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Erstelldatum: 12.11.2012

Der größte Raubzug der Geschichte

Der Versuch (ich bin schließlich nicht Reich Ranitzki) einer Rezension

Ein historisches Buch? Ein Kriminalroman? Nein, aber von beidem ein wenig. Ich würde es als ein "Kriminal-Sachbuch" bezeichnen, denn es zeichnet auf, was im neuen Millennium die Medien nahezu täglich zu berichten wissen.

Dieses Buch der Autoren Matthias Weik und Marc Friedrich führt uns in die Welt der unersättlichen Gier, die in keiner Branche so ausgeprägt, aber auch so offensichtlich ist, wie in der Finanzbranche.

Die Autoren zeichnen auf, was sich in den letzten Jahren auf dem Finanzsektor abgespielt hat und weiterhin abspielt. Sie erklären für jedermann verständlich die Hintergründe, benennen Ross und Reiter und weisen nach, dass dieses Spiel nur durch Mithilfe der Regierungen zur praktischen Umsetzung gelangen konnte.

Dieses Buch macht für jeden deutlich, dass alle Regulierungsbemühungen wie Eigenkapitalerhöhungen der Banken seitens der westlichen Regierungen nicht wirklich darauf abzielen, eine Regulierung der Finanzmärkte zu bewirken, sondern lediglich ein wenig Druck aus der öffentlichen Diskussion über die Machenschaften der so genannten Finanzmärkte nehmen sollen. Deutlich wird auch, dass die Immobilienblase nicht wirklich geplatzt ist, sondern lediglich angepiekst wurde, damit ein wenig Luft entweichen kann, um nun neue Luft hineinpumpen zu können.

Dieses Buch ist nicht so trocken geschrieben, wie man das eigentlich von einem Sachbuch erwartet. Das liegt wohl daran, dass vor allem alle Begriffe, um die es sich in einem Buch über den Finanzsektor handelt, genauestens erklärt werden. Hat man das Buch gelesen, weiß man endlich, was sich hinter Begriffen wie ABS, CDO's, Credit Default-Swap, Subprime-Krise usw. verbirgt. Man muss allerdings auch mit Entsetzen erkennen, dass zwar die Begriffe wechseln, nicht aber das kriminelle Geschehen und man sich neue Mitspieler holt, die sich jeder Kontrolle seit Jahren entziehen. Und sie lernen Unternehmen kennen, von deren Existenz sie vielleicht bisher keine Ahnung hatten, die aber an der Spitze der Finanzcasinos stehen und sie erfahren auch, wer, wann, wie viel und womit richtig fette Beute gemacht hat.

Für mich ist dieses Buch aber noch mehr. Die saubere Gliederung der Themen macht es zu einem Nachschlagewerk und die fast 900 Hinweise auf Presseberichte, TV-Sendungen etc. ermöglichen es, als Quellenhinweis in Diskussionen oder Beiträgen nicht nur das Buch, sondern auch entsprechende Presseberichte anzuführen. Es verwundert mich daher auch nicht, dass dieses Buch bereits in einigen Bestsellerlisten geführt wird.

Für jeden, der über Finanzthemen mitreden will, ein MUSS, für alle anderen eine zusammenhängende Informationsquelle, sich eine Meinung zu bilden und die politischen Maßnahmen, z. B. Rettungsschirme, mit anderen, weil offenen Augen zu sehen.

Titel: Der größte Raubzug der Geschichte
Verlag: Tectum Verlag Marburg 2012
ISBN: 978-3-8288-2949-7
Preis: 19,99 ,    381 Seiten
Weitere Informationen unter   http://finanzbuch.tectum-verlag.de