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Arbeitsvermittlung a la ARGE

Hallo,

als ich im Internet recherchiert habe, bin ich auf Ihre Seite gestoßen. Ich habe hier in Detmold vergeblich nach Ansprechpartnern bzw. Anlaufstellen in Sachen Hilfe für Erwerbslose, in meinem Fall ALGII, gesucht.

Ich bin ALGII- Empfänger und habe mir durch eine berufliche Integrationsmaßnahme im letzten Jahr eine Nebenbeschäftigung beim DRK erarbeitet.

Am 01.02.06 bekam ich von der Lippe Pro Arbeit in Detmold von meiner Arbeitsvermittlerin einen Anruf, dass ich mich am Nachmittag bei einer Firma in Lage vorstellen kann. Es war eine Vollzeitstelle als Fahrer mit Hilfstätigkeiten. Ich muss dazu sagen, dass ich Bürokaufmann mit 30 % Behinderung bin. Nach einem Arbeitsunfall und anschließender Umschulung darf ich kein Handwerk mehr ausüben.

Die Firma wird von einer türkischen Familie geführt, was mir nichts ausmachte. Der Chef des Betriebes wollte mich nur mit einer 4-wöchigen Trainingsmaßnahme. Es wurden aber nur 2 Wochen genehmigt. Er war damit einverstanden und setzte einen Arbeitsvertrag für eine Festeinstellung auf, die ich gleich zu Beginn der Trainingsmaßnahme unterschrieb. Der Vertrag war eine von mir gewünschte Voraussetzung, die auch von der Arbeitsagentur Unterstützung fand, weil ich mit diesen Maßnahmen schon des Öfteren schlechte Erfahrungen gemacht habe und weil ich die sehr gute Nebenbeschäftigung beim DRK aufgeben musste.

Am 06.02.ging es los. Ich habe die Stunden herunter gerissen, nachts aufstehen, abends spät nach Hause. Wir setzten uns am Ende der Trainingsmaßnahme zusammen. Sie waren mit mir einverstanden.

Am 20.02. war ich also fest eingestellt. Ich habe weitermalocht. Am 03.03 waren es schließlich schon insgesamt 243 Stunden. Abends, nach 10 Stunden Arbeit bekam ich meine fristlose Kündigung schriftlich ohne Angabe von Gründen mit den Worten: Man komme mit meiner Art nicht zurecht. Auf Nachfrage sagten sie mir, sie wollten mich 4 Wochen kennen lernen und haben mich jetzt 4 Wochen kennen gelernt. Als ich daraufhin sagte, dass sie ja jetzt die gewünschte 4-wöchige Trainingsmaßnahme bekommen haben, grinsten sie nur.

Ich war bereit, zum Dumpinglohn zu Arbeiten, gab meine lohnende Nebenbeschäftigung auf!

Nebenbei, meine Abrechnung für Februar war am 16. Februar schon fertig.

Ich bin dann am darauf folgenden Montag zu meiner Arbeitsvermittlerin. Ich habe ihr auch erzählt, dass ich noch nicht einmal mein Gehalt überwiesen bekommen habe. Außerdem habe ich wegen dieser Vermittlung meine Nebenbeschäftigung verloren.

Was ich unbegreiflich finde ist, dass die Arbeitsvermittlerin einen weiteren Erwerbslosen eine Trainingsmaßnahme in dieser Firma absolvieren lässt. Sie wird das beobachten, waren ihre Worte. Jetzt frage ich mich natürlich, hat sie das mit mir genauso gemacht?

Durch diese Trainingsmaßnahme bekommt die Firma, die noch im Aufbau ist, die Arbeiten an Haus und Hof(Neubauarbeiten und Altbausanierung) umsonst(die so genannten Hilfsarbeiten) .Das alles unterstützt vom Arbeitsamt.

Auf die Frage, ob ich mich gesetzlich gegen die Machenschaften dieser Firma wehren könnte und wo ich Hilfe bekomme, konnte mir keiner von den Mitarbeitern im Arbeitsamt antworten.

Nur mit Eigeninitiative habe ich dann doch durch das Internet herausgefunden, dass ich beim Amtsgericht Beratungshilfe beantragen kann.

Ich habe jetzt einen Rechtsanwalt eingeschaltet.

Ach so, mein ALGII beziehe ich ohne Unterbrechung weiter. Das bekam ich sogar schriftlich.

Aber damit nicht genug. Das Arbeitsamt setzte noch einen drauf!

Meine Tochter bekam jetzt einen Stellenvorschlag von ihrer Arbeitsvermittlerin.

Nachdem sie telefonisch einen Vorstellungstermin für nachmittags vereinbart hatte, ist sie dann zu einem Billardcafe in unserer Stadt. Meine Tochter hat sich schon gefreut( junge Leute, lockere Atmosphäre ).

Als sie vor dieser „Gastronomie“ stand und den Eingangsbereich sah, bekam sie ein mulmiges Gefühl und holte mich als Begleitperson.

Immer den Gedanken, das Arbeitsamt droht mit Sperre, wenn sie sich nicht vorstellt.

Der Eingang war kameraüberwacht, auf der Klingel stand Billardcafe und oben drüber hing leuchtend „OPEN“. Die Räumlichkeiten erreichte man nur über eine Treppe. Das Ganze erinnerte an einschlägig bekannte Häuser.

Der türkische Geschäftsführer erzählte, dass das Billardcafe eine Art Jugendtreff ist. Es halten sich hauptsächlich Asiaten dort auf, die sich an die Tische setzen und Spiele aus ihrer Heimat spielen.

Wir schauten uns um. Es standen Billardtische, diverse Spielautomaten und Computer für Internetwetten im Raum.

Endlich kam auch der Besitzer. Ein Italiener. Der aber erzählte, dass nur Geschäftsleute dort verkehren. Seine Gäste sind Vietnamesen, Chinesen, vereinzelt Türken und Italiener. Das Geschäft läuft erst ab 23:00 Uhr. Es wird gespielt, gewettet und getrunken. Sie braucht aber keine Angst haben. Man muss nur wissen, wie mit den Gästen umzugehen ist. Außerdem sprechen und verstehen diese Gäste kaum Deutsch. Er erzählte uns, dass er bereits in Hamburg, Düsseldorf und Köln Geschäfte hatte.

Nach diesem Eindruck kann man diese Einrichtung ins Spielermilieu schieben.

Dass man die Angebote ungeprüft an Erwerbslose schickt und dann noch mit Sperre oder Kürzung droht, veranlasste mich, Ihnen zu schreiben.

Man fühlt sich entmündigt, erniedrigt und allein gelassen.

Detmold, den 12.03.2006
Uwe Lewald