Navigation aus    Navigation an
Erstelldatum: >24.01.2011

Presse und Politik

Ein gelegentlich zu lesender Spruch lautet: "Oh Herr, lass es Hirn regnen". Nun, ich bin nicht gläubig und halte deshalb eine solche Variante für unwahrscheinlich.

Mir würde es durchaus reichen, wenn eine vorhandene Mehrheit erfassen würde, dass das Hirn zu mehr imstande ist, als lediglich den Bewegungsapparat zu steuern. Vereinzelt soll es das auch geben, dass Leute das erkannt und mit dem Denken begonnen haben.

Fängt man damit einmal an und betrachtet sich dann die derzeit etablierten Parteien, müsste jede dieser Parteien durch das "wählbare Raster" fallen. Die CDU wird von einer politischen Nymphomanin geführt, CSU und FDP von Selbstdarstellern, die vermutlich mehr Zeit vor dem Spiegel als in Ihrem Amt verbringen. Den derzeit hochgespielten Ersatz für die CSU beziehe ich voll mit ein. Der Vergleich "politische Nymphomanin" bezieht sich auf den Verschleiß von Männern, die von Merkel als mögliche Konkurrenten mehr oder minder geschickt ausgebootet wurden.

SPD und Grüne verkünden heute mit großen Worten, welch ungerechte Politik die derzeitige Regierungskoalition doch macht und vergessen offenbar völlig, dass sie es waren, die das Fundament für diese Politik gebaut haben.

Die Linke hat, außer regional, noch keinen Beweis geliefert, wie sie, einmal an der Macht, wirklich agieren würde. In den regionalen Bereichen hat sie allerdings aus meiner Sicht dabei schmählich versagt.

Über vieles, was in der Politik geschieht, wird in der Presse berichtet. Allerdings nicht über alles, denn offenbar gibt es etliche Tabu-Themen, die nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollen. Die meisten politischen Berichte der Presse sind mit einer gewissen Hinwendung zu einer bestimmten Partei verbunden, soweit es sich bei den Berichten um kommentierte politische Agitation handelt. Der größere Anteil allerdings sind, so wie ich das sehe, lediglich frisierte Presseagenturmeldungen, die mit ein wenig schmückendem Beiwerk eine politische Teilnahme der Presse am politischen System vorgaukeln sollen. Meist interessanter als die Berichte selbst sind dann die Leserkommentare, sofern diese zu einem Thema überhaupt zugelassen werden.

Liest man dann die Kommentare der Leser in den Gazetten, ist erkennbar, dass eine sachliche Diskussion meist bald verlassen wird und stattdessen eine muntere Schlacht der Kommentatoren gegeneinander entbrennt. Von der viel geforderten Meinungsfreiheit ist da wenig zu spüren. Es scheint nur wenigen gegeben zu sein, persönliche Angriffe einfach zu ignorieren und einfach nur dann zu antworten, wenn es wirklich um sachliche Inhalte geht. Denn natürlich ist jeder Leserkommentar nur die Meinung eines Einzelnen, der man sich rückhaltlos oder teilweise anschließen oder sie auch nicht akzeptieren kann. Kommt aber eine Meinung zum Artikel zum Ausdruck, sollte man diese achten, auch wenn sie von der eigenen Meinung abweicht. Man könnte über gegenteilige Meinungen eine sachliche Diskussion zu führen versuchen, oder sie schlicht ignorieren. Leider neigt ein großer Teil der Kommentatoren aber dazu, schnell beleidigend zu werden. Ein zweites Handicap sind natürlich auch die Begrenzungen auf eine bestimmte Anzahl Zeichen, die mitunter dazu führen, dass man die Thematik nur anreißen kann.

Lösungen oder zumindest Lösungsansätze sind bei den Leserkommentaren kaum zu erwarten. Allerdings kann ich mich mitunter nicht des Eindrucks erwehren, dass ein Teil der Kommentatoren nichts als bezahlte Schreiberlinge sind, die politische Parolen auf Teufel komm raus aufrecht erhalten und abweichende Meinungen torpedieren sollen.

Dennoch wird eines fast immer erkennbar. Die Zahl derer, die unzufrieden mit dem sind, was passiert, wächst. Allerdings ist die so genannte Mitte dabei meist daran zu erkennen, dass sie am liebsten jeglichen sozialen Zusammenhalt torpedieren möchte.

Wie politische oder auch wirtschaftliche Propaganda in der Presse mitunter funktioniert, hat die ZEIT mit einem Artikel zum Dioxin in Lebensmitteln gezeigt. Der Titel: Maßlosigkeit vergiftet unsere Lebensmittel

Ich werte diesen Bericht als ein besonders dreistes Beispiel, wie man in der Presse Opfer zu Tätern macht. Irgendwie geht dieser Artikel völlig an der Realität vorbei. Verantwortlich für einwandfreie Ware ist der Hersteller UND der Händler, nicht der zum Konsum erzogene Konsument. Und die Politik hat die Aufgabe, Regeln zu erstellen, die diesen Anspruch gewährleisten. Auch bei Billigst-Marken habe ich als Kunde Anspruch darauf, dass sie frei von Giften sind.

Die Aussage in dem Artikel über die industriell erzeugten Lebensmittel: "nie waren sie sicherer und hygienischer" halte ich für sehr gewagt, denn die Zutatenliste industriell erzeugter Lebensmittel kann oft nur das Grauen erwecken. Sieht man sich den Cocktail an, ist fast jeder Käufer völlig überfordert, weil er die Schädlichkeit dieser Zutaten und vor allem deren möglich Wechselwirkungen nicht ermessen kann. Darunter sind Zutaten, die im Verdacht stehen, Krebs, Allergien, Zappelphillipsyndrom u.v.m. zu erzeugen. Der Konsument ist schließlich kein ausgebildeter Lebensmittelchemiker, muss sich also darauf verlassen können, was Hersteller und Händler über ein Produkt aussagen. In der Realität weiß man aber mit diesen Aussagen nichts anzufangen. An einem praktischen Beispiel möchte ich das mal aufzeigen. Beim Einkauf in einem Supermarkt erweckte die Eistheke mein Begehren. Ein Packung sprach mich besonders an. Auf dem Deckel stand:

KARAMEL

Eiskrem mit Vanillegeschmack und Karamel Eiskrem, dekoriert mit Karmelsoße und Karamelstückchen.

Nun bin ich eigentlich davon ausgegangen, dass Karamel mit LL am Ende geschrieben wird, aber ich war mir dank Rechtschreibreform nicht sicher und außerdem war es mir eigentlich auch egal. Ich habe also die Packung (900 ml) eingepackt und ihren Inhalt in wenigen Tagen verdrückt. Erst als ich die leere Packung entsorgen wollte, habe ich mir die Mühe gemacht, die aAm Boden der Packung aufgedruckte Zutatenliste zu lesen. Diese las sich wie folgt:

Entrahmte Milch, Sahne 18,7%, Molkereierzeugnis, Glukosesirup aus Weizen, Zucker, Glukose-Fruktose-Sirup aus Weizen, Wasser, gezuckerte Kondensmagermilch, pflanzliches Fett, Dextrose, Butterreinfett, Emulgator ( Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren), Farbstoffe (einfaches Zuckerkulör, Carotine), Stabilisatoren (Carrageen, Johannisbrotkernmehl, Guarkernmehl, Mononatriumphosphat), natürliche Aromen, Salz, Feuchthaltemittel (Sorbat), Butter. Dieses Produkt kann Spuren von Nüssen enthalten.

Ich hätte wohl doch lieber die Zutatenliste vor dem Kauf lesen sollen, denn das hätte mich vom Kauf ganz sicher abgehalten. Aber beruhigt war ich schon, denn es gab ja auch was Natürliches in dem Produkt, eben die "natürlichen Aromen". Ich vermag nicht zu beurteilen, ob welche dieser aufgeführten Substanzen nun bedenklich sind. Ich könnte über das Internet nachforschen, aber warum? Ich habe ein billiges Produkt gekauft und erst im Nachhinein festgestellt, dass es überwiegend aus gefrorener Chemie besteht. Und ich werde in Zukunft kein Eis mehr in einem Supermarkt kaufen.

Ob die Zutaten nun teilweise schädlich sind, kann ich nicht wirklich beurteilen, aber ich möchte eigentlich natürliche Produkte essen und keine Chemiecocktails und dieser Anspruch wird von der industriellen Produktion in keinem Fall mehr erfüllt. Deshalb ist der zuvor zitierte Satz des Autors in diesem Artikel eigentlich schon der reine Hohn, zumindest nach meinem Empfinden.

Doch kommen wir zurück zum eigentlichen Problem, dem Dioxin in den Lebensmitteln. Schon vergessen? Der erste Dioxin-Skandal bei Futtermitteln war bereits 1998, als man Futtermittel aus Belgien einführte. Auch damals wurden seitens der Politik große Reden geschwungen, die aber bereits unter dem Gesichtspunkt der Globalisierung und vor allem der EU-Regelungen keinerlei wirkliche Bedeutung hatten. Denn gepanscht wird ja nicht nur in Deutschland und die angegebenen Grenzwerte für alle Zutaten oder Inhaltsstoffe in der EU werden von Experten empfohlen, die aber leider zumeist für die entsprechenden Nahrungsmittelkonzerne arbeiten.

Wenn man wegen einwandfreier Zutaten, ob bei Futtermitteln oder bei Endprodukten, nicht billiger produzieren kann, dann ist das eben so und das Produkt kostet eben ein wenig mehr, weil man die höheren Kosten ohnehin auf den Konsumenten abwälzt. Der wirkliche Grund ist der Verdrängungswettbewerb in der gesamten Nahrungsmittelerzeugung. Vor allem die Großabnehmer übern sehr viel Druck aus, wenn es ums Bezahlen geht. Sie haben die Macht, denn wohin soll der Bauer mit seiner Milch, wenn die Großkunden wie z. B. ALDI oder LIDL ihre Produkte nicht mehr abnehmen. Und dann gibt es Einzelne, die zu unlauteren Mitteln greifen. Diese werden völlig zu recht bestraft, meist sogar mit zu geringen Strafen. Die Händler aber kommen immer ungeschoren davon. Der Staat sollte die Lebensmittelkontrolle neben der eigenen Kontrolle zum Zwang für den Großhandel machen und bei Verfehlungen mit wirklich hohen Strafen diese sanktionieren. Denn es ist zwar in erster Linie der Hersteller, aber letztendlich der Händler, der zu gewährleisten hat, welche Produkte er dem Kunden anbietet. Der Konsument hat losgelöst von der Frage des Preises ein Recht auf einwandfreie Ware und es ist eine Unverschämtheit, wenn der Autor dieses Artikels nun den Konsumenten zum Schuldigen machen will. Es gibt Konsumenten, die sind auf niedrige Preise angewiesen, weil ihre Einkommensbasis für Hochpreisprodukte nicht reicht. Sie machen Gebrauch davon, wenn etwas billig angeboten wird und das ist ihr gutes Recht. Wären Fleischprodukte oder Eier teurer, würden sie zwangsweise den Konsum dieser Güter einschränken, als einzige Folge. Der Autor hat offenbar nicht bemerkt, dass es die großen Handelsketten sind, die mit ihrer Werbung den Kauf von Billigprodukten anheizen. Und deshalb sollten diese Handelsketten auch in die Pflicht genommen werden, wenn es darum geht, die Kontrolle der unbelasteten Herstellung der von ihnen vertriebenen Produkte schwerpunktmäßig auch zu übernehmen. Das würde ich Gewährleistung nennen wollen.