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Erstelldatum: 03.06.2012

Bilderberg-Meeting 2012

Eigentlich sollte die Liste der Bilderbergteilnehmer von 2012 auf meiner Seite veröffentlicht werden, aber diese muss man sich schon auf der Original-Webseite der Bilderberg -Gruppe anschauen. Der Grund? Ein Blick in den Disclaimer reicht und ich möchte nicht erst bei den Bilderbergern anfragen, ob ich die Teilnehmerliste öffentlich machen darf. Muss ich ja auch nicht, denn zumindest so viel Transparenz bieten die Bilderberger inzwischen selbst, indem sie die Teilnehmerlisten (seit 2010) selbst veröffentlichen. Oder ist das gar kein Zeichen von Transparenz, sondern der Versuch, Kritikern, die den Fehler machen, das scheinbare Angebot der veröffentlichten Teilnehmer zu nutzen, auf juristischem Wege mundtot zu machen?

Aber braucht man die Listen eigentlich? Na ja, teilweise schon, z. B. um festzustellen, welche Leute neu in den Dunstkreis der Bilderberger aufgenommen wurden, wie z. B. der stellvertretende Parteivorsitzende der Grünen, Jürgen Trittin, oder wie im letzten Jahr Steinbrück, davor Westerwelle (2007, da haben die Macher wohl inzwischen eingesehen, dass das eine Fehlbesetzung war) und vor drei Jahren (2010) Olaf Scholz. Der bei der Deutschen Bank scheidende Vorstandsvorsitzende Ackermann muss ja nicht erwähnt werden, er ist Dauergast bei den Bilderbergern, wie auch der ZEIT-Redakteur Nass, was für mich die ZEIT zu einem Magazin der Bilderberger macht. Roland Koch durfte auch mal wieder hin. Das letzte Mal war er 2009 dort (komisch, 1 Jahr später hat er seinen Job als MP von Hessen aufgegeben und wurde ein wenig später in den Vorstand von Bilfinger-Berger berufen, aber das ist natürlich reiner Zufall?!).

Anfang des Jahres gab es Gerüchte, dass Bilderberg-Meeting solle in diesem Jahr früher als gewöhnlich in Israel, in Haifa stattfinden. Ob das eine Ente, eine gezielt gestreute Desinformation oder eine ursprüngliche Planung war, entzieht sich meiner Kenntnis. Tatsächlich wurde das diesjährige Treffen im üblichen Zeitrahmen in den USA, in Chantilly, Virginia abgehalten.

Damit können wir nun damit rechnen, dass in die Politik wieder ein wenig Kontinuität einkehrt, weil die Politiker ja nun wissen, wie sie in Sachen EURO, ESM, Fiskalpakt oder ACTA vorgehen sollen und welche Griffe anzuwenden sind, um die Bürger über den Tisch zu ziehen. Bei ACTA beispielsweise soll uns vorgegaukelt werden, dass das EU-Parlament Acta zu Fall bringt, dafür bekommen wir dann die Richtlinie 2004/48/EG mit dem schönen englischen Namen Intellectual Property Rights Enforcement Directive (IPRED) aufs Auge gedrückt, die vermutlich die gleichen Merkmale wie ACTA hat (z. B. die Verpflichtung der EU-Staaten zum TRIPS-Abkommen), aber wir sind glücklich und schauen bewundernd auf unsere EU-Abgeordneten, weil diese mit ihrem Veto ACTA zu Fall gebracht haben. So durchsichtig das Ganze auch ist, wird es Wirkung zeigen, weil die meisten Menschen vielleicht gerade mal den Begriff ACTA gehört haben und ernsthaft glauben, dabei ginge es um den Schutz der Urheberrechte, während es in Wirklichkeit um die Ausweitung der Macht der Verwertungsgesellschaften geht, an die die Urheber aus dem Musik-, Film- und Buch-Geschehen ihre Rechte längst abgetreten haben. Der Schutz vor Produktpiraterie und der Urheberrechtsschutz sind längst in unseren Gesetzen verankert, doch bisher war es Sache der Justiz, Verstöße festzustellen und zu ahnden. Mit ACTA und aus meiner Sicht auch mit IPRED soll hingegen eine Form der Beweislastumkehr geschaffen werden, bei der der Beschuldigte nachweisen muss, dass die Beschuldigung haltlos ist und der Kläger bis zum Beweis der Haltlosigkeit seiner Klage wesentlich erweiterte Rechte bekommt. Und die Kläger werden nicht die Urheber sein, sondern in Fällen von Produktpiraterie die Konzerne und beim Urheberrecht die Verwertungsgesellschaften, die mit ihrer Macht dann kleine Konkurrenten leicht in den Ruin treiben können, weil diese den Gang durch sämtlich Instanzen mit einer Prozessdauer von mehreren Jahren nicht durchstehen können. ACTA war ein Weg zur Ausweitung der Monopolisierung und IPRED wird vermutlich dasselbe in grün sein (dazu muss ich es aber erst einmal lesen).

Das größte Problem aus meiner Sicht ist, dass zu viele Menschen die Bilderberg-Treffen nicht als Problem empfinden und jeden, der auch nur wagt, dabei an konspirative Treffen zu denken, als Verschwörungstheoretiker abtun. Vielleicht irre ich ja auch und ca. 145 Personen reisen zum Teil Tausende Kilometer, um einmal im Jahr für 4 Tage unter sich zu sein, na eher 3 Tage, denn jeweils ein halber Tag gehen wohl für die An- und Abreise drauf. Und dann sitzen die Großen dieser Welt zusammen, plauschen ein wenig, um dann wieder in den tristen Alltag, nämlich nachhause zu reisen. Nur, wenn sich dort die Großen dieser Welt treffen, was hat dann ein Jürgen Trittin dort zu suchen

?

Aber die Einladung von Trittin ist ja ein Glücksfall. Trittin ist ein Grüner, gehört also zu der Partei, die für Offenheit steht, die versucht, die Welt zu retten und gegen jede Form von Umweltverschmutzung steht (ausgenommen Dienstwagen und Handys). Es ist die Partei, die endlich Schluss damit macht, dass Männer ihre Frauen und Kinder undgestraft auspeitschen können, die Partei, die endlich mit Gender das Diktat der Eltern beendet, für ihre Kinder einfach zu bestimmen, dass sie Junge oder Mädchen sind und da ist es ja selbstverständlich, dass er sich seinen Wählern verpflichtet fühlt (die seine Reise ja auch direkt oder indirekt bezahlen) und schon deshalb nicht mit dem üblichen Schweigegelübde der Bilderberger einverstanden ist. Er wird uns erzählen, worüber die Bilderberger sich bei ihren Treffen unterhalten, damit endlich die Verschwörungstheorien ein Ende haben.

Ähh, Entschuldigung, ich hatte gerade geträumt. Wieder in der Realität angelangt, mache ich mir Gedanken über die Agenda, also über welche Themen sich die angereisten Gäste der Bilderberger austauschen wollen und natürlich ist klar, dass in diesem Jahr der Euro auf der Agenda steht und damit natürlich auch der ESM und der Fiskalpakt, wie es mit Europa weiter geht und so nebenbei natürlich ein kleiner Plausch über Syrien und überhaupt der arabische Winter (ähh, Frühling meinte ich natürlich).

    - Die Konferenz befasst sich hauptsächlich mit politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Themen wie die transatlantischen Beziehungen, Evolution der politischen Landschaft in Europa und den USA, Sparsamkeit und Wachstum in entwickelten Volkswirtschaften, Cyber-Sicherheit, Energie-Herausforderungen, die Zukunft der Demokratie, Russland, China und Nahost. -

So zumindest habe ich einen kleinen Teil der Angaben der Presserklärung für mich aus dem Englischen übersetzt (um ehrlich zu sein, von Windows übersetzen lassen). Das sind schon ziemliche Brocken. Stellen Sie sich vor, Sie debattieren darüber am Stammtisch mit ihren 5 Stammtischbrüdern/Schwestern und hätten rund 36 Std. Zeit, zu einem Konsens zu kommen. Glauben Sie mir, sie würden vermutlich nicht einmal ein Thema schaffen, wenn Ihr Stammtisch auch nur zu einem kleinen Teil aus einem solchen Mix bestünde, wie das bei den Bilderbergen der Fall ist. Nun können Sie natürlich einwenden, ein Stammtisch sei auch nicht ein vergleichbares Gremium.

Nun, wer schon einmal in einem Unternehmen ähnliche Meetings mitgemacht hat, auch in einem Hotel mit Konferenzräumen und dem ganzen Equipment, das dazugehört (früher waren das Folien und Overheadprojektor, Metaplan, Beamer und Flipcharts), der weiß, wie Schwierig es selbst bei einem Teilnehmerkreis von höchstens 8 bis 10 Personen ist, auch nur 1 bis 2 komplexe Themen zu behandeln und zu einem Ergebnis zu kommen. Bei den Bilderbergern sind das aber rund 145 Leute, darunter einige, die zum ersten Mal da sind (wie z. B. Trittin) und mit denen soll man diese ganzen Themenkomplexe an einem verlängerten Wochenende behandeln können und zwar in einer Art, dass auch die, die gar nicht oder nur am Rande mit einzelnen Themen vertraut waren, am Ende wenigstens ein bisschen verstanden haben?

Rechnen wir doch einfach mal. Ca. 36 Std. Zeit bei 145 Personen, da verbleiben für jeden Einzelnen mal gerade 14 Minuten und 53 Sekunden, sich zu äußern.

Dieses Rechenexempel alleine reicht schon, um zu erkennen, dass es hier nicht um Diskussionen über die angezeigten Themen gehen kann, weil die Zeit dazu nicht reicht. Auf diesen Konferenzen wird lediglich vorgetragen, wie es weitergehen soll und wer welche Rolle dabei zu spielen hat. Die weitere Vorgehensweise wurde längst in anderen Zirkeln ausgearbeitet und nicht in wenigen Stunden, sondern als Reaktion auf Vorkommnisse im vergangenen Jahr und als Anpassung an seit langer Zeit bestehende Planungen. Es geht dabei ja um ganze Volksgruppen, deren Reaktionen nur teilweise vorhersehbar sind, weshalb es für jedes Thema auch einen Plan B und sogar einen Plan C geben muss, um unmittelbar reagieren zu können.

Denken Sie einfach mal an eine Herde Schafe, die von einem Schäfer zu einer anderen Weide getrieben werden sollen. Da gibt es immer welche, die versuchen, auszubüchsen und der Schäfer hätte keine Chance, das zu verhindern. Muss er auch nicht, denn dafür hat er seine Hunde. Allerdings nennt er seine Hunde nicht Bilderberger.