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Initiative neue soziale Marktwirtschaft (INSM)

Die INSM hat die Internetseite http://www.chancenfueralle.de/

Schön, werden Sie jetzt sagen. Endlich eine Initiative für die Rückkehr zum sozialen Gedanken. Weit gefehlt. Die Initiative wird gesponsert, mit 10 Millionen jährlich, Vom Wirtschaftsverband Gesamtmetall und von den Wirtschaftsverbänden der Eisen und Elektroindustrie. Der Auftrag ist nicht, soziales Gedankengut zu verbreiten. sondern die von den Neoliberalen geforderte Deregulierung und die Aushöhlung des Staates zu betreiben. Nicht in der eher plumpen Art eines Herrn Rogowski oder Hundt, sondern mit pseudowissenschaftlicher Argumentation und subtiler Agitation.

Den Auftrag bekam die PR-Agentur Scholz & Friends. Der Vertrag über 5 Jahre wurde jetzt um weitere 5 Jahre verlängert, nach wie vor mit einem jährlichen Etat von 10 Millionen .

Die Pr-Agentur implementierte die INSM als ein System, dass die Botschaften der Metallindustrie in die Köpfe der Bürger hämmern soll. Es geht nicht darum, die INSM bundesweit bekannt zu machen, sondern für die Überbringung der neoliberalen Gedankenguts Presse und Wissenschaft gezielt einzusetzen. Man versicherte sich dabei prominenter Befürworter des neoliberalen Kurses aus Politik, Wissenschaft und der Medienwelt.

So gibt es neben dem Management der INSM als wissenschaftliche Komponente das Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln. Das Institut der deutschen Wirtschaft hat einen eigenen Verlag, den Instituts Verlag. Dieser Verlag organisiert nicht nur viele Publikationen der INSM, sondern ist auch Inhaber der Agentur berolino.pr, die die Initiative politisch und strategisch-kommunikativ lenkt. Der Direktor und Präsidiumsmitglied des Instituts der deutschen Wirtschaft, Prof. Dr. Gerhard Fels, ist zugleich auch Kurator der INSM. Zum Kuratorenkreis gehört auch Prof. Dr. Hans-Dietrich Winkhaus, Präsident des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln. Winkhaus war von 2000 bis 2003 Aufsichtsratvorsitzender der Deutschen Telekom AG. Davor hatte er den Vorsitz der Henkel-Geschäftsführung.

Das Institut wird getragen von etwa 35 Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbänden und 60 Fach- und Regionalverbänden. Die 300 Mitarbeiter des Instituts liefern Zahlen und Analysen und spüren Trends auf. Es hat den Auftrag, marktwirtschaftliches Denken und Handeln möglichst vielen Bevölkerungsgruppen nahe zu bringen, wobei marktwirtschaftliches Denken und Handeln natürlich im Sinne der Unternehmerverbände zu begreifen ist. Es richtet sich mit seinen Analysen an Multiplikatoren, Meinungsbildner und Entscheider in Politik und Wirtschaft. Insofern ist es von seinem Auftrag nahe mit der INSM verwandt. Man kann beinahe sagen, die INSM sei die Marketingabteilung des Instituts der deutschen Wirtschaft. Diese und andere Wissenschaftler werden gebraucht, wenn es darum geht, Reputation herzustellen. Sie sind Teil der medialen Öffentlichkeitsstrategie. Denn Aufmerksamkeit kann nur erzeugt werden, wenn hinter dem Argument auch noch wissenschaftliche Seriosität steckt. Wissenschaftler können Begründungszusammenhänge für die Notwendigkeit marktwirtschaftlicher Reformen liefern. Sie liefern aber erst durch ihre Person und ihren Status die notwendige Aufmerksamkeit.

Eine zweite Komponente sind die so genannten Botschafter, Prominente aus allen Bereichen der Wissenschaft, Politik Medien u.s.w. mit der Funktion von Multiplikatoren.

Der Multiplikatorenkreis:
Zum Medien- und Öffentlichkeitskonzept der Initiative gehört der Kreis prominenter Köpfe, die ihre Inhalte wirksam auf die öffentliche Agenda setzen. Der Reigen der Köpfe teilt sich auf in Kuratoren und Botschafter, die zum Teil ehrenamtlich tätig sind. Im Vergleich zu anderen Initiativen sind hochrangige Politiker gerne gesehen. Von den insgesamt rund 36 Personen sind die Kuratoren die Wichtigsten und die Aktivsten. Dort finden sich Martin Kannegießer, Präsident von Gesamtmetall, Prof. Dr. Hans Tietmeyer, Ex-Bundesbankpräsident und Vorsitzender des Kuratoriums, Oswald Metzger, ehemals Finanzexperte der Grünen und MdB, Randolf Rodenstock, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Rodenstock AG sowie die beiden Führungsfiguren des Instituts der deutschen Wirtschaft, Dr. Hans-Dietrich Winkhaus und Prof. Dr. Gerhard Fels.

Aus dem Kreis der Botschafter ragen heraus: Roland Berger, Dr. Nikolaus Schweikart, Vorsitzender der Altana AG, Christine Scheel, Bündnis90/Die Grünen, Vorsitzende des Finanzausschusses des Deutschen Bundestags, Erwin Staudt, Ex-Vorsitzender der Geschäftsführung von IBM Deutschland, Prof. Dr. Ing. Dagmar Schipanski, CDU, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Thüringen, Silvana Koch-Mehrin, FDP, Mitglied des Europarlamentes, FDP. Auch Wolfgang Clement gehörte dazu, doch als er Wirtschaftsminister wurde, ist er ausgeschieden. Es hätte sich wohl auch nicht so gut gemacht, wäre er Mitglied der INSM geblieben und das Gedankengut kann man auch ohne Mitgliedschaft verbreiten, ja sogar umsetzen (siehe Hartz IV). Die Einrichtung eines Kreises von Kuratoren und Botschaftern geht auf das Konzept der PR-Agentur Scholz & Friends zurück. Keine andere Initiative kennt diese beiden Instrumentarien.

Wenn einer dieser Multiplikatoren in den Medien eine Aussage macht, erregt das mehr Aufmerksamkeit, als käme es von einem Nobody und niemand weiß, dass sie Aussagen zuvor mit der INSM abgestimmt wurden.

Presse und Medien spannt man auch noch auf andere Weise ein. So liefert man der Presse druckfertige Berichte oder dem TV fertige Filme. Dieses Vorgehen liegt im Trend des neuen PR-Journalismus, der die Grenzen zwischen Public Relation und Journalismus langsam und für das Publikum kaum wahrnehmbar verschleift. Eine Folge davon ist, dass zwischen einer journalistischen Meldung oder Recherche und absichtlich erzeugter Kommunikation nicht mehr unterschieden werden kann. Slogans, Sichtweisen und Vergleichsrechnungen werden übernommen, weil sie mediengerecht und zur Hand sind.

Ein festes Format der INSM ist das Professorenpanel. Hier werden seit dem April 2004 rund 100 Wirtschaftswissenschaftler in Deutschland zu aktuellen Themen befragt. Die Ergebnisse der Umfrage werden dann in einer Pressekonferenz der Presse vorgestellt. Jüngstes Beispiel dafür ist das 6. Professorenpanel zum Thema "Finanzierung und Strukturen des Gesundheitssystems". Pünktlich zur Veröffentlichung der neuen Berechnungen von Bert Rürup zu seinem Modell der Kopfpauschale trat die INSM mit einer eigenen Meldung hervor. "Wirtschaftsprofessoren für Prämienmodell Gesundheitsexperte Oberender: 'Bürgerversicherung ist eine Sackgasse'", so lautete die Headline der Pressemitteilung. Die Financial Times Deutschland hat daraus am nächsten Tag einen Artikel mit der Überschrift "Gesundheitskosten explodieren bis 2025" mit dem Bezug auf eine "Studie der INSM" gemacht. Eine Woche zuvor hatte die INSM eine Expertise von Bernd Raffelhüschen zum Thema Pflegeversicherung der Öffentlichkeit vorgestellt. Ergebnis der 17-seitigen Studie: Wir brauchen einen geordneten Ausstieg aus der Pflegeversicherung, weil diese falsch konstruiert sie. Sie sei dem Anstieg der Ausgaben nicht gewachsen. Auf dem Gebiet des Arbeitsmarktes gilt als Zielvorgabe, regulierenden "Ballast" zu entsorgen und Arbeitsplätze zu schaffen. Arbeitsplätze schaffen nur Unternehmer und deshalb sind diese zu unterstützen: "Weniger Bürokratie für mehr Existenzgründungen und mehr Arbeitsplätze", heißt es dazu auf der Website der INSM. (Anmerkung: In Form von Mini- und Midi-Jobs, später evtl. mit ein Euro Jobs?)

  • Im Sozialbereich sind die beiden großen Themen der INSM Rente und Gesundheit. Die Altersversorgung soll teilweise auf Kapitaldeckung umgestellt werden. Der "überdehnte" Wohlfahrtsstaat müsse wieder zum Sozialstaat werden. Es könne nicht dauerhaft eine breite Unterschicht durch staatliche Transferleistungen über Wasser gehalten werden.
  • Im Gesundheitsbereich geht es um mehr Wettbewerb und Eigenbeteiligung und um ein System, das sich über "Kopfpauschalen" finanziert.
  • Im Bereich Steuern und Finanzen sind die Ziele mit "Verschlankung des Staates" und mit einer "größeren Freiheit und Verantwortung der Bürger" umschrieben. Konkret bedeutet dies Subventionsabbau, niedrigere Steuersätze und Beschränkung des Staates auf Kernaufgaben.

In der Summe ist dieses Programm leicht als das neoliberale Programm identifizierbar, das bereits in anderen Ländern USA, Großbritannien, Neuseeland teilweise in Politik umgesetzt wurde.

Der Sozialstaat soll entstaatlicht werden. Der Gedanke einer kollektiven Solidarität passt nicht in das individualistische Konzept der INSM. Individuelle Absicherung und Vorsorge soll über die Aktivierung der Kapitalmärkte geschehen.

Im Einzelnen bedeutet dies im Gesundheitsbereich die Kopfpauschalenlösung statt einer Bürgerversicherung. Die INSM hat zahlreiche Gutachten in Auftrag gegeben, die dieses Modell favorisieren. Hier wird deutlich, wie sich die INSM in der Nähe des wirtschaftsliberalen Flügels der CDU um Friedrich Merz positioniert. Eine weitere Tendenz wird erkennbar: Der Gedanke eines sozialen Ausgleichs wird fallen gelassen, zu Gunsten von mehr Ungleichheit in der Gesellschaft. Dies kommt bereits in der Grundphilosophie der Chancengerechtigkeit zum Ausdruck. Im Kern wendet sich damit die INSM gegen die umverteilenden Elemente im staatlichen System der Bundesrepublik und verstärkt damit die ohnehin schon wirksamen Tendenzen hin zu mehr Ungleichheit. Mehr Markt- und Wettbewerbselemente werden auch auf dem Sektor der Altersvorsorge angestrebt. Angesichts des demografischen Wandels empfiehlt die INSM eine radikale Umsteuerung hin zu verstärkter Eigensicherung des Alters. Die Nutznießer dieser Richtung sind Versicherungen, Anlagefirmen und der Kapitalmarkt insgesamt. Auch hier ergeben sich kumulative Effekte in Richtung mehr gesellschaftlicher Ungleichheit.

An einem Beispiel soll Schein und Sein etwas verdeutlicht werden: am 26.1.2005, hat der so genannte "Finanzexperte" von Bündnis 90/die Grünen, Oswald Metzger, auf der Homepage des Instituts das Urteil des BVG gelobt, dass es dem Bund untersagt, ein gebührenfreies Studium in Deutschland einzuführen. Die Klage gegen diese Absicht war von den Unionsgeführten Ländern eingereicht worden. Neben vielen anderen Äußerungen antwortete er auf die folgenden Fragen:

INSM: Derzeit sind Gebühren von 500 Euro pro Semester im Gespräch. Da kommt bei zehn Semestern ganz schön was an Schulden zusammen. Und der Student hat dabei noch keinen Euro für Bücher oder seinen Lebensunterhalt bezahlt ...

Metzger: Und dennoch ist das weit entfernt, auch nur annähernd kostendeckend zu sein, wenn man bedenkt, dass ein Jurastudium rund 90 000 Euro kostet, und ein Mediziner 116 000 Euro zahlt, bis er fertig ist. Ich habe deshalb viel Sympathie für das baden-württembergische Modell, die Gebührenhöhe zwischen den einzelnen Universitäten zu variieren. Wenn eine Universität mit Gebühren von deutlich mehr als 500 Euro pro Semester genügend Bewerber findet, warum sollte sie nicht deutlich höhere Gebühren erheben dürfen? Ich könnte mir in den Anfangsjahren eine Brandbreite bis zu 30 Prozent plus vorstellen, nach der Anlaufphase sollte man die Gebührenhöhe gänzlich freigeben, wie es Bert Rürup, übrigens SPD-Mitglied, vorschlägt. Das würde die Konkurrenz zwischen den einzelnen Hochschulen in Gang bringen. Ruck zuck wären Websites und online-User-Foren auf dem Markt, die das Preis-Leistungsverhältnis von Bildungseinrichtungen öffentlich machen würden. Ich halte unsere Studenten, die ja beanspruchen, die Intelligenz unseres Landes zu sein, für klug genug, sich selbst ein Urteil zu bilden, für welchen Preis sie wo wie gut studieren wollen.

INSM: Wollen ist das eine, aber hat finanziell auch wirklich jeder die Möglichkeit dazu?

Metzger: Das müssen wir über Stipendien und Kreditprogramme sicher stellen. Bei sozial Schwachen, zum Beispiel bei Studienbewerbern, deren Eltern Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe beziehen, sollte der Staat als Bürge eintreten. Zudem muss sichergestellt sein, dass die Gebühren erst nach dem erfolgreichen Abschluss zurückzuzahlen sind, wenn der Absolvent im Beruf steht. Auch das ist übrigens sozial. Denn wer studiert, wird später im Regelfall deutlich mehr verdienen, als jemand, der eine Lehre zum Beispiel als Schlosser oder Krankenschwester absolviert hat. Warum aber sollte der Bürger den Anlauf eines Studenten ins Lager der Besserverdiener aufzusteigen, allein aus seinen Steuern finanzieren?

INSM: Bitter wäre natürlich ein Studienabbruch, weil dann auch die Gebühren in den Sand gesetzt wären ...

Metzger: Deshalb sollten wir den Universitäten flächendeckend Eingangstests unter allen Studienbewerbern erlauben. Zum einen sichern sie damit einen hohen Standard in den Seminaren und Hörsälen und den brauchen wir. Und zum anderen verhindern solche Tests so gut es geht, dass Studiengebühren mit einem Studienabbruch in den Sand gesetzt werden.

Logisch ist, dass bei einem solchen System die ZVS ab sofort überflüssig wäre und umgehend abgeschafft werden sollte. Wir haben es derzeit mit Abbrecherquoten von bis zu 50 Prozent zu tun. Diese werden, das zeigen auch Erfahrungen an Privatuniversitäten, drastisch sinken. Zudem sind in diesen privaten Hochschulen die Studiengänge auch deutlich kürzer. Studenten müssen zwar Geld in ihr Fortkommen investieren aber nicht soviel Lebenszeit verschwenden wie in den vielfach überfüllten staatlichen Universitäten, die aus diesem Grund auch oft nur eine mäßige Studienbetreuung anbieten können.

Sozial sind kurze Studiengänge mit optimalem Ergebnis. Weil Studenten schon aus demographischen Gründen möglichst zügig ins Arbeitsleben müssen, wo wir in naher Zukunft einen erschreckenden Mangel junger Fachkräfte haben werden.

Jetzt kann man natürlich fragen, was es daran auszusetzen gäbe, klingt doch alles ganz vernünftig. Dazu sollte man aber mal ein wenig seine Vita betrachten:. Hier ein paar Infos zu Oswald Metzger:

Der Besuch von 3 Internaten bis zum Abitur. Ein Ortswechsel war nicht der Grund für den Wechsel der Lehrinstitute.

1976 bis 1982 Studium der Rechtswissenschaften in Tübingen, ohne Abschluss

Sechs Jahre Studium, das sind 12 Semester, ohne Abschluss, also nicht einmal das erste Staatsexamen. Aber die Möglichkeiten der staatlichen Subventionierung hat er wohl voll ausgeschöpft. Das ist der Mann, der heute kurze Studienzeiten als sozial empfindet. Das ist der Mann, der Studiengebühren verlangt und dafür plädiert, Eignungsprüfungen durchzuführen, damit es keine Langzeitstudenten oder solche ohne Abschluss mehr an unseren Unis gibt. Diesem Mann muss absprechen, ein solches Urteil zu fällen.

1980 bis 1986 selbständiger Unternehmer

Sein Unternehmen war ein Schreibbüro. Sieht man die Zeit der Gründung, dann fällt die noch in die Zeit seines Studiums. Damit hat er die steuerlichen Vergünstigungen für Studenten für sein "Unternehmen" ausgeschöpft. Ist es das, was ihn zum Finanzexperten der Grünen machte?

Metzger ist ein Mann, der die staatlichen Möglichkeiten über Gebühr ausgeschöpft hat.

1986 bis 1994 Landesgeschäftsführer der kommunalpolitischen Vereinigung Grüne/Alternative in den Räten von Baden-Württemberg mit Sitz in Stuttgart

1994 bis 2002 Mitglied des Deutschen Bundestages, ordentliches Mitglied im Haushaltsausschuss, Obmann der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und deren haushaltspolitischer Sprecher.

Aus dieser Vita geht klar hervor, dass Metzger, sieht man mal von seinem subventionierten Unternehmertum ab, nie praktisch gearbeitet hat. Kann ein solcher Mensch in einer Institution urteilen, was soziale Marktwirtschaft ist? Wie sozial ein Staat sein muss oder kann? Wie die Verteilung der Gewinne aussehen soll? Nein. Metzger ist einer der heute häufig anzutreffenden Gestalten, die sich zeitlebens von der Gesellschaft dafür bezahlen lassen, dass sie gegen die Gesellschaft arbeiten. Denn die Gesellschaft, das sind wir, nicht nur Unternehmen und Politiker.

Wenn ein einfacher Mensch über Neoliberalismus oder Privatisierung unreflektiert das wiedergibt, was er der Presse und dem Fernsehen entnommen hat, ist das zwar dumm, aber nicht gefährlich.

Wenn eine pseudowissenschaftliche Initiative solche Lehren verbreitet, geschieht das wider besseres Wissen und ist gefährlich, sehr gefährlich sogar. Wenn es unter dem Deckmäntelchen "Wohlstand für alle, die neue soziale Marktwirtschaft" geschieht, sind das Maßnahmen ähnlich der Propaganda in einer Art und Weise, wie wir sie in Deutschland schon einmal hatten, nur mit einer anderen Zielrichtung. Sie schaffen die Grundlagen, indem sie mit wohl tönenden Worten Werbung für die neoliberale Politik schaffen. Ihre Zielobjekte sind natürlich nicht die ALG II- oder Sozialhilfeempfänger, auch nicht die Arbeitslosen, sondern die Menschen, die arbeiten und vor allem die Menschen, die scheinbar unsere Politik bestimmen. Scheinbar deshalb, weil ein Großteil der Gesetzgebung nicht mehr von der Politik, sondern von der dort tätigen Lobby durchgeführt wird. Zu dieser Lobby gehören vor allem Leute wie die so genannten Multiplikatoren, die im Parlament sitzen und das Gedankengut der INSM nicht nur in Medien, sondern auch im Parlament auf subtile Art und Weise einführen.

Und so wird von darauf trainierten Leuten über Anzeigen, über TV- und Hörfunkmedien und über Plakataktionen die frohe Botschaft verkündet, dass wir längst wieder Wirtschaftswachstum hätten, gäbe es nicht den Klotz am Bein der Wirtschaft, wie Lohnnebenkosten, die ach so bremsenden Effekte der sozialen Alimentierung von Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern. Aus solch einer Wortschmiede kommen mit scheinbar unwiderlegbaren Beweisen dann auch die Parolen, dass die Deregulierung Arbeitsplätze schafft. Dass unbezahlte Mehrarbeit Arbeitsplätze schafft (wobei fairer Weise angemerkt werden muss, dass dieses Statement dem Wirtschaftinstitut von Prof. Sinn in München entsprungen ist).

Nur, die Medien überschlagen sich mit den Erfolgsmeldungen der wieder anspringenden Konjunktur. Die Unternehmen verzeichnen teilweise exorbitante Gewinnanstiege. Dabei verkünden sie dann, dass zur Senkung der Kosten weitere Arbeitsplätze abgebaut werden müssen. Da hilft es auch nicht, wenn die INSM in Kooperation mit dem Musiksender MTV eine Initiative aufmacht, in welcher sie Jugendliche berät, wie man zu einem Job kommt. Im Vordergrund stehen dabei eher die Interessen der INSM, auch die bisher nicht erreichte Wahrnehmung der Jugend für ihre Kampagnen zu erreichen.

Anzumerken bleibt noch, dass man mit einem jährlichen Etat von 10 Millionen viel Schaden anrichten kann, sehr viel.

Einen bemerkenswerten Beitrag zum Thema hat die Süddeutsche Zeitung herausgegeben. Der Beitrag kann hier als Word-Dokument eingesehen werden.

Ebenfalls zu diesem Thema gibt es eine interessante Studie der Hans Böckler-Stiftung. Die Studie als PDF-File können Sie hier abrufen.

29.07.2007 (Aktualisierung:) Auflistung der jetzt für die INSM tätigen Botschafter und Berater:

Kuratoren und Botschafter

  • Ann-Kristin Achleitner (Wissenschaftl. Direktorin des CEFS an der TU München)
  • Hans-Wolfgang Arndt (Rektor der Universität Mannheim)
  • Hans D. Barbier (Wirtschaftspublizist, Vorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung, Bonn)
  • Arnulf Baring (Politikwissenschaftler, Historiker und Publizist)
  • Roland Berger (internationaler Unternehmensberater, Roland Berger Strategy Consultants GmbH)
  • Christoph Burmann (Lehrstuhlinhaber für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der Universität Bremen)
  • Ralf Dahrendorf (Mitglied des Britischen Oberhauses)
  • Juergen B. Donges (Prof. für Wirtschaftl. Staatsw. an der Universität Köln und Direktor des IW Köln, Mitglied des Kronberger Kreises)
  • Dominique Döttling (Geschäftsführende Gesellschafterin Döttling & Partner Beratungsgesellschaft mbH, Uhingen)
  • Johann Eekhoff (Staatssekretär a.D., Wirtschaftspolitisches Seminar der Universität zu Köln)
  • Lüder Gerken (Vorstand der Friedrich-August-von-Hayek-Stiftung)
  • Michael Hüther Direktor und Mitglied des Präsidiums des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln
  • Stephan A. Jansen (Gründungspräsident und Geschäftsführer der Zeppelin University (ZU))
  • Martin Kannegiesser (Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall)
  • Eberhard von Koerber (Präsident des Verwaltungsrates der Eberhard von Koerber AG, Zürich; Vizepräsident des Club of Rome)
  • Edward G. Krubasik (Honorarprofessor an der TU München, Mitglied des CDU-Wirtschaftsrates)
  • Siegmar Mosdorf (Parlamentarischer Staatssekretär a. D., SPD)
  • Arend Oetker (Unternehmer, Präsident des Stifterverbandes der Deutschen Wissenschaft, Vizepräsident des BDI)
  • Karl-Heinz Paqué (ehemaliger Finanzminister von Sachsen-Anhalt (FDP), Mitglied des Bundesvorstands der FDP)
  • Rolf Peffekoven (Direktor des Instituts für Finanzwissenschaft Johannes Gutenberg-Universität Mainz)
  • Arndt Rautenberg (Deutschen Telekom AG)
  • Randolf Rodenstock (Vorsitzender des Aufsichtsrats der Rodenstock GmbH, Präsident des Verbands der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie)
  • Dagmar Schipanski (MdL CDU, Präsidentin des Landtages von Thüringen)
  • Nikolaus Schweickart (Vorstandsvorsitzender der Altana AG, Vorsitzender des Kuratoriums und Vize-Präsident des Wirtschaftsrats der CDU, Präsidiumsmitglied des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft)
  • Lothar Späth (Politiker der CDU, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Jenoptik AG)
  • Erwin Staudt (Präsident des VfB Stuttgart)
  • Ulrich van Suntum (Geschäftsführender Direktor des CAWM, Westfälische Wilhelms-Universität zu Münster)
  • Hans Tietmeyer (Vorsitzender des Kuratoriums und ehemaliger Präsident der Deutschen Bundesbank)
  • Hans-Dietrich Winkhaus (Präsident des Instituts der deutschen Wirtschaft)

Berater

  • Dieter Lenzen (Präsident der Freien Universität Berlin)
  • Oswald Metzger (Finanzexperte Bündnis 90/Die Grünen)
  • Bernd Raffelhüschen (Prof. für Finanzwissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und Professor II an der Universität Bergen
  • Thomas Straubhaar (Präsident des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archivs (HWWA))

Mitglieder des Fördervereins für die INSM

  • Florian Gerster (SPD), ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit)
  • Johanna Hey (Stiftungsprofessur für Unternehmenssteuerrecht in Düsseldorf)
  • Silvana Koch-Mehrin (Mitglied des EU-Parlaments und des FDP-Bundesvorstands)
  • Dieter Lenzen (Präsident der Freien Universität Berlin)
  • Friedrich Merz (MdB CDU)
  • Ulrike Nasse-Meyfarth (Sportlerin)
  • Dieter Rickert (Personalberater)
  • Hergard Rohwedder (Rechtsanwältin)
  • Max Schön (Mitglied im Aufsichtsrat der Max Schön AG)
  • Carl-Ludwig Thiele (Stellv. Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion)
  • Hans Tietmeyer (Vorsitzender des Fördervereins, ehemaliger Präsident der Deutschen Bundesbank)
  • Gunnar Uldall (CDU), Senator, Präses der Wirtschaftsbehörde Freie und Hansestadt Hamburg)