| Navigation aus Navigation an | Erstelldatum: 22.07.2007 | |||||||||||||||||||
Meine Reaktion auf die Antwort des FDP-Abgeordneten Dr. Heinrich L. Kolb auf | ||||||||||||||||||||
| Gert Flegelskamp |
Herrn
Dr. Heinrich L. Kolb
MdB, FDP
heinrich.kolb@bundestag.de
Betr.: Ihr Schreiben vom 29.07.2007 (HLK/Bre)
Sehr geehrter Herr Kolb,
eigentlich sollte ich ja dankbar sein, dass ich auf mein an alle Abgeordneten gerichtetes Schreiben vom 04.05.2007 zumindest eine Antwort aus den Reihen von CDU/CSU, SPD, FDP und Grünen bekommen habe. Dankbarkeit hätte ich empfinden können, wäre ich nicht mit einer der üblichen plakativen Aussagen abgespeist worden, die ich auch den üblichen Pressemeldungen hätte entnehmen können und von denen mein Eindruck ist, dass es sich um Volksverdummende Aussagen handelt, die einer genaueren Prüfung nicht standhalten.
Die ersten Zeilen Ihrer Antwort möchte ich nicht weiter kommentieren, weil diese Aussage in die Kategorie fällt, die man im Volksmund als "Honig ums Maul schmieren" bezeichnet. Gehen wir in medias res. Sie(?) schreiben im dritten Absatz auf Seite 1 u. a.:
Die Frage wäre eher zu stellen, ob die Arbeitsmarktpolitik der SPD-Grünen Regierung nicht erst die Weichen für die von der FDP favorisierte Politik der so genannten Flexibilisierung gestellt hat, eine Flexibilisierung, deren Ziel die Aufweichung jeglicher Arbeitnehmerrechte ist, die einen zweiten und neuerdings auch dritten Arbeitsmarkt zu Löhnen favorisiert, mit denen ein Überleben unmöglich nicht möglich ist. Eine Arbeitsmarktpolitik, die von der jetzigen schwarz-roten Regierung noch exzessiver betrieben wird.
Kommen wir zurück auf Ihre Aussagen im gleichen Absatz Ihres Schreibens. Sie betonen, dass die Umlagen finanzierte Rente abhängig von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ist. Dazu empfehle ich Ihnen dringend, sich mit den Aussagen von Prof. Wilfrid Schreiber, dem Vater der Umlagenfinanzierung, auseinanderzusetzen. Dabei sollten Sie nicht völlig vergessen, dass die bereits zuvor erwähnte schwarz-gelbe Regierung bereits während ihrer Amtszeit mehrfach die Weichen für indirekte Rentenkürzungen unter dem Namen "Rentenreform" praktizierte, während Norbert Blühm gleichzeitig immer lautstark verkündete, die Rente sei sicher. Schröder hat mit seiner Agenda 2010 eigentlich nur auf den Vorbereitungen der Vorgängerregierung aufgebaut, in einer weiteren Rentenreform den so genannten Nachhaltigkeitsfaktor eingebaut und endgültig die Anbindung der Rente an die Bruttolöhne aufgekündigt. Gerne wird von der Politik übersehen, dass die Rente eine Versicherungsleistung ist. Dafür haben die derzeitigen Bestandsrentner, meist mit einer nicht unterbrochenen Erwerbsbiographie, regelmäßig ihre Beiträge entrichtet. Diese Beiträge waren Gelder der Beitragszahler, die sie dem Staat geliehen haben, in der Erwartung der Rendite und Rückzahlung, die zum Zeitpunkt des Eintritts in diese Versicherung vereinbart wurde. Es ist nichts anderes, als die sicherlich in Ihrem Depot befindlichen Staatsanleihen und Staatsobligationen. Wer dem Staat Geld zur Verfügung stellt, muss sich nicht dafür interessieren, wofür der Staat das Geld letztendlich verwendet. Ihn interessiert nur die ordnungsgemäße Rückzahlung mit der vereinbarten Rendite. Wenn Sie Staatsanleihen erwerben, interessiert Sie auch nicht, wofür das Geld verwendet wird.
Natürlich ist mir klar, dass Ihre Sicht eine andere ist. Für Politiker sind Beitragszahlung von Arbeitnehmern nichts als ein Steuerersatz und die damit verbunden Versprechungen ohne jeglichen Bestandsschutz. Doch kommen wir zu Seite 2 Ihres Antwortschreibens. Dort sprechen Sie vom Aufwärtstrend am Arbeitsmarkt, der von Ihrer Partei geforderten Förderung des Wachstums und der Flexibilisierung des Arbeitsmarkts, das Gesundheitssystem neu zu organisieren und damit mehr Wettbewerb und Transparenz einzuführen. Ich kann gar nicht ausdrücken, wie satt ich diese Wortblasen habe. Schauen wir zunächst auf den angeblichen Aufwärtstrend am Arbeitsmarkt. Hier empfehle ich Ihnen dringend, die Statistik der BA einmal genauer zu analysieren. Wenn Sie sich die Arbeitsmarktstatistik von Mai und Juni ansehen und vergleichen, stoßen Sie auf Ungereimtheiten, die allerdings von keinem Politiker verbalisiert werden, leider auch von der Presse nicht. Einige Daten aus der Mappe 72 dieser Statistik:Zahl der Bedarfsgemeinschaften |
Leistungsempfänger nach SGB II |
davon Empfänger von |
||
ALG II |
Sozialgeld |
|||
| Mai | 3.649.734 |
7.087.043 |
5.174.395 |
1.912.648 |
| Juni | 3.775.039 |
7.338.749 |
5.358.479 |
1.980.271 |
Ist das der Aufschwung und die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt? Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften ist (in diesem einen Monat) um 125.305 gestiegen. Die Zahl der Leistungsempfänger stieg sogar um 251.706. Davon betrug die Steigerung bei den ALG II-Empfängern 184.084 und die Zahl der Sozialgeldempfänger stieg um 67.623. Wie erklären Sie diese Diskrepanz zwischen den offiziellen Verlautbarungen über die abnehmende Tendenz der Arbeitslosigkeit, während gleichzeitig ein immenser Anstieg der Bedarfsgemeinschaften und der Bezieher von ALG II zu verzeichnen ist. Hat man bei der Regierung, bei den Parteien und bei der BA jetzt extra starke Gebläse eingesetzt, mit denen man den Menschen Sand in die Augen streut?
Zusätzlich wird gerne verschwiegen, dass die Werte der BA nur die Werte der ARGEn enthalten, aufgefüllt in manchen Mappen mit Schätzwerten der Optionskommunen, während in anderen Mappen die Kommunen völlig ausgeklammert werden, wie es heißt, aufgrund von fehlenden Erfahrungswerten. 2 1/2 Jahre gibt es Hartz IV. In dieser Zeit hat die jeweils amtierende Regierung noch etliche Gesetze zur Verschlimmbesserung der Hartz Gesetze beschlossen, Aber die BA ist nach dieser Zeit noch immer nicht in der Lage, wirklich exakte Daten einschließlich der Optionskommunen zu liefern? Ist die BA mit 100.000 Mitarbeitern unterbesetzt oder liegt es an der Unfähigkeit des Personals? Oder will man echte Transparenz auf jeden Fall vermeiden? Ich kann ja noch verstehen, dass die BA 3 Monate benötigt, um die hochgerechneten Daten durch aktuelle Daten zu ersetzen. So lange braucht es (vermute ich), die Statistik auf die jeweilige politische Anforderung hin zu frisieren. Aber politische Transparenz ist wohl vergleichbar mit einer Milchglasscheibe, die Umrisse erahnen lässt und mehr nicht, wie die gerade veröffentlichten Nebeneinkünfte erkennen lassen. Aber da sind Sie als Unternehmer ja fein raus, denn Sie müssen nicht einmal eine Stufe angeben.