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Erstelldatum: 11.11.2015

Bildung

Wir brauchen unbedingt mehr und bessere Bildung, so das Credo der Politik, am Beispiel der Landeszentrale für politische Bildung NRW oder dem der um das Wohl der Menschen besorgten Bertelsmannstiftung. Sicherlich wären viel mehr Beispiele dieser "Besorgnis" anzuführen, doch mir genügen diese beiden Hauptakteure, um mich zu fragen, ob das Verständnis von Bildung nicht ein wenig seitenverkehrt dargestellt wird.

Die Grundfrage muss doch lauten, was ist Bildung eigentlich und da scheinen die Meinungen ziemlich weit auseinander zu gehen. Zieht man nicht der Bildung seit Jahren den Boden unter den Füßen weg? Ist Bildung eigentlich Aufgabe der Schulen, Hochschulen und Universitäten?

Meine Meinung dazu ist ein wenig differenzierter. Schule und Universitäten sind vor allem Beauftragte der Wissensvermittlung und Wissensvermittlung bedeutet für die Schulen, Basiskenntnisse zu vermitteln und das sind in erster Linie deutsch, das beinhaltet lesen und schreiben (natürlich nur aus Sicht der deutschsprachigen Länder), Rechnen, dazu noch Wahlfächer (falls möglich). Hinzu kommen, Sport, Geographie, ein wenig Geschichte (die nach meiner Meinung stets verfälscht ist, weil sie einseitig den Blickwinkel der Sieger darstellt) und Basiskenntnisse für Fremdsprachen (leider vornehmlich englisch). Religion sollte aus dem gesamten Schulwesen gestrichen werden, denn das wäre Aufgabe der Kirchen und würde die Trennung von Kirche und Staat ein wenig weiter verwirklichen.

Weiterführende Schulen wie Gymnasien und Fachhochschulen würden das generelle Wissen weiter vertiefen (z. B. die Grundrechenarten mit höherer Mathematik ergänzen, zusätzlich Fremdsprachen nach Wahl, Wirtschaftskunde, Literatur usw.). Die Fachhochschulen sind dabei ein Zwischending zwischen Hochschule und fachspezifischer Universität. Ich sollte noch die Berufsschule anführen, die weitgehend die theoretische Ausbildung für junge Berufsanfänger vermitteln soll.

Universitäten werden dann spezifisch nach der künftigen beruflichen Ausrichtung besucht, die das jeweils spezifische Wissen vermitteln, welches dem Studenten nach Abschluss den Einstieg in die Berufsausübung ermöglicht.

Sicher, Schulbildung ist ein Teil der Bildung, aber macht sie den Menschen wirklich zum Menschen oder doch mehr zum Roboter, der je nach Qualifikation funktionieren soll und muss? Aus meiner Sicht ist ein wesentlicher Teil der Bildung Aufgabe des Elternhauses, das den Menschen erst zum Menschen formt, ihm das Miteinander beibringt, seinen Charakter durch Liebe und Zuwendung formt, ihn beschützt und nährt, summarisch gesagt, seinen Charakter formt, ihn lehrt, das Ethik und Moral weder technisch noch mathematisch erlernbar sind, denn das sind Eigenschaften, die auf der Grundlage der elterlichen Fürsorge wachsen, aber leider immer seltener werden.

Heute geht der Trend dahin, das Band zwischen Kindern und Eltern zu kappen. Aber keine Kita und kein Kindergarten kann die Mutter und den Vater ersetzen. Der Feminismus hat erreicht, dass die Familienbande zerstört werden. Hausfrau und Mutter zu sein ist heute ein Schimpfwort. Frauen gehören in die Fabriken und die Verwaltungen der großen Konzerne. Bereits die Auszeit, die das Kinderkriegen zwangsläufig mit sich bringt, ist mehr als lästig und eine Arbeiterin oder Angestellte, die wegen Krankheit des Kindes ausfällt, ist ein Sakrileg. Die Wandlung vom Menschen zum reinen Konsumenten ist schon längst zu weit fortgeschritten. Heute ist die Außenwirkung das A und O unserer Gesellschaft, denn Außenwirkung bedeutet Konsum für die einen, Geschäft für die anderen. Selbst Kinder sind längst in diese unselige Entwicklung fest eingebunden. Und Außenwirkung erfordert gleichzeitig ein stetig steigendes Anspruchsdenken.

Deutschland schafft sich ab, hieß es einmal, doch das ist falsch. Der Mensch schafft sich ab. Die Würde des Menschen ist nicht Teil des Besitzstandes, sondern eine charakterliche Eigenschaft, die in unserer Gesellschaft mehr und mehr verlorengeht.

Ich möchte das anhand eines der zahlreichen Filmchen der Landeszentrale für politische Bildung NRW (1) aufzeigen. In diesem YouTube-Filmchen wird gezeigt, wie die Robotik immer mehr produktive Arbeiten verrichtet. Stolz zeigt man menschenleere Produktionsanlagen, in denen alles von Robotern erledigt wird, ein Grund, warum Professor Maier von der Universität Bochum fordert, man brauche viel mehr qualifizierte Ingenieure, die auch in der Lage sind, diese komplizierten Maschinen zu bedienen und zu warten. Es soll ja nicht das Ende dieser Automatisation sein. Immer komplexere Produktionsschritte sollen von Robotern verrichtet werden bis hin zum lernen der einen Roboter von anderen Robotern und ich finde die damit verbundene Argumentation regelrecht krank. Brauchen wir nur noch Häuptlinge und keine Menschen mehr? Zeigt einer der Filmemacher mal auf, wie das von den Robotern erstellte Gut wirtschaftlich verteilt wird? Kommen diese Leute auch nur annähernd mal auf die Idee, dass ihre genialen Erfindungen eigentlich menschenfeindlich sind, weil die wirtschaftlichen Ergebnisse sich weder auf die Arbeitszeiten noch auf die finanzielle Verteilung an alle auswirken? Heute geht die Entwicklung immer mehr hin zu dem, was möglich ist und verliert dabei völlig aus den Augen, ob es auch sinnvoll und für den Menschen vorteilhat ist. Der Tunnelblick dieser Leute ist erschreckend. Die technische Entwicklung sollte allen Menschen zugutekommen und dort gestoppt werden, wo sie beginnt, sich nachteilig auszuwirken.

Man braucht keine Menschen mehr, denen die fachliche Qualifikation zu Höherem fehlt. Es mag ja früher ganz gut gewesen sein, dass man "einfache Menschen" hatte, die die groben Arbeiten erledigten, doch die braucht man heute wohl nicht mehr. Nur, es gibt sie und wird sie auch künftig geben, denn die erreichbare Intelligenz der Neugeborenen wird immer unterschiedlich sein. Ob man diejenigen, die als unrentabel angesehen werden, in Zukunft schon während der Schwangerschaft selektiv aussondert, sprich - abtreibt? Hier könnte vielleicht Google helfen. Im Spiegel (2) zeigt ein Bericht, dass Google neue Wirtschaftszweige erschließen will. Mit Nano-Technologie wollen sie das Innere des Menschen überwachen und dazu auch Mittel schaffen, die von den Nano-Teilchen ausgestrahlte Warnmeldungen auffangen. Wie das gehen soll? Nun, am Ende des Berichts steht:

    Am Ende, sagt der Biologe dann nur halb im Scherz, könnte der Tricorder stehen, das berühmte medizinische Diagnosegerät aus "Star Trek", das, einmal kurz auf die betreffende Person gerichtet, innerhalb einer Sekunde den kompletten medizinischen Status eines Menschen analysieren kann.

Na, ich denke, ein solcher Tricorder wäre dann eine zwingende Anschaffung jeder Personalabteilung. Ich hingegen finde es eher beängstigend, denn das ist bereits der erste Schritt, auch den Menschen zu technisieren, ganz abgesehen davon, dass solche Nanoteilchen theoretisch auch selektive Aufgaben ermöglichen könnten. Natürlich behaupten alle, egal ob Politiker oder Wissenschaftler, die Technik diene den Menschen, nur lassen sie Antworten aus, welchen Menschen.

Das Schweizer Jornal21 (3) bringt einen kritischen Bericht über das schulische Bildungswesen. Ich stimme diesem Bericht in weiten Teilen zu, habe aber den Eindruck, dass auch hier ausschließlich die Schule als Instrument für die Bildung angesehen wird. Aber kann man nicht alle schulischen Lerninhalte auch in Maschinen speichern? Bildung ist für mich eine Mischung aus Eltern und Bildungseinrichtungen und Eltern machen für mich den Hauptteil der Bildung aus, sofern ihnen nicht die Glotze wichtiger als ihre Kinder ist. Und an die Frauen habe ich die Frage, ob die "Selbstverwirklichung" nicht weitaus wirkungsmächtiger in ihren Kindern war und ist als in irgendwelchen Konzernetagen, während die Kinder in Verwahranstalten wie Kitas ohne die erforderliche Liebe und Fürsorge einer Mutter groß werden?

Fußnoten


(1) Professor Horst Meier: Wir brauchen zukünftige mehr hochqualifizierte Ingenieure
(2) Medizin-Labor GWC7: Hier programmiert Google die Menschheit um Spiegel
(3) Bildung; Der fehlende Mut zum TiefgangJournal21.ch