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Erstelldatum: 23.10.2015

Pegida und die deutsche Flagge

In einem Gastkommentar des Tagesspiegel (1) fordert Peter Tauber, man solle der Pegida die Deutschlandfahnen abnehmen. Dabei lässt er sich auf recht pathetische Weise über die deutsche Fahne und deren Entstehung aus. Tja, der Herr Tauber ist Generalsekretär der CDU, was kann man da schon wirklich erwarten? Wenn wir uns mit der Thematik der von ihm genutzten Symbolik befassen, könnten wir auch eine andere Definition unserer Fahne finden:

  Schwarz für die CDU/CSU -

Rot für die SPD -

Gold für die von diesen Parteien nahezu ausschließlich vertretene Hochfinanz -

Ich kann nicht verhehlen, dass ich seine Rhetorik als ausgesprochen dürftig ansehe, vor allem in Hinblick auf die "von Kindern gemalte Flagge". Das ist schon ausgesprochen mager, denn kein Kind kommt von sich aus auf die Idee, eine Flagge eines ihm fremden Landes zu malen. Wenn man also Kinder in sein rhetorisches Geschwafel (mehr ist es nicht) einbezieht, sollte man sich zuerst bewusst machen, welche Eindrücke Kinder wirklich haben, wenn man sie in Elendsquartiere einquartiert, in einem Land, das ihnen absolut fremd ist und sie mit Menschen konfrontiert, deren Sprache sie nicht verstehen. und woher sollen sie die deutsche Fahne eigentlich kennen? Es ist kaum zu erwarten, dass der prägende Einfluss auf ein Kind, das eine komfortfreie Reise in deutsche Lande macht, ausgerechnet eine Flagge sein soll. Selbst für die Mehrheit der Deutschen ist die Flagge nicht mehr als ein abstraktes Symbol, über deren Bedeutung und unterschiedliche Ausgestaltung weitgehend Unwissenheit herrscht.

Auch Herr Tauber scheint nicht genau zu wissen, wie unsere Fahne beschaffen ist, denn im Bild wird sie seitenverkehrt dargestellt.

Bürger sind nicht "globalisiert", sondern national eingestellt und die Angst vor dem Fremden ist keine neue Eigenschaft. Ich habe Zweifel, dass diese Angst unbegründet ist, denn in den Massen der Flüchtlingsbewegung bleibt es nicht aus, dass sich auch Abschaum und religiös fanatisierte Gruppen darunter befinden. Haben so nicht auch die Mafia, die Cosa Nostra und asiatische Triaden in Deutschland Fuß gefasst?

Ich kann die Pegida nicht wirklich einschätzen, denn ich habe bisher weder mit Teilnehmern Kontakt gehabt noch mit ihnen gesprochen. Aber die Pegida hat das grundgesetzlich verbriefte Recht, zu demonstrieren. Die Pegida behauptet von sich, sie seien besorgte Bürger. Würden sie nach Details befragt, können sie ihr Unbehagen nur relativ selten vernünftig artikulieren, zumindest wenn man der Presse Glauben schenkt. Dass sich auch Neonazis in die Pegida mischen, halte ich für sehr gut möglich, aber diskreditiert das die Pegida wirklich?

Immer, wenn gegen die herrschende Politik demonstriert wird, versuchen die Neonazis eine Infiltrierung, um im Trüben zu fischen. Schaut man zurück auf die Zeit vor 1933, da gab es echte Naziaufmärsche. Damals nannten sie sich SA und das waren uniformierte und ausgesprochen gewalttätige Gruppen. Die Pegida hingegen hat gewaltfrei demonstriert und wenn es zu Ausschreitungen kam, ging die von den ziemlich zusammengewürfelten Gruppen der Gegendemonstranten aus. Es reicht vielen Menschen in diesem Land schon aus, wenn man den Verdacht äußert, eine Bewegung könnte von Nazis ins Leben gerufen worden sein und schon bildet sich eine Anti-Gruppe, die lauthals lamentiert und im Zweifel auch gewalttätig wird. Nur eines unterlassen diese so genannten Gegner, herauszufinden, ob die Vorwürfe der Wahrheit entsprechen. Spricht man dann diese so genannten Nazi-Gegner darauf an, dass es speziell die Vorgänger der CDU, CSU und der FDP gewesen sind, die Hitler erst mit ihrer Zustimmung zu dem Ermächtigungsgesetz die absolute Macht gegeben haben, dann hört man: "Das ist doch schon solange her." Diese Bigotterie finde ich hingegen eklig.

Wenn Tauber das Hambacher Fest anführt, ist das ein ziemlicher Rohrkrepierer. Auch damals galt der Widerstand der Obrigkeit und die vielen Staaten bestanden meines Wissens hauptsächlich aus den damals noch existierenden deutschen Kleinstaaten des deutschen Bundes, die das heutige Deutschland bilden, damals aber noch durch Zollgrenzen voneinander getrennt waren und einigen Franzosen, Briten und Polen. Es ging dabei um Pressefreiheit (denn die heutige Gleichschaltung der Presse gab es damals noch nicht), wirtschaftliche Ausbeutung, das Ende der Kleinstaaterei und die Einbindung der Bürgerlichkeit in politische Entscheidungen. Ein Satz eines Redners auf dem Hambacher Fest hat heute wieder absolute Gültigkeit:

    Adelig ist nur, sagt deine Konstitution, bequem, reich, vornehm, üppig leben - von fremdem Schweiße.

Was damals der Adel, sind heute weitgehend das Kapital, die Wirtschaftsbosse und Politiker.

Ich denke, es gibt zu diesem Thema keine sachliche Diskussion, sondern nur Parolen und entsprechende Propaganda pro und contra. Das gilt aus meiner Sicht auch für die Pegida. So wie ich das sehe, wird die Presse nur das veröffentlichen, was gegen die Pegida spricht und evtl. vorhandene vernünftige Argumente unter den Teppich kehren.

Merkwürdig finde ich auch, dass die Parteien, deren Bestreben die Auflösung des Staates Deutschland ist, bei unliebsamen Themen an den Patriotismus der Deutschen appellieren, so wie es im vorliegenden Fall dieser Herr Tauber macht. Ihn dürfte es doch eigentlich nur erregen, wenn die Pegida EU-Flaggen verwenden würde, oder?

Ihr Beitrag, Herr Tauber, ist aus meiner Sicht reine und ziemlich verlogene Propaganda und Volksverhetzung.

Fußnoten


(1) Tagesspiegel Nehmt Pegida die Deutschlandfahnen weg!