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Erstelldatum: 06.09.2015

Kurios oder doch eher perfide?

In der Presse wurde vor einigen Tagen eine Studie des IfD Allensbach (1) gefeiert. Danach hat man 1020 Leute im Alter von 30 bis 59 Jahren nach ihren Sorgen und Wünschen befragt. Auftraggeber war der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GdV). Zumindest wurde es zumeist oberflächlich so kolportiert, aber der erste Satz dazu auf der Seite des GdV beinhaltetet einen kleinen Zusatz:

    Vor dem Hintergrund des Regierungsdialogs "Gut Leben in Deutschland" hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GdV) das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) beauftragt, die Anforderungen der "Generation Mitte" an eine gute Lebensqualität und ihre Wahrnehmung der eigenen Lebensbedingungen in Erfahrung zu bringen.

Dieser so genannte Regierungsdialog ist nach meinem Dafürhalten eine sehr früh gestartete Wahlpropaganda von CDU/CSU. Vielleicht ist auch die SPD involviert, wird aber sicherlich, anders als die Merkel, damit keine Stimmengewinne erzielen.

Welchen Wert diese Studie hat, kann man leicht herausfinden. Man muss lediglich die Erbschaftserwartungen in der Gesamtheit berechnen. Lt. FAZ (2) erwarten 41% davon eine Erbschaft und jeder 20. davon eine Erbschaft von 300.000 Euro und höher (oder sie haben bereits geerbt).

So lautet die Aussage auf der Seite des GdV:

Erbschaften

Die 30- bis 59-Jährigen sind in der Breite keine "Generation der Erben".

  • Nur eine Minderheit (41 Prozent) der Befragten rechnet damit, von den hohen Vermögenswerten zu profitieren, die in den nächsten Jahren und Jahrzehnten vererbt werden.
  • Lediglich jeder zwanzigste der zukünftigen Erben rechnet mit einem Nachlass von mehr als 300.000 Euro.

Die Gesamtzahl der "Mitte" (hier ist die Mitte der Altersgruppen gemeint) beträgt geschätzt 35.000.000. Also rechne ich einmal nach bzw. hoch, denn solche Studien sind ja lediglich Hochrechnungen.

Personenzahl - 35 Millionen, davon lt. Studie erwarten 41% eine Erbschaft oder haben bereits geerbt. Folglich multipliziere ich die 35.000.000 mit 41% und erhalte 14.350.000 Personen, die geerbt haben oder mit einer Erbschaft rechnen.

Von diesen 14.350.000 Personen rechnet jeder 20. mit einer Erbschaft von 300.000 Euro (oder höher).

Also teile ich 14.350.000 durch 20 und habe dann noch 717.500 Leute, die mit einer solch hohen Erbschaft rechnen können. Multipliziere ich dann diese Personenzahl mit 300.000 Euro, komme ich auf die stolze Summe von 215.250.000.000 Euro und frage mich natürlich, ob in diesen Erberwartungen die Mittel aus den unversteuerten Schwarzgeldkonten schon enthalten sind. Nein, ich glaube nicht, denn das lässt sich sicher viel diskreter abwickeln, ohne den Fiskus als Miterben.

Ich finde es schon merkwürdig, dass Allensbach bei 1.020 befragten Personen 21 Leute (2%) findet, die sicherlich aufgrund der Erbschaftserwartungen zu den obersten 5% auf der Skala der Vermögensverteilung zählen (ob Stefan Quandt und Susanne von Klatten auch befragt wurden? Schließlich haben die gerade geerbt).

Dabei glaube ich, dass es viel leichter hätte fallen müssen, bei 1.020 Leuten mehr als 4% zu finden (denn deren Anteil an der Bevölkerung ist ungleich höher), die trotz sozioökonomisch besten Voraussetzungen durch das Gitter gefallen sind und zu der Gruppe gehören, die gemeinhin als Prekariat bezeichnet wird, weil sie von der Hand in den Mund leben müssen.

Wenn das IfD Allensbach allerdings in der Hochrechnung behauptet, 64% der Befragten ginge es gut und 12 % sogar sehr gut, mag ich diese Umfrage nicht ganz ernst nehmen, obwohl ich das sollte, weil dieses Ergebnis bei den nächsten Wahlen von der CDU/CSU ganz sicher in der Wahlwerbung präsentiert werden wird.

Umfragen bei diesen Instituten (und aus meiner Sicht beim IfD Allensbach im Besonderen) ergeben in der Regel immer das Bild, das der Auftraggeber sich wünscht und das wird ja im ersten Satz mit den Worten Deutschland geht es gut schon deutlich. Darüber berichtet die Presse dann ja auch gerne.

Doch das ist nicht die einzige Kuriosität. Unerwartet (oder auch nicht) meldet sich Altkanzler Schröder wieder zu Wort. Er redet den Deutschen im Focus (3) ins Gewissen, dass sie Zuwanderung brauchen. Ins Gewissen?? Weiß er denn überhaupt, was das ist? Ich lasse das einfach mal so stehen. Merkwürdig auch im Focus der Schwenk auf die erwarteten Flüchtlingsströme. Sind Flüchtlingsströme und Zuwanderung nicht 2 Paar Schuhe? Ich glaube schon, aber die Nahles hat ja zuvor bereits in ähnlicher Weise Töne abgesondert, also lasse ich auch das mal im Raum stehen.

Besorgniserregend finde ich die Termini "Agenda 2020". Mit der "Agenda 2010" wurde vor nunmehr 10 Jahren ein Mechanismus in Gang gesetzt, der wie ein Rundumschlag den Arbeitsmarkt, die Gesundheitsvorsorge und das Rentensystem in eine ungeheure und bisher noch nicht beendete Abwärtsspirale geführt hat und offenbar sieht er nun in den Flüchtlingen das Potential, an diese Agenda 2010 anzuknüpfen und die Ausbeutung weiter zu intensivieren. Dabei kann er sicher sein, dass er unter den verzweifelten Flüchtlingen genügend Leute findet, die bereit sind, für wenig Geld Arbeit anzunehmen, damit es ihnen und ihren Familien wenigstens ein wenig besser geht. Wer ganz unten ist, greift nach jedem Strohhalm.

Schröder hat natürlich eine für die meisten Menschen einleuchtende Erklärung, nämlich die Sicherung der Renten. Die Renten seien sonst in der Zukunft nicht mehr finanzierbar, lautet seine Aussage und ist so verlogen, wie man es vom ihm gewohnt ist oder zumindest sein müsste.

Die Renten werden nicht vom Staat finanziert und wurden es noch nie. Beitragszahler haben die umlagenfinanzierte Rente zu allen Zeiten finanziert und der Staat hat regelmäßig kräftig in die Kasse gegriffen. Sofern man von Kasse sprechen kann, denn eine Rentenkasse der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) gibt es in einem Umlagesystem nicht wirklich. Es gibt nur eine Mindestreserve, um jahreszeitliche Schwankungen bei den Zahlbeträgen auszugleichen. Nein, der Eingriff des Staates erfolgte in der Vergangenheit und erfolgt weiterhin durch die ausschließliche Belastung der Beitragszahler der GRV mit Belastungen gesamtgesellschaftlicher Anliegen. So wurden z. B. alle Renten, die sich aus dem verlorenen Krieg ergaben, ausschließlich aus den GRV-Rentenbeiträgen finanziert, so, als hätten nur die Beitragszahler der GRV den Krieg verloren. Das ist nur ein Punkt von vielen, der für alle nicht in der GRV Versicherten eine steuerliche Entlastung bedeutete, für die GRV-Versicherten aber eine zusätzliche Belastung, die sich auch auf ihre Rente negativ auswirkt. Adenauer wusste schon, warum er bei der Umstellung des Rentensystems auf die Umlagenfinanzierung dieses System nicht verpflichtend für alle Deutschen machte, sondern auf die abhängig Beschäftigten beschränkte.

Aber Schröders Aussage ist ja noch perfider, denn er weiß ganz genau, dass nicht die Zahl der möglichen Arbeitnehmer Einfluss auf die Sozialsysteme hat, sondern ausschließlich die Zahl derer, die auch in einer versicherungspflichtigen Stellung tätig sein können. Schon heute stehen für die offiziell um die 3 Millionen Arbeitslosen ebenso offiziell lediglich ca. 400.000 offene Stellen zur Verfügung, wobei die Zahl der offenen Stellen nicht mal geschönt werden muss, weil man einfach bereits vergebene Arbeitsplätze weiterhin als freie Stellen in der Datenbank stehen lässt.

Das bedeutet, dass evtl. im Beamtenapparat ein paar neue Stellen besetzt werden, aber kaum in den versicherungspflichtigen Berufen. Dort nehmen schon seit geraumer Zeit immer modernere und leistungsfähigere Maschinen die Plätze ein, Arbeiten, die früher von Menschen erledigt wurden und dieser Trend hat nicht aufgehört, im Gegenteil. Als ein Beispiel der neueren Technik mag der so genannte 3D-Drucker dienen, der schon in nächster Zeit eine Menge Arbeitsplätze vernichten wird.


Fußnoten

GdV Studie des IfD Allensbach
FAZ Die Generation der Zufriedenen
Focus Forderung nach "Agenda 2020" für Zuwanderungspolitik