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Hartz VersprechenDer Kanzler wird die Vertrauensfrage stellen. Man soll ihm vertrauensvoll versichern, dass man kein Vertrauen hat, damit der Bürger ihm bei den nachfolgenden Wahlen wieder vertraut. Nun, ich bin ein Bürger und ich kann nur sagen, dass ich mich bei der Überlegung, wie ich das Procedere formuliere, gefragt habe, ob ich nicht in die Klapsmühle gehöre. Aber in der Realität ist das die Quintessenz des zurzeit ablaufenden Spektakels. Wie ist das denn nun, mit dem Vertrauen? Machen wir eine Reise zurück in die Vergangenheit, zum 16. August 2002, als der Kanzler voller Stolz verkündete, dass die Hartz-Kommission ihren Abschlussbericht übergeben hat. Übergeben ist hier im Sinne einer Übergabe gemeint, nicht im Sinne einer fehlgeleiteten Magenentleerung. Peter Hartz, Personalvorstand der VW-AG, als Leiter der Kommission war natürlich der geeignete Mann für die Leitung einer Kommission, deren Teilnehmer sich in der Vergangenheit vorwiegend damit beschäftigt hatten, wie man Arbeitsplätze vernichtet, so wie Dr. Jobst Fiedler von der Fa. Roland Berger, wie Klaus Luft von der Fa. Market Access for Technology Services oder Eggert Voscherau, Vorstandsmitglied der Fa. BASF AG, wie Norbert Bensel, Vorstandsmitglied der Fa.DaimlerChrysler Services AG, wie Dr. Peter Kraljic von der Unternehmensberatung McKinsey oder Hans-Eberhard Schleyer, der Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks und Heinz Fischer, Abteilungsleiter Personal der Fa. Deutsche Bank AG. Dazu kamen noch Kommissionsmitglieder wie der Oberbürgermeister von Leipzig, Wolfgang Tiefensee und der Präsident des Landesarbeitsamtes Hessen, Wilhelm Schickler. Außerdem zwei Professoren und eine ver.di Vertreterin. Bei der Zusammensetzung der Kommission ist man wohl davon ausgegangen, dass, wer gekonnt Arbeitsplätze vernichtet, auch wissen muss, wie man Zerstörtes wieder zusammenflickt. Also wurde an eben jenem 16. August 2002 eine Konferenz einberufen, damit Peter Hartz in einem geeigneten Rahmen (im Französischen Dom in Berlin) von der Kanzel das von der Kommission erarbeitete Konzept vorstellen konnte. Der unbedarfte Bürger (aus der Sicht der Politik ist unbedarft in Verbindung mit dem Bürger wohl mit dumm zu übersetzen) kann das natürlich nicht ohne Mithilfe verstehen, deshalb haben sich schlaue Mitarbeiter hingesetzt und Fragen und Antworten konzipiert, damit sogar der Bürger es versteht: Schröder sprach sich dafür aus, die Hartz-Konzepte unverzüglich umzusetzen und stellte dabei auch die Eckpunkte der Konzepte dar. Da lohnt es sich schon, mal genauer hinzuschauen. Eckpunkte: - Vermittlung von
Wenn ich mich heute frage, wie dieser Punkt umgesetzt wurde, komme ich zu dem Schluss, das Arbeitsamt wurde zur Bundesagentur für(?) Arbeit umgestaltet, aber im absoluten Mittelpunkt scheint mir zu stehen,
Vermutlich haben sich die Behörden-Mitarbeiter mit der Begründung: "Das haben wir noch nie gemacht und dafür sind wir auch nicht ausgebildet" geweigert, Service zu leisten. Somit wurden hier externe Zeitarbeitsfirmen beauftragt, mit denen ein Kooperationsvertrag abgeschlossen wurde, dass für jeden vermittelten Arbeitslosen ein hübscher Zuschuss vom Staat gezahlt wird. Einige fanden den Zuschuss so hübsch, dass sie gar nicht genug davon bekommen konnten und vermittelten, ohne zu vermitteln. "Wir werden, was die Frage der Zumutbarkeit angeht, das sozial, aber auch regional neu definieren", bekräftigte Schröder im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" und der "Welt" vom 13. August. Wer zumutbare Arbeit aus nicht nachvollziehbaren Gründen ablehne, müsse mit veränderten Sanktionen rechnen. Der erste Juli 2005 ist der von Peter Hartz vorgegebene Stichtag. An diesem Stichtag soll es in Deutschland 2 Millionen Arbeitslose geben. Auch hier hat Schröder und die Hartz-Kommission das Ziel um 400% übertroffen, denn stolz kann Schröder verkünden, dass wir sogar 8 Millionen Arbeitslose haben (wenn man die kleinen Schönheitskorrekturen der BA mal weg lässt). Oder habe ich den Sinn der Aufgaben, die aus dem Hartz-Papier hervorgehen, irgendwie falsch verstanden? Dann bitte ich um Nachsicht, denn schließlich bin ich ja nur ein unbedarfter Bürger. Fazit: Der Kanzler hat mein volles Vertrauen, wenn er sagt, dass er nicht vertrauenswürdig ist. Hauptsache ist doch, dass er kein Gesetz erlassen hat, dass uns zwingt, ihn oder die ihn begleitenden Parteien wieder zu wählen. Die Hartz-Kommission hat klar gestellt, dass ihre Mitglieder zwar wissen, wie man Jobs vernichtet, aber keine Ahnung haben, wie man Arbeitsplätze schafft. Hier trifft das Sprichwort: Schuster, bleib bei Deinem Leisten voll zu. Stellt sich jetzt natürlich die Frage, soll ich Angela wählen? Wie hat sie doch so schön zur Feier des 60-jährigen Bestehens der CDU (unbegreiflich, dass diese Partei bei all den Mist, den sie gebaut hat, so alt werden konnte) in der Festrede gesagt? Hier groß und fett: Deutschland habe keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft für alle Ewigkeit
Hamburger Morgenpost vom 16.6.2005 Nun, Angela ist schließlich in der SED-Diktatur aufgewachsen und hatte sich als aktives Mitglied einer Blockpartei mit dem SED-Regime bestens arrangiert. Jetzt sehnt sie sich wohl wieder nach einer Diktatur zurück. Ist doch auch schön, sagen zu können: Was Du darfst und nicht darfst, bestimme ich und wehe, Du gehorchst nicht. Und eine soziale Marktwirtschaft? Wer braucht die schon? Jetzt hat sie die Chance, diese Diktatur mit Guido gemeinsam zu gestalten. Das Schöne an Guido ist ja auch, dass der bestimmt nicht versucht, ihr an die Wäsche zu gehen. Mein Gott (schließlich ist sie ja sehr christlich), was sich da alles machen lässt. Aber, liebe Angela, Deine Träume musst Du ohne mich verwirklichen. Den Rest an Demokratie, den wir noch haben, möchte ich mit meinen Freunden und Freundinnen lieber wieder zu einer echten Demokratie umgestalten. Deshalb werde ich meine Stimme sicher nicht an eine der Parteien verschwenden, die sich alle Mühe geben, Deutschland zu vernichten und mit ihrem Verständnis von Arbeit die Bevölkerung wieder in die Sklaverei führen wollen. Deshalb werde ich die WASG nicht nur wählen, sondern auch als Mitglied aktiv unterstützen. Wirst Du mich deshalb nach der Wahl verhaften lassen? |