Navigation aus    Navigation an
Erstelldatum: 27.07.2013

Was steckt hinter der Datensammelwut?

Wir haben Sommer. Halb Deutschland (die Hälfte, die sich das noch leisten kann) ist in Urlaub und das ist für die Presse eine Zeit, in der man, um die Zeitung voll zu kriegen, mal wieder von Nessie berichtet, die ein Urlauber gesichtet haben will, oder von einem neuen oder alten Virus, dem inzwischen Weltweit schon 3 0 Menschen zum Opfer gefallen sind, dass der älteste Mensch nun in den USA lebt und was sonst noch an Wissenswertem berichtet werden muss, ein Wissen, dass kein Mensch braucht, außer vielleicht der Eine, der es bei Jauch auf den Heißen Stuhl gebracht und ausgerechnet danach gefragt wird.

Doch in diesem Jahr ist das anders. Da ist ein Amerikaner nach Honkong gereist und hat mal eben so erklärt, dass die NSA (National Security Agency) spioniert. Dann ist er weiter gereist, nach Russland und hat weiter erklärt, dass auch die Briten spionieren. Nun, soweit ist das noch keine Überraschung, denn wer weiß nicht, dass Geheimdienste scharf auf die Geheimnisse anderer sind, die eigenen Geheimnisse aber gewahrt wollen wissen. Und da kommt dieser Typ mit Namen Snowden daher und plaudert aus dem Nähkästchen, dieser Verräter, dieser Elendige. Und die Presse hat ein Thema, mit dem sie das Sommerloch gut gefüllt bekommt.

Nun hat Snowden eigentlich nicht einmal wirkliche Geheimnisse verraten, sondern, viel schlimmer, er hat gezeigt, dass Verschwörungstheorien durchaus einen realen Hintergrund haben, denn dass die Briten und die Amerikaner nicht nur böse Buben ausspionieren, sondern alle Bürger und zwar nicht nur die in Amerika, wie das "National" bei NSA eigentlich vermuten lässt, sondern auch die von den angeblich befreundeten Staaten.

Anfangs ist die Presse noch ein wenig uneins, ob sie Snowden wie die Amerikaner als Verräter sehen soll, oder als Helden und entsprechend sind auch in den einschlägigen Blättern die Reaktionen, die mal so und mal so ausfallen. Aber mitunter hat Volkes Stimme doch Gewicht, denn der ziemlich einhellige Aufschrei aus der Bevölkerung übertönt die Stimmen derer, die Amerika im so genannten Kampf gegen den Terror jedes Mittel zubilligen und bringen sogar die Presse dazu, ihre Berichterstattung auf Empörung auszurichten. Nicht nur das, sie gibt auch den Ratgeber, wie man sich schützen kann, wie z. B. der Focus, der uns sagt, welche Programmen uns schützen können.

Mich amüsiert das schon ein wenig, denn ich bin mir sicher, dass all diese "Torwächterprogramme" längst geknackt sind, denn die Geheimdienste der USA und der Briten haben wohl die Creme de la Creme der Hacker in ihren Diensten, die, erst einmal erkannt, nur die Wahl zwischen Bau und hacken für den Geheimdienst hatten.

Da wäre noch die Frage, was ICH von Snowden halte. Eigentlich hat Snowden noch nichts Neues verraten, denn dass die Staaten auf die Daten Ihrer Bürger scharf sind, war kein Geheimnis. Neu allerdings war es, dass seine Aussagen ein Ausmaß offenbarten, das man sich kaum bis gar nicht vorstellen konnte und bisher immer als reine Verschwörungstheorie hingestellt wurde und das Ausmaß hat sicherlich sogar manchen Verschwörungstheoretiker überrascht. Wäre das Nobelkomitee wirklich unabhängig, müsste es Obama den Friedensnobelkreis aberkennen und Snowden dafür nominieren. Denn aus meiner Sicht hat Snowden viel mehr getan, als die Informationen über die Spionageaktivitäten preiszugeben, er hat etwas gemacht, was kaum jemandem zuvor gelungen ist: "Er hat die Massen angeregt, auch mal die eigenen Gehirnzellen zu nutzen!" Dafür müsste er eigentlich schon zu Lebzeiten heiliggesprochen werden (na ja, das ist vielleicht etwas viel verlangt, denn Prism und Tempora wird die katholische Kirche allenfalls neidisch machen, aber sicherlich nicht empören und denkende Menschen waren der Kirche seit jeher ein Greuel). Nun wurde auch bekannt, dass ein Teil des Prism-Programms (XKeyscore) offenbar in nahezu vollem Umfang auch von deutschen Geheimdiensten wie BND und BfV genutzt wurde und wird.

In Leserkommentaren dürfen neben den empörten Aussagen natürlich die nicht fehlen, die schreiben, dass schließlich die Menschen über Facebook ihre Daten ohnehin freigeben. Das erinnert mich an ein Bildchen, dass ich Oh Rita getauft habe. So in etwas beurteile ich die Daten auf Facebook.

Es gibt andere freiwillige Aussagen von uns, die Kundenkarte im Supermarkt, die Kreditarten, die EX-Karte und vieles mehr. Wenn Sie z. B. an einem Preisausschreiben teilnehmen, ob sie das ausnahmsweise machen, ob Sie das regelmäßig machen, ob und wie hoch Sie Lotto spielen, vor welchem Schaufenster sie stehen bleiben, um die Auslagen zu betrachten und tausend andere Alltagsbeschäftigungen, die aus ihrer Sicht belanglos sind, nicht aber aus Sicht der Geheimdienste. Die können Ihnen besser als sie selbst sagen, was sie anschließend machen werden, die wissen, wann und wo Sie mit wem Sex hatten, das alles kann man mit Computern problemlos aus scheinbar unzusammenhängenden Daten lesen und seien Sie sicher, ein Computer setzt das Puzzle "Persönlichkeit" viel schneller zusammen, als ein Mensch.

Natürlich sitzen die Leute bei der NSA oder dem MI5, nicht mal beim BND dann am PC und schauen sich an, was Sie gerade so treiben. Aber wenn nötig, reicht ein Griff in die Schublade und man hat Sie am Wickel. Vielleicht erinnern Sie sich an den Film "Staatsfeind Nr. 1" mit Will Smith. Egal, wie unschuldig Sie auch immer sein mögen, mit einfachen Eingaben macht man aus Ihnen einen Kriminellen, einen Terroristen oder was für ein Opfer man gerade benötigt. Dieser Film war eine Anklage gegen den Staat, reduziert auf eine Abteilung und natürlich mit Happy End, eben amerikanisch, denn ein Happy End gäbe es im richtigen Leben nicht.

Auch fehlen nicht die Aussagen von Leuten, die glauben, die Datenmengen seien viel zu gigantisch. Nun, wer in seinem Leben nie etwas Größeres als einen PC gesehen hat, hat natürlich auch Schwierigkeiten, sich die Dimensionen vorzustellen, die heutige Super-Computer spielend erreichen. Und die Computer-Entwicklung wird weitergehen, denn Wissenschaftler interessiert nicht, was sie (die Wissenschaftler und die von ihnen entwickelten Produkte) anrichten, sondern nur, was möglich ist.

Die Rechnerkapazitäten sind gewaltig (Wikipedia - Supercomputer) und die Leute irren, die Programme der NSA werden durch immer mehr Daten immer leistungsfähiger statt überfordert und sie speichern auch Daten, die nicht auf Facebook veröffentlicht werden. Sie interessieren sich auch nicht für die einzelne Person, erfinden aber Schubladen, in die sie den Einzelnen stecken und bei Bedarf rausholen. Was dort passiert, ist ein elektronisches Profiling, mit denen die Verhaltensmuster des Einzelnen sowohl im Einzelfall als auch im Gruppenverhalten analysiert und Kategorien zugeordnet wird um damit die Manipulation der Masse zu erleichtern.

Da sind noch die, die bemängeln, dass sich Snowden nach China und anschließend nach Russland abgesetzt hat, statt sich ein demokratisches Domizil zu suchen. Das sind aus meiner Sicht bezahlte und oder die dümmsten Schreiberlinge. Welchen Stellenwert Demokratie in Europa und Seitens der USA hat, wurde sehr deutlich gemacht, als Europäische Staaten einer südamerikanischen Präsidentenmaschine entgegen einem von allen unterschriebenen Völkerrecht die Überflugrechte verweigert haben und das obwohl dieses Land mit keinem anderen Land im Kriegszustand lebt. Was Demokratie ist, bestimmen die USA und alle kuschen, zumindest die angeblich demokratischen Länder. Und was die USA und besonders Obama mit Leuten macht, die solche Schweinereien nicht mehr mittragen wollen, kann man derzeit an dem Vorgänger von Snowden, dem Gefreiten Mannings sehen. Militärgerichte haben noch nie Urteile gefällt, die einem Rechtsstaat Genüge getan hätten und vom US-Militär ist das erst recht nicht zu erwarten. Ich hoffe, Putin gibt Snowden Asyl, denn Snowden ist ein politisch Verfolgter und Russland vermutlich das einzige Land, dass ihm wirklich Sicherheit bieten kann. Und was immer die Presse auch über Putin und Russland schreibt, ich glaube, die Russen stehen mehrheitlich hinter Putin und fahren mit ihm wesentlich besser, als Amerika mit Obama.

Geheimdienste sind militärische Einrichtungen und das Militär muss durch ein beständiges Bedrohungsscenario seine Existenzberechtigung sichern. Das bisschen Industriespionage ist dabei eigentlich nur ein Nebenprodukt, aber sehr willkommen. Speziell das amerikanische Militär, das auf seinem Territorium noch nie von einer fremden Macht angegriffen wurde (auch nicht am 11.9., denn das waren saudi-arabische Einzeltäter) , aber selbst seit über 200 Jahren nahezu ununterbrochen mit teilweise weit entfernten Ländern im Kriegszustand ist, ein Kriegszustand, der immer von den USA inszeniert wurde, ist wie kein anderes Militär bestrebt, eine Bedrohungsszenario aufzubauen und permanent zu halten, weil es ansonsten seine Existenzberechtigung auf eine reine Inlandsverteidigung reduzieren müsste.

Nicht zu vergessen, würde sich das alles auf einem Schachbrett abspielen, wäre Obama sicherlich nicht der König oder die Dame, denn diese Positionen nimmt in den USA eine kleine Oberschicht ein, eine kleine Oberschicht, die die USA zu einer Kapitalfeudalgesellschaft umfunktioniert , aber in ihrer Gier noch mehr will. In den ersten James Bond Filmen gab es immer eine Organisation, die nach der Weltherrschaft strebte, mit allen Mitteln. Nun, diese Organisation gibt es aus meiner Sicht wirklich, nur wird sie nicht von den Geheimdiensten bekämpft, sondern die Geheimdienste sind ein wichtiger Teil dieser Organisation. Und vielleicht sollte man sich erinnern, der BND und das BfV sowie das Oberkommando des Militärs wurden mit Billigung der amerikanischen Besatzungsmacht nahezu ausschließlich mit Leuten besetzt, die in der Nazizeit die gleichen Funktionen besetzten.