren würde. Es geht nicht darum, daß man von etwas genug hat, sondern daß man mehr hat als der Nachbar.

Berndinator: Ist so ein Leben nicht überaus förmlich und uninteressant?

Rogowski: Das können Sie laut sagen! Wie gerne würde ich mal wieder eine Currywurst mit Pommes essen! Statt dessen muss ich in Luxus-Hotels Hummer und Kaviar essenund ein Coctail kostet mehr, als Sie in einem Monat an Arbeitslosengeld bekommen! Sie sehen, ich bin wie Sie ein Gefangener der Sachzwänge!

Berndinator: Nun nehmen Sie ja nicht nur durch Raucher wirtschaftlichen Schaden, sondern auch...

Rogowski: Die Raucher sind nur die Spitze des Eisberges. Wenn wir das Unwesen der Qualmerei bekämpfen, stoßen unsere Maßnahmen zumindest bei Nichtrauchern auf Verständnis.

Berndinator: Lassen Sie mich den Satz noch zu Ende bringen. Auch Toilettengänge gehören streng genommen nicht zur Arbeitszeit. Wie wollen Sie kontrollieren, ob der Toilettengang wirklich notwendig oder nur vorgetäuscht war?

Rogowski: Wir arbeiten bereits daran. Machen Sie sich mal bewusst, daß Sie mit Ihren Arbeitskollegen, falls Sie noch einen Job haben, einen größeren Teil des Tages verbringen, als mit Ihrer Familie. Dieser Trend wird sich in Zukunft noch verstärken, bis das Arbeitsverhältnis die Familie als soziales Umfeld fast völlig verdrängt hat. Und vor Ihrer Frau genieren Sie sich doch auch nicht, mit nacktem Hintern herumzulaufen...

Berndinator: Wie bitte? Verstösst das nicht gegen die Menschenwürde?

Rogowski: Na hören Sie mal, Sie wissen gar nicht, wie gut Sie es haben! In unseren Produktionsstandorten in Mittelamerika sind nicht nur die Toilettengänge geregelt, sondern müssen unsere Arbeiterinnen von Kontrolleuren Brustbegrapschungen über sich ergehen lassen und sich neben der Arbeit ein Zubrot durch Prostitution verdienen! Und da wollen Sie in Deutschland nicht einmal dieses kleine Opfer bringen? Aber es gibt natürlich andere Möglichkeiten. Ich denke da an den Hygieneanzug der Raumfahrer. Kaufen müssten Sie ihn natürlich auf eigene Kosten...

In diesem Moment kam ein Mann mit einem weißen Kittel aufgeregt um die Ecke gerannt.

Pfleger: Gott sei Dank, da ist ja unser Ausbüchser. Danke, daß Sie auf unseren Koslowski aufgepasst haben...

Berndinator: Koslowski? Ich dachte, er hieße Rogowski...

Pfleger: Ja, für den hält er sich. Eine traurige Geschichte. Sein ganzes Leben malocht, mit 50 entlassen worden, in die Sozialhilfe abgerutscht. Die Wohnung zu teuer, die Frau zu anspruchsvoll, Obdachlosigkeit, Scheidung, Depressionen, schließlich die Schizophrenie. In diesem Stadium ist bei ihm die Opfer-Täter-Identifikation eingetreten und er hat die Ansichten seines Unterdrückers zu seinen eigenen gemacht. Ein sehr interessantes psychologisches Phänomen, das übrigens weiter verbreitet ist, als allgemein angenommen...