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Erstelldatum:05.12.2017

OECD-Studie

Die ZEIT(1) berichtet über eine OECD-Studie und die Lebensarbeitszeit der Alten.

Ich habe nicht nur den ZEIT-Beitrag, sondern auch die ersten 12 Seiten der Kommentare gelesen und es war keine Schüttellähmung, die meinen Kopf wackeln ließ.

Die OECD-Studie berichtet, so wie die ZEIT es darstellt, in einem Punkt eine Lüge. Es gab auch bereits früher Leute, die länger als bis zum ursprünglichen Renteneintrittsalter gearbeitet haben und natürlich hat das, im Gegensatz zur OECD-Aussage, auch früher bereits ihre Renten erhöht, denn die Rentenberechnung geht von den eingezahlten Beiträgen der Arbeitnehmer aus, völlig losgelöst von der Frage, wann der Renteneintritt erfolgt ist, wenn man mal bestimmte Sonderfälle wie z. Frühverrentung wegen Arbeitsunfähigkeit außeracht lässt. Hat also ein Arbeitnehmer seinen Rentenantrag erst im Alter von bspw. 68 Jahren eingereicht, dann wurde dieses Mehr an Arbeitszeit (3 Jahre) auch rententechnisch berücksichtigt.

Ebenfalls weist die OECD-Studie nicht darauf hin, dass vor allem die Zahl der über 55-Jährigen exorbitant zugenommen hat, die arbeitslos sind und kaum noch die Chance haben, dass sie wieder einen Job bekommen, Auch verschweigt die Studie, dass die Arbeitsagentur Arbeitslose ab einem Alter von 58 Jahren nicht mehr vermittelt und sogar nicht mehr als Arbeitslose führt, um ihren statistischen Betrug einer niedrigen Arbeitslosigkeit aufrecht zu erhalten.

Was ich der Studie auch nicht entnehmen konnte, ist die Antwort auf die Frage, ob ein Teil der länger Arbeitenden denn überhaupt in einer abhängigen Beschäftigung tätig waren, oder Selbständige und Unternehmer einen Teil der Zahlen ausmachen. Schließlich haben wir inzwischen gelernt, dass man mit Statistiken auch wunderbar Lügen verbreiten kann. Man muss sie nur entsprechend aufbereiten.

Irgendwie vergessen hat man wohl, dass Arbeitgeber immer wieder die Politik aufgefordert haben, Frühverrentungsmodelle zu unterstützen und das dies eigentlich immer zu Lasten von Sozialsystemen verwirklicht wurde, z. B. über das Arbeitslosengeld, dass dann vom Arbeitgeber aufgestockt wurde, natürlich steuerbegünstigt für die Arbeitgeber.

Auch der Begriff des "Generationenvertrages" taucht wieder auf, ein Vertrag, denn es nie gab, der aber politisch eingebracht wurde, um 1. den Alten ein schlechtes Gewissen zu machen und 2. die Jugend gegen die Alten aufzubringen.

Aus den Kommentaren in der ZEIT kann man herauslesen, dass das bestehende Rentensystem noch immer nicht verstanden wurde. Drücken wir es mal ganz einfach aus. Der Staat nimmt von den Beitragszahlern der gesetzlichen Rentenversichrung (GRV) eine Anleihe auf, nämlich die Beitragszahlungen und zahlt von dieser Anleihe die laufenden Renten. Dass er Steuermittel zuschießt, ist kein sozialer Beitrag, denn er hat im Laufe der Zeit die GRV mit einer Menge Zahlungen belastet, die versicherungsfremd sind und er weigert sich beharrlich, diese Fremdlasten auch als solche kenntlich zu machen und in ihrer Höhe zu beziffern.

Das Bundesverfassungsgericht hat den Politikern dafür in der Vergangenheit sogar einen Freifahrtschein gegeben, als es in einem Urteil begründete, die Rentenversicherung sei eine Sozialversicherung und dem Staat sei daher ein breiter Ermessungsspielraum gegeben, andere Aufgaben aus diesem Sozialsystem zu begleichen. Nun ja, die Verfassungsrichter haben zumeist vor ihrer Berufung selbst eine politische Laufbahn hinter sich gebracht und daher konnte es natürlich passieren, dass sie den Umstand unbeachtet gelassen haben, dass das gesetzliche Rentensystem zwar ein Sozialsystem ist, dem sich aber die Nutznießer der den Beiträgen entnommenen und versicherungsfremden Leistungen diesem Sozialsystem verweigert haben. Zufall? Oder doch nicht, weil auch die Verfassungsrichter zu den Nutznießern gehören?

Die Jungen zahlen also nicht die Renten der Alten, sondern leihen dem Staat ihre Rentenbeiträge (ihre Anwartschaft auf spätere Rentenzahlung), der dann daraus die Renten der Alten bezahlt, also den Alten ihre Leihgabe zurückzahlt. Die Rentensteigerungen im Lauf der Jahre sind lediglich die Verzinsung des dem Staat über einen sehr langen Zeitraum zur Verfügung gestellten Kapitals. Alles Geschwätz über einen Generationenvertrag ist der Sand, den uns Politiker in die Augen zu streuen versuchen, was bei vielen gelingt, aber nicht bei allen. Die gesetzliche Rente ist erwirtschaftetes Kapital und ein Segen für die Volkswirtschaft, denn sie sichert Arbeitsplätze, generiert durch den Konsum der Alten nicht nur Umsätze in den Wirtschaftsunternehmen, sondern sogar Steuern, die sich aus dem Konsum der Alten ergeben. Dieses Rentensystem belässt die Beiträge im Wirtschaftskreislauf und entzieht sie ihm nicht, wie das bei kapitalgeckten Systemen der Fall ist.

Die immer wieder auftretende Forderung, das Rentensystem auf Basis eines Kapitalstockes zu stellen, ist aus meiner Sicht ein Beispiel fehlender Intelligenz. Auch eine Kapital-basierte Rente muss, um den Lebensabend abzusichern, eine Verzinsung erzielen, also in irgendeiner Form angelegt werden. Gerade die derzeit von Draghi praktizierte Zinspolitik beweist, auf welch unsicheren Füßen ein solcher Kapitalstock steht. Und ich freue mich, auch mal das US-System als Beispiel anführen zu können. Fragen Sie mal die Alten dort, deren private Rentenversicherung pleite gegangen ist und die nun bis ins hohe Alter arbeiten müssen, nicht selten in mehreren Jobs. Auch rate ich allen Kapitalstock-Fans, sich mal mit dem Mackenroth-Theorem vertraut zu machen.

Die Begeisterung so mancher Kommentarschreiber darüber, dass nun auch die Alten über das bisherige Renteneintrittsalter hinaus arbeiten, sehe ich dem Umstand geschuldet, dass sie wie so viele ZEIT-Leser das Denken den Pferden oder den ZEIT-Redakteuren überlassen, denn anders kann ich mir nicht erklären, warum sie offenbar vergessen haben, dass es eine hohe Jugendarbeitslosigkeit gibt, die durch längeres Verharren der Alten auf den Stühlen in den Unternehmen gewiss nicht sinken wird. Irgendwie hat man wohl auch vergessen, dass wir mit einem System (Arbeitsmarkt 4.0) konfrontiert werden sollen, in welchem Roboter die ehemals von Menschen ausgeführte Arbeiten in der Zukunft durchführen sollen.

Nein, ich sehe in der OECD-Studie nur ein weiteres Beispiel, unsinnige Statistiken in Umlauf zu bringen, deren Ziel wohl darin besteht, die Länder dazu zu animieren, den Renteneintritt nach hinten zu verlagern. Sie ist, wie die vom Statistischen Bundesamt stets angeführte Altersvorausberechnung dazu gedacht, Verwirrung zu stiften. Die Lebenserwartung abhängig Beschäftigter kann aus der Statistik des Stat. Bundesamtes nicht herausgelesen werden, denn sie gilt immer nur für die Gesamtbevölkerung und man sollte sich mal fragen, warum das so ist, denn eine separate Statistik für alle Rentenversicherten wäre ganz einfach von der Rentenversicherung Bund zu bekommen. Die haben alle dafür erforderlichen Daten, auch die Daten, wann die Zahlung der Rente wegen Todesfolge eingestellt wurde und wie viele Jahre der Versicherte versicherungspflichtig gearbeitet hat.

Fußnoten

(1) In Deutschland arbeiten mehr Menschen länger ZEIT b. 05.12.2017