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Erstelldatum: 29.03.2015

Der Absturz der A320

Derzeit hat der Absturz der A320 der Tochter der Lufthansa - Germanwings - die Medienlandschaft erobert. Erstaunlich schnell war der Schuldige ausgemacht, offenbar ausschließlich auf Informationen basierend, die lt. Presse auf der Auswertung eines Voice-Recorders basieren. Erst Tage später räumt ein französischer Ermittler ein, auch ein technischer Defekt sei nicht auszuschließen.

Der Boulevard-Journalismus hat längst auch die Online-Medien so genannter "seriöser" Medien im Griff. Der Verursacher der Katastrophe stand für die Presse schnell fest und läutete eine Rufmord-Kampagne ein, obwohl die Untersuchungen über die mögliche Ursachen nach wie vor noch nicht einmal ansatzweise abgeschlossen sind.

Die Spekulation der Presse beruht meiner Kenntnis nach auf der von der New York Times veröffentlichten Information, dass der Pilot die Kabine verlassen hatte und der Co-Pilot alleine in der Pilotenkabine war, von ihm allerdings nur Atemgeräusche vernehmbar waren.

Ist es nicht erstaunlich, dass lediglich der Kopp-Verlag, der doch nach allgemeiner Lesart unseriös und für die Verbreitung von Verschwörungstheorien bekannt ist, die richtigen Fragen stellt?

Die Möglichkeit, dass der Co-Pilot bewusstlos geworden ist und durch das Vornübersinken auf das Steuer den Sinkflug eingeleitet hat, wird nicht einmal in Erwägung gezogen. Dabei gehe ich davon aus, dass ein Selbstmordkandidat, der die Absicht hat, 150 Menschen in seinen Suizid einzubeziehen, seinen Frust lauthals in Form von Anklagen (gegen wen auch immer) herausschreien würde und sei es auch nur, um sein unweigerlich auftretendes Schuldbewusstsein durch eine Art Rechtfertigung zu übertönen.

Dazu sollte man sich über das TCP/aerotoxisches Syndrom informieren und einen Bericht der DW vom 3.2.2014 im Zusammenhang mit dem A320 lesen. In Deutschland sorgte 2012 der Fall eines fast abgestürzten Airbusses der Lufthansa-Tochtergesellschaft Germanwings schon einmal für Schlagzeilen. Aber der Hinweis auf einen möglichen technischen Fehler käme der Lufthansa derzeit ausgesprochen ungelegen. Da ist ein Sündenbock doch wesentlich billiger. Das ist natürlich von mir eine rein spekulative Äußerung.

Wenn die FAZ mit dem Beitrag Jeder ist ein Medienkritiker jetzt zur zuvor erfolgten Thematisierung der Presse vorsichtig Stellung bezieht, betrachte ich das eher als vorsichtigen Rückzieher der zuvor veröffentlichten Sensationsmeldungen.

Und wenn sich unsere Politiker dann aufmachen und an den Unglücksort reisen, sehe ich das ausschließlich als Image-Kampagne an, weil das bei manchen Wählern gut ankommt. Faktisch eine sinnlose Geste, denn sie können nichts zur Aufklärung beitragen und behindern die Helfer mehr, als sie nutzen. Eine solche Geste wäre nach Abschluss der Aufräumungsarbeit, verbunden mit einer Feier und einem Bonus für die Helfer (und zwar aller), aus meiner Sicht weitaus hilfreicher.