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Erstelldatum: 16.04.2012

Wie vertrauenswürdig sind eigentlich Statistiken?

Unser derzeitiges Gesellschaftssystem baut zu einem großen Teil auf Statistiken auf und kaum jemand fragt sich, wie vertrauenswürdig diese Statistiken eigentlich sind. Ein Beispiel. Statistisch gesehen ist der Ausbruch eines Supervulkans in den USA im Yellow Stonepark überfällig. Man weiß, dass sich unter diesem Park eine riesige Magmakammer befindet und jederzeit zu einem Ausbruch führen kann, so wie das auch in der Vergangenheit nach den Berechnungen auf Basis der Erdschichtung bereits mehrfach passiert ist. Die statistischen Berechnungen aufgrund der ungefähren Ausbrüche in der Vergangenheit legen die Vermutung nahe, dass ein erneuter Ausbruch eigentlich bereits überfällig ist, folglich also zumindest in nächster Zeit stattfinden wird. Nächste Zeit ist dabei ein dehnbarer Begriff, denn das kann ein Zeitraum von bis zu 10.000 Jahren und mehr heißen.

Doch real gesehen hat man eigentlich keine Ahnung, denn was sich dort in den tieferen Schichten unter unserer Erdkruste bezogen auf ein relativ kleines Gebiet abspielt, weiß man nicht wirklich. Und welche Veränderungen dort in den Zeiträumen von 100-tausenden oder gar Millionen Jahren stattgefunden haben, weiß man auch nicht. Sicher, es kann sein, dass der Park schon morgen in die Luft geht. Aber es kann auch sein, dass das erst in 500.000 Jahren oder noch später der Fall ist. Die statistische Aussage ist folglich reine Spekulation.

Doch wenden wir uns statistischen Daten zu, die unser Leben unmittelbar beeinflussen. Denken Sie einmal schlicht über sich selbst nach. Was machen Sie eigentlich mit Ihrem Vermögen von über 47.000 ? Was, Sie haben kein solches Vermögen? Aha, dann gehören Sie zu den Leuten, die rund 35.000 Schulden haben. Was, das stimmt auch nicht? Aber das statistische Bundesamt behauptet das, also muss es stimmen. Das Amt zeigt es uns sogar in einer Tabelle:

Geld- und Immobilienvermögen sowie Schulden privater Haushalte am 1.1.2003 und 1.1.2008
Vermögen und SchuldenDeutschlandFrüheres BundesgebietNeue Länder und Berlin-Ost
200320082003200820032008
. = Zahlenwert unbekannt oder geheim zu halten.
Begriffserläuterungen zur Tabelle, insbesondere "Geldvermögensarten" und "Haus- und Grundbesitz sowie Hypothekenschulden".
Erfasste Haushalte (Anzahl)
58 30956 27446 70643 10011 60313 174

Hochgerechnete Haushalte (1 000)

37 93139 07730 86131 7707 0707 306

Durchschnittswert je Haushalt in EUR

Bruttogeldvermögen
40 30047 70043 50052 00023 20028 700
Konsumentenkreditrestschulden
1 4001 7001 4001 7001 3001 600
Ausbildungskreditrestschulden
.300.300.300
Nettogeldvermögen
38 90045 70042 10050 00021 90026 700
Verkehrswerte
109 70096 400122 600109 10047 50041 000
Hypothekenrestschulden
25 60024 50027 80027 10014 70013 200
Bruttogesamtvermögen
150 000144 100166 100161 20070 70069 700
Gesamtschulden
27 00026 50029 20029 10016 00015 200
Nettogesamtvermögen
123 000117 600136 900132 00054 70054 600

Wenn Sie wissen wollen, wie sich das ihr Vermögen zusammensetzt, auch da hilft das statistische Bundesamt und zwar bit der EVS (Einkommensverbrauchsstichprobe) und dort in einer weiteren Tabelle:

Zusammensetzung des Bruttogeldvermögens privater Haushalte am 1.1.2003 und 1.1.2008

Bruttogeldvermögen

DeutschlandFrüheres BundesgebietNeue Länder und Berlin-Ost
200320082003200820032008
Begriffserläuterungen zur Tabelle, insbesondere "Geldvermögensarten" und "Versicherungsguthaben"
.
Erfasste Haushalte (Anzahl)
58 30956 27446 70643 10011 60313 174
Hochgerechnete Haushalte (1 000)
37 93139 07730 86131 7707 0707 306
Durchschnittswert je Haushalt in EUR
Bruttogeldvermögen
40 30047 70043 50052 00023 20028 700
Lebensversicherungen u. Ä.
11 70012 40012 90013 6005 9007 200
an Privatpersonen verliehenes Geld
700800 800800300500
Bausparguthaben
2 4002 9002 6003 1001 9002 200
Sparguthaben
7 3006 7007 9007 2004 7005 000
sonstige Anlagen bei Banken/Sparkassen
7 80010 8008 10011 4006 1007 800
Wertpapiere
10 30014 10011 20015 9004 3006 000

Ich habe in meiner Wohnung jedes Blatt Papier gewendet, aber kein Bausparvertrag, kein Sparbuch und auch keine Lebensversicherung (naja, die ist schon ausbezahlt, natürlich an meine Ex) war zu finden. Aber es muss doch was da sein, denn schließlich sind es Mathematiker, die dort am Werke sind. Tja, und dann habe ich festgestellt, dass die Mathematiker heute auch nicht mehr sind, was sie mal waren, denn eine einfache Addition kriegen sie offenbar nicht immer hin, denn das Bruttogeldvermögen 2003 ist 100 höher angegeben (40.300), als die Summe der darunter erfolgten Aufteilung in die einzelnen Positionen.

Sagen sie jetzt nicht, sie glauben diesen Statistiken nicht, denn sie glauben doch auch, dass wir alle immer älter werden, wie das Statistische Bundesamt nachweist. Folglich müssen Sie ein solches Vermögen besitzen oder in dieser Höhe verschuldet sein, denn das ist entsprechend dem durchschnittlichen Vermögen bzw. der durchschnittlichen Verschuldung statistisch erwiesen und entweder vertraue ich statistischen Daten grundsätzlich oder ich zweifle grundsätzlich an ihrer wirklichkeitsnahen Aussagekraft.

Nun können Sie ja einwenden, dass es schließlich Leute gibt, die ein Milliardenvermögen besitzen und damit die Statistik verfälscht wird. Das ist richtig, aber die gleichen Leute haben auch in der Regel eine höhere Lebenserwartung, weil sie sich alle Möglichkeiten leisten können, ihre Lebenserwartung zu verlängern. Eine zwar teurere, aber dafür auch wesentlich bessere Gesundheitsvorsorge, eine zwar teurere, aber dafür bessere Ernährungsgrundlage, ein oft wesentlich bequemeres Leben ohne Stressfaktoren wie die Angst vor Jobverlust oder auch die Sorgen, was man am Monatsende noch zu essen auf den Tisch bringt.

Die Webseite des Stat. Bundesamtes ist ja voll von Tabellen. Ich hätte da noch eine, die sicherlich Ihr Herz höher schlagen lässt. Wenn Sie erfahren, was sie verdienen. Allerdings habe ich leise Zweifel, dass Sie das auch abzüglich der Abgaben bekommen. Wenn ich dieser Tabelle Glauben schenke, dann lebt die viel zitierte Friseuse doch recht gut bei einem Einkommen weit über 30.000 im Jahr. Gleiches gilt für Pflegeberufe wie Krankenschwestern oder Altenpfleger. Oder ist es nicht doch eher so, dass hier Bruttoeinkommen im Durchschnitt angegeben werden, die in Wirklichkeit derart stark divergieren, weil einige wenige darunter in den Spitzenpositionen sind, die den Löwenanteil kassieren, während die darunter mit der eigentlichen Arbeit Tätigen mit Hungerlöhnen abgespeist werden?

Bruttoverdienste von Vollzeitbeschäftigten im Jahr 2011
Wirtschaftszweig1Nominallohnindex einschl. SonderzahlungenBruttojahresverdienst einschl. Sonderzahlungen
Veränderung gegenüber dem Jahr 2010 in %in Euro
Wirtschaftszweige mit Reallohnverlusten
Erziehung und Unterricht
0,648 416
Verkehr und Lagerei
1,836 399
Öffentliche Verwaltung, Verteidigung; Sozialversicherung
2,039 989
Wirtschaftszweige mit Reallohnzuwächsen
Grundstücks- und Wohnungswesen
2,447 131
Gesundheits- und Sozialwesen
2,541 619
Energieversorgung
2,660 853
Gastgewerbe
2,724 544
Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen
2,840 960
Information und Kommunikation
2,859 916
Erbringung von sonstigen Dienstleistungen
2,838 979
Wasserversorgung; Abwasser- und Abfallentsorgung und Beseitigung von Umweltverschmutzungen
3,038 226
Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen
3,262 823
Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen
3,557 443
Baugewerbe
3,835 368
Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen
4,127 296
Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden
4,249 642
Verarbeitendes Gewerbe
5,146 659
nachrichtlich:
Produzierendes Gewerbe und Dienstleistungsbereich
3,443 929
     darunter:
Produzierendes Gewerbe
4,845 347
Dienstleistungsbereich
2,543 027
1 Für Kunst, Unterhaltung und Erholung konnten keine Werte nachgewiesen werden keine statistisch gesicherten Werte.

Ich mache mal meine eigene Statistik auf und weil Demographie so IN ist, mal dort mit einem kleinen Beispiel. Ein kleiner Club, bestehend aus 10 Personen. 9 davon werden 70 Jahre alt, weil sie immer schwer gearbeitet haben, der Zehnte hatte Geld und konnte davon gut leben und wurde vielleicht deshalb 100 Jahre alt. Das bedeutet, statistisch sind alle im Alter von 73 Jahren gestorben.

Hätten wir ein Rentensystem, welches für die gesamte Bevölkerung angewendet würde, dann könnte man das so betrachten. Aber nur rund 27 Millionen von 81,8 Millionen Einwohnern sind in dieses Rentensystem eingebunden und das sind mehrheitlich nicht die Begüterten, sondern Arbeiter und Angestellte, von denen viele ein Einkommen haben, das kaum zum Leben reicht. Schaut man dann aber in Sendungen wie bei Jauch, Will oder Maischberger, dann sitzen dort oft alte Böcke wie Hans Jochen Vogel, Jg. 1926, Heiner Geisler, Jg. 1930 oder, besonders geschätzt, Helmut Schmidt, Jg. 1918 und ähnliche Typen aus der Wissenschaft oder den Unternehmensverbänden und palavern über Generationengerechtigkeit, über zu hohe Renten und führen die von Stat. Bundesamt vorgesetzten Zahlen über die Demographie an. Kein Wunder, denn das ist ein Kapitel in der Bibel der Neoliberalen. Offenbar leiden all diese alten Böcke an einer Art Demenz, denn bei Ihren Gesprächen klammern sie stets aus, dass sie ein Leben lang vom Steuerzahler alimentiert wurden und dass sie, ohne je in die Rentenversicherung einbezahlt zu haben, Renten kassieren, die ein Vielfaches dessen betragen, was der Rentner der gesetzlichen Rentenversicherung bekommt. Mit ihrem Alter erhöhen sie zusätzlich noch den Altersdurchschnitt, über den das Statistische Bundesamt so gerne berichtet.

Was das Statistische Bundesamt veröffentlicht, sind politische Scheinwelten, weil einfach keine Differenzierung stattfindet. Wenn z. B. bei den Vermögen die Vermögen der Reichen mit einfließen, dann wird damit ein Vermögensdurchschnitt ausgewiesen, der für mehr als 70% der Bevölkerung illusionär ist. Wenn man bei Löhnen die Einkommen von Führungskräften, von Politikern und hohen Beamten, von Wissenschaftlern und den freien Berufen einbezieht, dann ist das kein Durchschnittseinkommen der Masse, sondern ein völlig verzerrtes Bild der Wirklichkeit. Wenn das Statistische Bundesamt Zahlen über den Alterungsprozess der Gesellschaft für die nächsten 50 Jahre aufgrund mathematischer Hochrechnungen veröffentlicht, dann ist das lediglich Kaffeesatzleserei. Da vertraue ich lieber der Wahrsagerin in der Kirmesbude, als den Aussagen des Statistischen Bundesamtes. Dieses Amt liefert Zahlen auf Bestellung, so wie sie die Politik und die Wirtschaft gerade benötigen, um der Masse wieder Sand in die Augen streuen zu können.

Diese Tabellen sollen aufzeigen, dass die Aussagen statistischer Werte aus grundsätzlich gesamtgesellschaftlicher Perspektive keinen wirklichen Aussagewert haben. Es sind Zerrbilder der Wirklichkeit, aber politisch ausgesprochen nützlich. Wäre es anders, gäbe es dieses Amt nicht.