| Navigation aus Navigation an | Erstelldatum: 13.11.2008 |
Helga Müller, offener Brief an Frau MerkelSehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel! Mit Interesse habe ich Ihre Rede anlässlich des 70. Jahrestages der Progromnacht von 1938 gelesen. Ich bin gegen jede Form von Ausgrenzung und Diskriminierung, deshalb ermutigen mich Ihre Sätze zu meinen Gedanken. Sie erinnerten, dass eine schweigende Mehrheit damals dem Terror an der jüdischen Bevölkerung nichts entgegensetzte. Die meisten Menschen in unserem Lande sind nicht begeistert davon, aber es gibt keinen nennenswerten Widerstand in meinem Lande. Wo soll das alles enden? Sie erinnern an den Irrglauben, dass man nichts tun müsse, wenn man selbst nicht betroffen ist, wenn man zu denen gehört, die sich noch gut in der Gesellschaft integriert fühlen. Dabei gibt es gute Wissenschaftler, die auch Ihnen genug Fakten weitergeben wollten wie Wilhelm Heitmeyer, die auch belegen wir fragil unsere Gesellschaft geworden ist und die dringend raten, dass das ökonomische Denken neu durchdacht werden muss. Sie sagten, dass wir Zivilcourage stärken sollen, Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit überall auf der Welt, - also auch bei uns -. Vor einem Monat war ich in Berlin auf der Demonstration gegen die Vorratsdatenspeicherung. es waren 50 oder 80000 Menschen dort, viele junge Menschen, auch Familien.
Es war wunderbar und ermutigend. Ich war auf einigen Demonstration, z. B. gegen den Staatsumbau in unserem Lande, gegen die Bahnprivatisierung , gegen den Krieg in Jugoslawien, im Irak und in Afghanistan und auch gegen Rechtsextremismus. Aber gerade letzteres ist für mich sehr fragwürdig geworden , seitdem die Bundestagsvizepräsidentin in der Erfurter Brunnenkirche von ihrem Vater berichtet, der gesagt hat, dass bei Hitler nicht alles schlecht war. Sie hatte sich nicht extra distanziert und die linke Prominenz einschließlich Michael Friedmann haben das auch nicht hinterfragt. Wenn es so im Kirchenraum gesagt werden kann, dann glaube ich, steht die neue Diktatur schon in den Startlöchern. Menschen die gesellschaftkritische Fragen stellen, - man sollte ihnen eigentlich zuhören, weil sie den Finger in die Wunde legen und uns auf Gefahren hinweisen -, werden vorschnell als Terrorverdächtige eingestuft ( z.B.Andrej Holm), oder man hört ihnen gar nicht zu (s.o.) Ich habe immer geglaubt, dass jeder Mensch bei seinen Funktionen auch sein Gewissen einschaltet. Nun habe ich aber von einer hessischen Abgeordneten gehört, dass sie fürs Regieren gewählt worden ist und nicht wegen ihres Gewissens. Wo soll das hinführen in einer Zeit, wo alles nur abgerechnet wird? In Ihrer Zeitung DAS PARLAMENT las ich unter anderem den Satz, dass wir uns verabschieden sollen von den Konzepten Schuld und Strafe (Franz W.Wuketits-Ende Oktober 2008), und das der Menschen keinen eigenen freien Willen hat. Muss ich das so verstehen, dass die Abgeordneten für keine ihrer Entscheidungen eine Verantwortung tragen, dass sie egal wie sie die Lebensperspektiven der Menschen verändern nie zur Rechenschaft gezogen werden brauchen?? Ich kann mir zwar vorstellen, dass der eigene Wille schwindet mit dem anwachsenden Geltungsbedürfnis oder mit der Rolle die man auf der Bühne der Politik spielt. Es ist aber unbegreiflich, wie pauschal im Parlament über die Menschen geurteilt wird und damit anderen suggeriert, dass man nichts zu ändern braucht. Das, zusammen mit dieser Ökonomisierung aller Lebensbereiche ist für mich moderner Faschismus. Diesen zu entlarven ist allerhöchste Zeit. Freundliche Grüße von |
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