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Amtlich

Mein Bruder war im Arbeitsamt. Er hat eine bis Jahresende befristete Stelle - und das Gesetz verlangt, dass man diesen Umstand sicherheitshalber drei Monate vor Ende der Befristung anzeigt. Geöffnet ist im Amt ausgesprochen arbeitnehmerfreundlich - täglich von 8 bis 12.30 Uhr.

Mein gesetzestreuer Bruder hat sich also einen halben Tag Urlaub genommen und auf den Weg in die Brühlstraße gemacht. Am Empfang war viel los. "Haben Sie eine Anmeldung?" "Nein." "Dann warten Sie im 2. Stock, Sie werden namentlich aufgerufen." Dort saßen 35 Leute. In der ersten halben Stunde wurden drei aufgerufen.

Mein Bruder ging wieder zum Empfang. "Das dauert mir zu lange, ich muss zur Arbeit und möchte lieber einen Termin machen." "Das geht hier nicht." "Wo geht das denn?" "Nur telefonisch." "Ich stehe im Arbeitsamt und kann keinen Termin machen?" "Nein!" Er ließ sich die Nummer geben und rief aus der Arbeitsamt-Wartehalle beim Arbeitsamt an. Amt bleibt eben Amt, auch wenn es sich "Agentur" nennt.

"Den Termin schicken wir Ihnen zu." "Können Sie mir den jetzt nicht sagen?" "Nein!" "Aber ich arbeite tagsüber, muss mir frei nehmen und habe jeden Tag Kundentermine. Daher wäre es sinnvoll, den Termin abzusprechen." "Das geht nicht. Wird zugeschickt." "Ich soll mich aber bei Ihnen melden, sonst bekomme ich im Fall von Arbeitslosigkeit ab 1. Januar kein Geld. Können Sie notieren, dass ich mich gemeldet habe?" "Das geht nicht! Aber vielleicht geht das am Empfang!" "Vermuten Sie oder wissen Sie?" "Ich weiß das nicht." "Das bedeutet, ich muss mich jetzt wieder am Empfang anstellen, ohne zu wissen, ob die mir helfen können?" "Ja."

Mein Bruder ist dann gegangen. Abends sagte er, dass er nun eine leichte Ahnung habe, warum wir fast fünf Millionen Arbeitslose verwalten.