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Erstelldatum: 10.09.2013

Presselandschaft

Seit Snowden konnte man ein paar Tage lang glauben, unsere Prese unterläge einem Wandel. Keine Sorge, das war nur ein Aufflackern längst vergangener Qualitäten und gibt sich wieder. Manchmal kann mich die deutsche Presse aber doch noch in Erstaunen versetzen. Dazu müsste ich natürlich zuerst erläutern, wie ich die deutsche Presse sehe. Das kann ich mit wenigen Worten sagen: "Durchweg negativ und keinesfalls frei".

Dennoch gelangen immer wieder mal Artikel in die Online-Medien, die echte Kritik darstellen. Nehmen wir als Beispiel mal die FAZ. In der Rubrik "Politik" finden wir Artikel, die zumeist klar das beinhalten, was ich unter "Mainstream" verstehe. Doch was verstehe ich unter "Mainstream"? Nun, Artikel, die der politisch gewollten Linie folgen und die politisch gewollte Linie ist im Prinzip das Megaphon der amerikanischen Regierungspolitik. Mainstream folgt also dem Grundsatz: Amerika ist gut, Amerika ist der Verteidiger der Freiheit der westlichen Welt. Putin ist böse, ein Diktator, ein Unterdrücker der Freiheit in Russland. Und auch ansonsten sagt uns Amerika, wer zu den Guten zählt und wer nicht. Bush hat das noch konkretisiert und auf der Landkarte die "Achse des Bösen" vermerkt. Und weil die "Achse des Bösen" nur die Länder umfasst, die den USA gegenüber eine kritische Haltung einnehmen, sind natürlich etliche Länder äußerst bestrebt, nicht auf diese Achse aufgezogen zu werden. Länder, die mit den USA befreundet sind, wie z. B. Saudi-Arabien, Katar, Chile (zu Zeiten Pinochets) usw. müssen nicht demokratisch sein, der Hang zum After des jeweiligen US-Präsidenten reicht.

Das Hauptmerkmal, das Bush für die von ihm benannten Schurkenstaaten benannte, was die Unterstützung von Terroristen. Wieso er dabei die USA in seiner Aufstellung vergessen hat (schließlich hat sie erst die größte Terrorgruppe al Qaida gegründet und beschäftigt einige Terrorgruppen im

Staatsdienst), mag vielleicht daran liegen, dass er bei der Verkündung nicht ganz nüchtern war.

Nun ja, mir ist klar, dass ich in den gleichen Fahler verfalle, wenn ich das hier simplifiziere, aber rechnen Sie das meiner Bescheidenheit zu, ich möchte meinen Intellekt schließlich nicht über den eines George W. Bush heben.

Aber ich bin wieder ein wenig abgeschweift. Unsere Medien sind eigentlich keine, denn sie vertreten, das ist meine Meinung, nahezu ausschließlich die Interessen ihrer Eigner und sind damit auf die Interessen weniger Personen, wie Springer, Mohn (Bertelsmann), Burda, Holzbrink, die SPD (DDVG), Dumont, Funcke, Gruner und Jahr (mehr fallen mir im Moment nicht ein) beschränkt. Es sind längst international agierende Milliardäre und bekennende Globalisten, wobei Globalist völlig zu Unrecht ein positiv besetzter Begriff ist, weil diese Form von Globalismus zu einer NWO führen soll, deren Ziel eine allumfassende Weltdiktatur sein wird und denkt man an die Stonehenge von Georgia, auch mit einer sehr reduzierten Menschheit. Ja, ich weiß, das ist Verschwörungstheorie aber anders kann man mit der Verschwörungspraxis nicht verfahren, denn Disphemismen wie "Verschwörungstheorie, Gutmenschtum" und weitere dienen ja dazu, die Wirklichkeit zu verzerren, von ihr abzulenken und Erkenntnisse lächerlich zu machen. So manche Verschwörungstheorie wurde inzwischen als Realität bewiesen, aber das kann natürlich die Leute, die gleich "Verschwörungstheorie" schreien, wenn etwas nicht in Weltbild passt, nicht dazu bringen, ihr Weltbild neu zu überdenken.

Trotzdem taucht am Pressehimmel gelegentlich ein Lichtstrahl auf. So z. B. in der FAZ im Feuilleton ein Artikel über die Geheimdienste. Nun war ich natürlich einmal mehr überrascht, dass auch dieser Artikel der FAZ wieder im Feuilleton erschien, weil der doch aus meiner Sicht eher in die Rubrik Politik gehört hätte. Im Feuilleton hätte ich eher die Rezension eines Buches erwartet oder einen Bericht über einen Film, ein Theaterstück und dergleichen, aber nicht einen flammenden Bericht über Obszönitäten der Geheimdienste.

Nun wollte ich es wissen und habe bei Wikipedia nachgeschaut, was man dort für eine Meinung zu einem Feuilleton hat und lese dort:

    Das Feuilleton als journalistische Darstellungsform schildert "in betont persönlicher Weise die Kleinigkeiten und Nebensächlichkeiten des Lebens und versucht, ihnen eine menschlich bewegende, erbauende Seite abzugewinnen".

Jetzt verstehe ich - oder doch nicht? Aber warum soll ich mir darüber den Kopf zerbrechen? Hauptsache ist doch, dass der Artikel überhaupt geschrieben wurde und vielleicht fällt er im Feuilleton dem für Politik verantwortlichen Chefredakteur weniger auf? Aber vielleicht sind es ja "nur" Kleinigkeiten, was mir wegen der nicht eintretenden Erbauung einfach nicht einleuchten will.

In der Rubrik Politik in der FAZ lese ich dann wieder einen Artikel, wie ich ihn in meiner begrenzten Wahrnehmung als Standard des Mainstreams sehe. Der Herausgeber der FAZ, Günter Nonnenmacher, berichtet über die neueste Entwicklung des von Obama geplanten Militärschlags gegen Syrien.

Kehrtwende oder Bluff? betitelt er seinen Bericht über veränderte Vorbedingungen. Nun sollte man nicht glauben, Nonnenmacher würde die "Kehrtwende und den Bluff" bei Obama sehen. Keineswegs, er sieht das bei Assad und Putin. Kein Wort darüber, dass sich Obama und Kerry in eine Sackgasse manövriert hatten, weil sie von der Reaktion der Amerikaner und der sich damit abzeichnenden Niederlage im Kongress überrascht wurden. Wie konnten Obama und der Scharfmacher Kerry aber auch ahnen, dass das dumme amerikanische Volk plötzlich nicht mehr auf die üblichen Phrasen anspringt und selbst der übliche Präsidentenbonus beim Volk nicht mehr zieht. Noch schlimmer, da denken doch einfach zu viele Kongressleute bereits an die nächsten Wahlen und verzichten deshalb lieber darauf, den Präsidenten und seinen Pudel zu unterstützen, weil das ihre eigene Wahl sabotieren könnte.

Ich war schon ein wenig sauer und habe deshalb einen Kommentar geschrieben, aber nicht wirklich geglaubt, dass der auch erscheinen wird. Denn die Erfahrung habe ich den letzten Tagen erneut gemacht, dass die Zensur bei Leserkommentaren sehr schnell zuschlägt. Spiegel und Süddeutsche haben Kommentar von mir nicht gebracht und natürlich hat auch die FAZ darauf verzichtet, meinen Kommentar zu veröffentlichen Ich hoff aber, dass er wenigstens Nonnenmacher auf den Schreibtisch gelegt wird. In der Netiquette bei keiner Zeitung steht aber, dass neben den üblichen Einschränkungen auch eine eigene Meinung verboten ist, sofern sie vom Meinungsbild des Redakteurs abweicht. Aber ich bin ja in der glücklichen Lage, meine Meinung dennoch in die Welt hinaus posaunen zu können! Hmm, Sie meinen, posaunen sei doch ein wenig dick aufgetragen? Es klänge eher wie eine Art Tinnitus? Egal, hier trotzdem der Text meines abgewiesenen Kommentars Wobei ich Nonnenmacher eigentlich auch eine goldene Brücke gebaut habe, denn betitelt habe ich den Beitrag "An die Redaktion". So dass auch ich "Zensur" in diesem Fall nur in Anführungsstrichen verwenden darf.

    Nun, Herr Nonnenmacher, Sie verstehen Ihr Geschäft. Mal abgesehen vom sonstigen Inhalt des Artikels verwenden Sie den Terminus "Massenmörder" zielgerichtet auf Assad, was unterschwellig implementiert, dass der Giftgasanschlag Assad zuzuschreiben ist, obwohl bekannt ist, dass die "Rebellen" ebenfalls über Giftgas verfügen und dank roter Linie, von Obama gesetzt, die Einzigen sind, die von diesem Anschlag profitieren können, in Form von US-Waffenlieferungen und westlichen Militärschlägen.

    Ich hingegen würde, wäre ich Journalist, eher der Frage nachgehen, wie es kommt, dass die USA mit Drohnen Al Qaida-Mitglieder überall jagt, die Al Qaida aber in Syrien massiv unterstützt und sogar ausbildet. Ich würde mich in diesem Zusammenhang auch fragen, ob die Drohnenopfer vielleicht nicht zur Al Qaida gehören, sondern zu Leuten, die Licht ins Verhältnis der USA zur Al Qaida bringen könnten, die schließlich von der CIA gegründet und ausgebildet wurde, als die UDSSR mit Afghanistan im Krieg war.

Ließe die FAZ bei Leserkommentaren mehr als 1.000 Zeichen zu, wäre in den Kommentar sicher noch mehr zum Verschweigen (für die FAZ) gekommen. Ich hätte sicherlich auch geschrieben, dass ich eher glaube, dass Putin da Obama eine goldene Brücke gebaut und ihm diesen Vorschlag gemacht hat, damit Obama wenigstens einigermaßen sein Gesicht wahren kann. Allerdings glaube ich auch, dass der Porzellanladen, den Obama und seine Kettenhunde zerdeppert haben, sich nicht mehr richten lässt.

Nun machen wir oft den Fehler, Amerika zu sagen, wenn wir die US-Regierung oder die US-Geheimdienste sowie das US-Militär meinen. Aber Amerika oder besser, die USA sind Menschen wie wir. Sie haben sich von Phrasen einlullen lassen und diese Regierung gewählt, doch selbst, wenn sie anders gewählt hätten, hätten die gleichen Typen die Macht, so wie in Deutschland auch, wie in Frankreich, Italien, Europa oder sonst wo auf der Welt. Das liegt wohl daran, dass wir unsere Verantwortung auf die delegieren wollen, die wir deshalb wählen und die sind damit total überfordert und Wachs in den Händen derer, die sein vielen Generationen die wirkliche Macht besitzen und sie auch nutzen. Nur kommen wir in deren Blickfeld nicht als gleichberechtigte Wesen vor, sondern bestenfalls als Nutzvieh.

Und wenn ich mir Wahlen betrachte, fällt mir eine Aussage in einem SF-Roman von Heinlein ein, der einem jungen Mann erklärt, wie man mit der Hand Forellen fängt:

"Gewinne ihr Vertrauen und dann enttäusche es".

Ob er wirklich die Forellen meinte? Oder nicht doch eher die Empfehlung eines altgedienten Politikers an den Neuling, wie man Wähler gewinnt?