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Erstelldatum: 04.02.2014

Alice Schwarzer

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber bei mir spielt der erste Eindruck eines Menschen auf mich eine große Rolle. Es ist eine Bauchentscheidung, ob ich jemanden sympathisch finde oder nicht und in vielen Fällen musste ich meine Einschätzung auch nicht revidieren, in einigen Fällen schon. Um einmal eine solche Fehleinschätzung darzustellen, Gerd Schröder fand ich sympathisch und habe ihn deshalb auch 1998 gewählt. Eine grobe Fehleinschätzung, die ich schnell revidiert habe.

Joschka Fischer war mir von Beginn an unsympathisch und das hat sich inzwischen noch vertieft. Natürlich sind solche Einschätzungen Vorurteile, die aus dem Bauch heraus geboren werden und gegen die man sich deshalb nur schlecht wehren kann.

Wenn dann jemand, den man nicht mag, obwohl man ihn nicht persönlich kennt, tief in einem Fettnäpfchen versinkt, kommt in der Regel das auf, was man Schadenfreude nennt. Als Beispiel möchte ich hier den Freiherrn mit den vielen Vornamen zu Guttenberg anführen, der mit seine plagiierten Doktorarbeit so tief ins Fettnäpfchen der Nation getreten ist, dass ihn das zu Fall brachte. Ich kann nicht behaupten, dass ich keine Häme darüber empfunden hätte.

Nun ist erneut eine Dame in ein solches Fettnäpfchen getreten, die mir aus tiefstem Herzen zuwider war, ohne dass ich je mit ihr geredet oder sie je persönlich auch nur gesehen hätte. Sie ahnen es sicher schon, ich meine Alice Schwarzer, die von der Presse gerne als Ikone des Feminismus und als moralische Instanz dargestellt wird. Wenn ich sie bei Fernsehauftritten gesehen habe, war das für mich ein Grund, abzuschalten oder das Programm zu wechseln.

Ich gebe zu, dass ich dem Feminismus gegenüber alles andere als aufgeschlossen bin, denn er bringt lediglich Zwietracht und Unheil, so wie die gezielte Verteufelung das immer macht. Doch das habe ich schon einmal in einem Beitrag über Feminismus zu verdeutlichen gesucht.

Nun hat es Alice Schwarzer getroffen, die Frau, deren Zeigefinger stets so penetrant auf andere gezeigt hat. Nun gibt es ja den Spruch, dass, wenn man mit einem Finger auf andere zeigt, man mit 4 Fingern auf sich selber deutet und genau das ist der Schwarzer nun passiert und ich lasse meiner Schadenfreude freien Lauf, ganz ohne schlechtes Gewissen.

Die Dame hat Steuern hinterzogen, sich selbst angezeigt, um der Strafe zu entgehen, die eigentlich auf Steuerhinterziehung steht und hat die Steuern für die letzten 10 Jahre nachgezahlt, plus Verzugszinsen. Und damit, so äußert sie sich, hat die Sache vom Tisch zu sein, denn sie habe es ja wieder gutgemacht. Und sie regt sich natürlich auf, dass offenbar jemand die Presse über ihren Fehltritt informiert hat und der Spiegel alle "ethischen" Bedenken sausen ließ und auch darüber berichtete.

Frau Schwarzer, die Presse hat so viele Ihrer Ergüsse abgedruckt, vor allem dann, wenn sie mal wieder jemanden auf dem Kicker hatten, da ist es doch für den Leser richtig erbaulich, wenn der Nagel bricht, der die Ikone an der Wand gehalten hat und sie auch mal die Welt aus einer anderen Sicht betrachten darf.

Allerdings fühlt sich die Süddeutsche berufen, für die in letzter Zeit erwischten Steuerhinterzieher einzutreten. Vielleicht ist der Artikel auch als Satire gedacht, doch dann ist es eine schwache Satire. Aber schwach ist er in jedem Fall.

Doch zurück zu der guten Alice. Sie hat ihre Verfehlung ja wieder gutgemacht, behauptet sie. Mehr noch, sie hat auch geschrieben, dass sich ihr Unrechtsbewusstsein zu dem Thema erst in den letzten Jahren geschärft habe. Lassen Sie mich raten, Frau Schwarzer, beginnend mit dem Zeitpunkt, als die ersten Steuer-CDs die Runde machten?

Mir fallen da so einige Beispiele ein. Wenn jemand einem Freund hilft, beim Hausbau, bei der Renovierung oder sonstigen Arbeiten im Haus und bekommt dafür einen kleinen Obolus, gilt das als Schwarzarbeit und beide werden verurteilt, wenn man sie erwischt, weil sie den Staat um Steuern und Sozialabgaben betrogen haben. Da nutzt eine Selbstanzeige absolut nichts. Und dass sie erwischt werden, dafür sorgen mitunter liebenswerte Nachbarn.

Wenn jemand in ein öffentliches Verkehrsmittel einsteigt, ohne einen gültigen Fahrschein zu besitzen und wird von Kontrolleuren erwischt, zahlt er ein Vielfaches des Fahrpreises und sein Verhalten wird registriert. Macht er oder sie das häufiger und wird folglich mehrmals erwischt, kommt es zur Strafanzeige und zur Verurteilung, auch wenn der Erwischte beteuert, sein Unrechtsbewusstsein sei nun geschärft.

Klaut jemand in einem Kaufhaus eine Kleinigkeit und wird erwischt, gibt es eine Anzeige. Und wie bei allen Delikten gilt, dass so genannte Wiederholungstaten sich auf das Strafmaß erschwerend auswirken, auch wenn dabei bereits verjährte Tatbestände vorliegen.

Eine Ausnahme gibt es, die Steuerhinterziehung. Da helfen sogar die Richter dem Ertappten mitunter, wie das im Fall der Steuerhinterziehung von Zumwinkel geschehen ist (Nachdenkseiten).

Schwarzer hat für 10 Jahre Steuerhinterziehung die Steuern nachgezahlt. Die mehr als 20 Jahre davor waren verjährt und deshalb nicht mehr strafbewehrt. Doch genau das macht sie zur bleibenden Straftäterin, denn sie hat mehr als 20 Jahre erfolgreich Steuern hinterzogen, eine kriminelle Handlung, die kriminell bleibt, auch wenn man sie dafür nicht mehr zur Verantwortung ziehen kann. Doch so weit reicht ihr Unrechtsbewusstsein nun doch nicht. Da wird sie der Gesellschaft statt dem stets präsenten Zeigefinger wohl doch eher den Mittelfinger zeigen, nicht wahr, Frau Schwarzer?

Und unsere Presse? Gerne nimmt sie für sich in Anspruch, die 4. Gewalt zu sein. Das war sie früher vielleicht mal wirklich, aber das ist lange her. Heute scheint sie ihre Aufgabe eher darin zu sehen, die Volksverdummung anzutreiben und die wirklichen Kriminellen reinzuwaschen.