Navigation aus    Navigation an
Erstelldatum: 05.01.2012

Die Demographie-Lüge

Seit etlichen Jahren verweise ich darauf, dass mit dem Thema Demographie und der Alterung der Bevölkerung ein geradezu hemmungsloser Schwindel betrieben wird. Jetzt endlich kommt in der Sueddeutschen ein Mann zu Wort, der auch in einem Presseorgan mal diesen Schwindel aufdeckt.

Nun ist uns Deutschen ja wichtig, dass jemand, der etwas zu sagen hat, auch einen Titel hat und, oh Wunder, den hat er. Er heißt Gerd Bosbach, ist Professor mit Dr.-Titel an der Fachhochschule Koblenz und ist Referent für "Mathematik, Statistik, Empirische Wirtschafts- und Sozialforschung" mit dem Forschungs-Schwerpunkt "Bevölkerungsstatistik und Demografie, Statistik-Missbrauch, volkswirtschaftliche Betrachtungen zur Gesundheitsfinanzierung".

Nun, ich denke mal, dass die Fachhochschule Koblenz nicht zu den Elite-Unis gehört, denn würde sie dazu gehören, gäbe es diese Fachausrichtung nicht in dieser Form, weil auf Elite-Schulen bzw. -Universitäten die Schüler bzw. Studenten stromlinienförmig ausgerichtet werden, um sich der gängigen Meinung nicht nur entsprechend anzupassen, sondern oft auch voran zu preschen. Was dabei dann herauskommt, sind moderne Weissager wie Rürup, Raffelhüschen, Miegel, Franz, Hüther, Straubhaar, die Wirtschaftsweisen und so viele weitere wie auch die Professoren Friedrich Thießen und Christian Fischer der TU Chemnitz, die uns 2008 vorgerechnet haben, dass man mit etwas über 100 Euro im Monat für Lebensmittel gut über die Runden kommt, ja sogar noch üppig davon leben kann. Bei diesen Gedanken komme ich ein wenig ins Grübeln über den Begriff "Weissager". Ist das nun von "weise" abgeleitet oder von der Vorstellung einer lichten Zukunft? Letzteres kann eigentlich nicht sein, denn dann müssten sie Schwarzmaler genannt werden. Bei den Wirtschaftsweisen ist der Begriff "weise" offiziell so zu interpretieren, dass es ein Zeichen von Weisheit ist, im Strom ganz vorne mit zu schwimmen. Das kann natürlich niemandem gelingen, der auch mal gegen den Strom schwimmt.

Doch genug dieser Allerweltsphilosophie. Kommen wir zu Artikel in der Sueddeutschen. Bosbach legt in diesem Artikel Wert darauf, die Unsinnigkeit dieser ganzen Prognosen herauszustellen und geht weniger darauf ein, was eigentlich die wirkliche Ursache dafür ist, dass der statistische Schnitt der Älteren so rasant angewachsen ist.

Dazu möchte ich erneut meiner Meinung Ausdruck verleihen, dass mit den Statistiken Mathematiker den Zahlen das Lügen beigebracht haben. Zahlen lügen nicht, so hieß es früher. Sie tun es auch heute nicht, aber Statistiker haben herausgefunden, wie man mit Zahlen lügen kann. Wohlverstanden "kann", nicht "muss". Voraussetzung ist allerdings, dass alle Parameter in einer Statistik gesetzt wurden, die in einem logischen Zusammenhang, um damit wichtige Durchschnittswerte zu bekommen. Solche Statistiken sind in Unternehmen sehr wichtig, z. B. für die Kostenkalkulation.

Ein primitives Beispiel einer falschen Statistik: Zwei Behälter mit Wasser. In dem einen Behälter hat das Wasser eine Temperatur von 90, im zweiten Behälter eine Temperatur von minus 70. Die Durchschnittstemperatur beträgt also 20 und somit Badetemperatur. Aber der logische Zusammenhang fehlt nicht nur, sondern operiert dabei noch mit unmöglichen Werten. Wasser kann nicht auf eine Temperatur von minus 70 gebracht werden, weil es dann eine andere Konsistenz annimmt. Es gefriert, ist also im eigentlichen Sinne kein Wasser mehr, sondern Wasser im Aggregatzustand. Selbst wenn man beide, also das siedende Wasser und den Eisblock zusammen tut, wird der statistische Zustand nicht erreicht, denn es dauert eine Zeit, bis der Eisblock geschmolzen ist und das Siedewasser kühlt dabei wesentlich stärker ab. Der statistische Mittelwert ist also Unsinn, weil er nie ohne weitere Manipulation erreicht werden kann.

Ähnlich verhält es sich bei der Demographie. Warum eigentlich steigt der Altersdurchschnitt? Und ab wann wird Alter eigentlich definiert? Es gibt aus arbeitstechnischer Sicht 3 demographische Lebensalter. Da ist zuerst die Kindheit und Jugend (ca. 20 Jahre), dann folgt eine Zeit der Produktivität von ca. 45 Jahren und am Schluss die Zeit der "Alten" und damit Rentner. Doch diese Zeiten verlaufen nicht gleichmäßig, wie ich später noch beweisen werde. Bleiben wir zunächst bei diesem Grobraster. Die erste Zeit des Menschen, egal ob Männlein oder Weiblein, ist die Zeit der Kindheit und der Jugend. In diesem Lebensalter nimmt man am Wirtschaftsprozess nur als Konsument teil, wobei der Konsum nicht auf der eigenen Wirtschaftsleistung beruht (oder in einigen Fällen nur minimal), sondern wird von den Eltern finanziert. Doch auch das nur zum Teil, denn letztendlich ist auch Bildung eine Art Konsumgut, das zum größten Teil von der gesamten Gesellschaft finanziert wird. Hinzu kommt, dass Eltern mit Kindern staatlich subventioniert werden, entweder in Form von Kindergeld, zusätzlich mit leichten Steuervergünstigungen, oder bei Bessergestellten komplett durch Steuervergünstigungen, weil die höher sind, als die fix festgesetzten Beträge an Kindergeld. Doch es gibt noch zahlreiche weitere staatliche Zahlungen, die ausschließlich als gesellschaftliche Lasten für Kinder anfallen. Einige dieser Lasten hat der Staat allerdings, um es neudeutsch zu sagen, "outgesourct", indem er sie ausschließlich einer Gruppe in der Gesellschaft aufgebürdet hat, der Gruppe der Beitragszahler der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV). Das sind die Renten-Anwartschaften pro Kind für Mütter, die so genannten Kindererziehungszeiten. Hinzu kommen für die Jugendlichen dann die Anrechnung von Ausbildungszeiten, die allerdings nur zum Tragen kommen, wenn der Begünstigte auch die erforderliche Zeit von 60 Monaten Beitragsleistung in die GRV geleistet hat. Das ist bei vielen Beamten der Fall, die vor der Übernahme in ein Beamtenverhältnis eine Lehre absolviert und noch ein paar Jahre praktisch in ihrem Beruf gearbeitet haben. Das trifft auch auf Politiker zu, die z. B. eine Lehre bei einer Bank absolviert und einige Jahre in einer Bank gearbeitet haben, bevor sie die politische Laufbahn einschlugen (praktisches Beispiel ist der so genannte "Sozialexperte" der CDU Jens Spahn).

Nun ist Demographie aus rein wissenschaftlicher Sicht eigentlich nur die Frage, wie viele Menschen geboren werden und wie alt sie im Schnitt werden. Das aber gilt nicht für die gesellschaftliche Debatte, denn dort wird die Demographie als reine Kosten-Nutzen-Analyse missbraucht. Das ist auch der Grund, warum dieses erste Alter der Menschen in der demographischen Debatte sich ausschließlich auf die Geburtenzahl beschränkt, den Kostenfaktor dabei aber völlig ausblendet. Dabei wäre das immens wichtig, denn es sind gerade die späteren "Eliten", die der gesamten Gesellschaft weit überdurchschnittliche Kosten verursachen, weil sie durch Studium, evtl. Stipendien usw. erst wesentlich später in den Produktionsprozess eintreten und damit der Gesellschaft auch nach Erreichung des Durchschnittsalters vor dem Produktionseintritt noch, oft auf lange Zeit, erhebliche Kosten verursachen.

Das zweite Lebensalter ist die produktive Zeit, also die Zeit, in welcher der Mensch einen Beruf ausübt oder auch ohne Beruf in Arbeitsprozesse eingebunden ist. Politiker z. B. ist kein Beruf, denn es gibt dafür keine Lehre. Früher nannte man Menschen, die ein Betätigungsfeld hatten, für das sie nicht ausgebildet waren, einfach Hilfsarbeiter. Was sind Politiker eigentlich anderes? Doch zurück zum zweiten Lebensalter. Hier findet eine Trennung statt. Da sind einerseits Berufsfelder in Unternehmen, die eine sozialversicherungspflichte Tätigkeit sind, womit sie in der GRV, in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung zwangsverpflichtet werden. Andere Berufsfelder sind teils selbständige Tätigkeiten wie Anwalt, Mediziner, Architekt, Steuerberater, Apotheker, Politiker, Beamter usw., die dieser Versicherungspflicht gar nicht oder nur teilweise, und dann oft unvollständig unterliegen. Anders gesagt, nur ein Teil dieser Lebensaltergruppe, nämlich die abhängig Beschäftigten und auch davon wiederum ein Teil gar nicht (Beamte), wird von der Versicherungspflicht erfasst.

Der dritte Lebensabschnitt ist dann das Alter, wobei der Begriff Alter natürlich relativ ist, denn manche Menschen werden schon alt geboren, andere bleiben bis ins hohe Alter jung (geistig gesehen). In der Demographie ist es die Zeit des Ausscheidens aus dem Produktionsprozess, in der gesellschaftlichen Demographie-Debatte die Zeit des Rentenalters. Und hier scheiden sich die Geister, denn in der aktuellen Debatte spielen nur die Rentner der GRV eine Rolle. Obwohl sie, bedingt durch die Versicherungspflicht, das zweite Lebensalter lang Beiträge in die GRV eingezahlt haben, vorausgesetzt, sie hatten überhaupt eine Arbeit, erfahren sie nun eine völlig andere Betrachtung und Behandlung, als all die übrigen. Plötzlich sind sei eine gesellschaftliche Bedrohung und zwar deshalb, weil sie so unverschämt sind, nun eine entsprechend ihrer geleisteten Beitragszahlungen adäquate Rente zu verlangen. Und begründet wird das natürlich einmal mehr mit der Demographie.

Damit kommen wir zur Statistik. Dafür ist das statistische Bundesamt zuständig und weil man ja nicht sagen kann, Hänschen Müller stirbt mit 77 Jahren, weil es ja sein könnte, dass er schon früher, oder aber auch später stirbt, werden statistische Modellrechnungen verwendet. Und da beginnt die nachweisliche Trickserei.

Das stat. Bundesamt veröffentlicht einmal die aktuellen Sterbetafeln für Deutschland (das ist eine EXCEL-Datei) und eine weitere als Generationensterbetafeln mit Tabellen seit 1896 mit dem Zusatz: "Modellrechnungen". Das ist der erste Schwindel, denn auch die aktuelle Sterbetafel ist eine Modellrechnung, denn man kann das Lebensende der Menschen, auch die Durchschnittswerte, erst dann konkret bestimmen, wenn ein Jahrgang komplett ausgestorben ist. In der Debatte heißt es immer, dass die Menschen ja immer älter werden, was der gestiegene Altersdurchschnitt beweist.

Ich zeige nun mal auf, dass diese Aussage zwar richtig, aber ganz woanders seine Ursache hat. Ich verwende dazu die statistischen Daten der Generationensterbetafeln des Stat. Bundesamtes der Sterbetafeln ab 1896 und dort den Trend V1/Männer (ausgenommen das Endalter). Danach betrug die durchschnittliche Lebenserwartung eines Neugeborenen 1900 nur 46,36 Jahre. Dem 20-Jährigen wurde aber noch eine Lebenserwartung von 47,41 Jahren zugestanden. Bedeutet das, dass der Altersdurchschnitt von 1880 um 45,4% höher war, als 1900? Mitnichten, denn von 100.000 lebend Gegorenen erreichten 1900 nur 77.875 überhaupt ihren ersten Geburtstag und das 20. Lebensjahr nur noch 67.388 und das Renteneintrittsalter von 65 Jahren nur 43.107. Der 20-Jährige hatte nur die damals äußerst gefährliche Zeit des ersten Lebensjahres und die nicht viel weniger gefährlichen übrigen 19 Jahre lebend überstanden, also vor allem die Gefahr der Säuglingssterblichkeit, aber auch die Zeit der oft tödlich verlaufenden Kinderkrankheiten. Nun aber schloss sich die Frage an, welchen Beruf er gewählt hatte. Es gab damals etliche Berufe, die es zweifelhaft erscheinen ließ, ob er den in seinem Alter ermittelten Altersdurchschnitt auch erreichen würde, denn den erreichten damals nur knapp 49%.

1950 hatte sich das schon zum Besseren gekehrt, denn die Säuglings- und Kindersterblichkeit war stark zurückgegangen (93.823 erreichten den ersten Geburtstag und 91.742 sogar das 20. Lebensjahr). 86.023 erreichten sogar das Alter von 50 Jahren und 75.651 sogar das Renteneintrittsalter von 65 Jahren. Tja, bis zum Jahr 2010 hat sich das noch weiter entwickelt, denn die 1950 noch bestehenden gesundheitlichen Risiken unb die Unfallgefahren am Arbeitsplatz wurden geringer, dafür nahm die Unfallgefahr auf der Straße zunächst drastisch zu, weil der Boom im Verkehrswesen seinen Zoll forderte, reduzierte sich dann aber dank der stetig verbesserten Sicherheitstechnik der Kraftfahrzeuge wieder.2009 erreichen nach der Hochrechnung von 100.000 lebend Geborenen (Männern) immerhin 90.604 das bis zum letzten Jahr gültige Renteneintrittsalter von 65 Jahren.

Kein Wunder, dass der Altersdurchschnitt so angewachsen ist, wenn man den Vergleich mit den unter Zwanzigjährigen anstellt, stehen dem doch entschieden mehr Menschen aller darauf folgenden Jahrgänge entgegen und das Stat. Bundesamt prognostiziert ihnen ja eine Lebenserwartung von immerhin 83,07 Jahren. Doch halt!! Hier stimmt was nicht, denn gleichzeitig veröffentlicht das Amt ja die aktuelle Sterbetafel für Deutschland, gültig für 2008 bis 2010, denn nur alle zwei Jahre werden diese Daten erhoben. Dort steht bei Neugeborenen (Männer) eine durchschnittliche Lebenserwartung von 77,51 Jahren, was einen Unterschied in der Rentenbezugsdauer (denn darum geht es doch) gegenüber den Trendrechnungen von Minus 5,56 Jahren aus. Beide Statistiken sind vom gleichen Amt erstellt, dabei sollen die Generationensterbetafeln die Entwicklung darstellen, die in zwei Modelrechnungen (Trend V1 und Trend V2) dargestellt werden, die Excel-Datei aber die aktuellen Werte, Werte, die es nicht wirklich gibt, denn auch diese Werte sind nichts als Hochrechnungen. Aber müssten sie nicht in die Langzeitdarstellung mit einfließen? Wie also kann es sein, dass die beiden Trenddarstellungen in den Langzeittabellen derart höhere Werte zeigen, wobei Trend V2 eine nochmals um 3,31 Jahre über dem Trend V1 angegeben wird.

Dabei erinnere ich mich. Noch vor wenigen Jahren begann die Langzeittabelle 1871 mit Fotokopien der damals ersten Sterbetafeln und enthielt keine Trendrechnungen, wie heute, sondern (vermutlich) nur die Einbettung der alle 2 Jahre erstellten aktuellen Sterbetafeln. Auch damals (die Tabellen gingen nur bis 2003) wurden völlig andere Werte in der Langzeittabelle als in der heutigen angegeben. Ich konnte das überprüfen, denn zum Glück habe ich damals eine Kopie gezogen. Ich werte das als offen erkennbare Manipulation des Stat. Bundesamtes, um das Horrorszenario der immer weiter wachsenden Lebenserwartung aufrecht erhalten zu können. Natürlich kann sich das Amt herausreden und darauf verweisen, dass es sich ja nur um Modellrechnungen handelt. Warum dann aber nur die ungünstigsten Modelle in den Langzeittabellen aufgeführt werden, darauf werden sie uns wohl eine Antwort schuldig bleiben. Und wer vergleicht schon die aktuellen mit den Langzeittabellen und stößt deshalb auf diese Ungereimtheiten?

Ein weiterer Punkt ist die Datenbasis. Wie eingangs erwähnt, wird die Demographie als Keule immer nur über den Häuptern der GRV-Versicherten geschwungen. Aber bisher wurde noch keine Sterbetafel erstellt, die eben nur diesen Personenkreis umfasst. Für die Horrordarstellung einer nahezu unendlichen gesetzlichen Rente verwendet man die Sterbetafeln der gesamten Gesellschaft, also auch derjenigen, die sich diesem Solidarsystem verweigert haben. Es war schon immer so, dass Begüterte auf eine längere Lebensspanne hoffen konnten, weil sie sich eine bessere Versorgung incl. der Gesundheitsversorgung leisten konnten und in den meisten Fällen auch ein erheblich geruhsameres Leben führten. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Und die meisten Menschen, die nicht zu dieser privilegierten Klasse gehören, findet man als Mitglieder der GRV. Also ist eine Statistik, die das ausklammert, nicht einen Schuss Pulver wert. Was auch nicht bei den oft angeführten Vergleichen berücksichtigt wird, in der Vergangenheit schieden ein relativ hoher Prozentsatz durch frühzeitigen Tod auch frühzeitig aus dem Arbeitsleben aus. Heute erreicht ein hoher Prozentsatz das Renteneinstiegsalter, das bedeutet aber auch, dass er theoretisch dem Arbeitsmarkt über die volle Länge des zweiten Lebensabschnittes zur Verfügung steht.

Weil es nicht oft genug wiederholt werden kann, möchte ich auch noch einmal zwei unsinnige, aber gerne aufgetischte Aussagen hinweisen.

  1. Kinder zahlen die Renten der Eltern (Generationenvertrag).
  2. Familien mit Kindern zahlen zusätzlich für die Renten von Kinderlosen.

Punkt 1 ist unsinnig, auch wenn es durch das Umlagenprinzip so aussieht. Auch private Rentenversicherungen sind eine Art Umlagesystem. Die Beiträge des Anlegers bei den Privaten werden auch verwendet, um die laufenden Kosten zu begleichen, also Verwaltungskosten und Dividenden. Überschüsse der Beitragszahlungen werden dann investiert und leider oft genug in Investitionen, die besser unterbleiben sollten, damit es ein wenig friedlicher in der Welt zugeht, nämlich in die Rüstungsindustrie. Der Beitragszahler hat darauf nur bedingt Einfluss, z. B. wenn er einen Abschluss mit einer niedrigen Rendite und dafür mehr Sicherheit tätigt. Zumindest glaubt er das, aber ob die Versicherung sich daran hält, ist eine völlig offene Frage, weil diese das Geld wiederum in Rentenfonds investiert, deren Anlagen noch wesentlich intransparenter sind. Einen Punkt übersieht man dabei gerne, denn dazu müsste man in andere Länder schauen, z. B. die USA. Dort sind fast alle Renten in privaten Rentenfonds investiert. Die horrenden Summen, die damit Tag für Tag, Monat für Monat und Jahr für Jahr renditeträchtig angelegt werden müssen, verleiten mache Rentenfonds zu immer riskanteren Investitionen. Kein Wunder, denn das Anlagekapital steigt jedes Jahr exponentiell und nicht nur das der Rentenfonds. Deshalb sind in den letzten 50 Jahren bereits etliche US-Rentenfonds in die Pleite geschlittert und die angehenden Rentner standen mit leeren Händen da. Wir in Deutschland hatten dieses Problem nicht, weil die Zahl der privaten Rentenversicherungen relativ gering war. Doch das ändert sich gerade, weil der Staat darauf hinarbeitet, das Umlagensystem zugunsten privater Versicherungen und Rentenfonds immer stärker in die Kapitalgedeckte Rentenversicherung zu treiben, was den Aktionären dieser Versicherungen und Fonds vorerst hohe Aktien-Renditen beschert. Aber damit drängen immer mehr Milliarden in den Geldmarkt, die Rendite erwirtschaften müssen, um Rentner UND Aktionäre zu befrieden. Schon heute rudern die Versicherungen mit ihren Riester-Angeboten und deren Rendite-Versprechen zurück, denn der Geldmarkt ist eigentlich schon lange übersättigt. Dabei sind die bisherigen Riester-Abschlüsse im Verhältnis gesehen noch relativ gering.

Das Umlagenprinzip hingegen ist nicht auf die Erwirtschaftung von Renditen ausgerichtet. Es funktioniert nach der Formel, dass die Beiträge sofort wieder in Form von Renten ausgegeben werden. Der Beitragszahler leiht also dem Staat sein Geld (er hat auch keine andere Wahl, weil es eine Pflichtversicherung ist), bekommt für die Höhe der im Jahr abgelieferten Beiträge eine Punkte-Gutschrift (Entgeltpunkte), auf deren Basis er später durch Addition aller mit Beitragszahlungen erreichten Entgeltpunkte seine Rente bekommt, indem die erreichten Entgeltpunkte mit dem jeweils aktuellen Rentenwert multipliziert werden. Seine Beitragszahlungen verwendet der Staat, um damit die fälligen Renten zu zahlen. Dieses Geld geht sofort zurück in die Wirtschaft, wovon der Handel, die Wohnungsvermieter, aber auch der Staat profitiert, denn damit werden Gewinne erzielt, im Nahrungsmittel-, Bekleidungs- und Schuhgewerbe (und weiteren Gewerbezweigen), sichert in diesen Gewerben Arbeitsplätze, Vermieter bekommen aus diesem Geld ihre Mieten gezahlt und der Staat kassiert nicht nur die so gezahlte Mehrwertsteuer und die indirekten Steuern, sondern auch die damit generierte Gewerbesteuer. Es ist eine Win-Win-Situation für alle, auch für die Beitragszahler, die zu einem nicht unerheblichen Teil auch direkt davon profitieren.

Der Beitragszahler macht nichts anderes als der Käufer von Staatsanleihen. Er leiht sein Geld dem Staat, ohne auf diese besondere Staatsanleihe vor Ablauf der gestellten Frist (Renteneintritt) zurückgreifen zu können. Er kann sie nicht verkaufen, wie das bei einer normalen Staatsanleihe möglich wäre. Der Staat zahlt auch keinen Zuschuss zur Rentenversicherung, sondern gleicht damit lediglich unvollständig Lasten aus, die der Rentenversicherung aufgebürdet wurden, obwohl es sich um versicherungsfremde Leistungen handelt, die von der gesamten Gesellschaft zu tragen wären. Es ist zwar faktisch so, dass das Geld der Beitragszahler für die Zahlung der Renten aufgewendet wird. Doch das hat nichts damit zu tun, dass die Jugend die Renten der Rentner zahlt, denn er zahlt seine Beiträge ausschließlich, um damit einen eigenen Rentenanspruch zu sichern. Er hat auch keinen Einfluss darauf, dass der Staat mit nahezu jeder so genannten Rentenreform vertragsbrüchig wird und kann somit auch nicht verhindern, dass seine späteren Ansprüche durch die Politik beständig verringert werden. Das sollte jedermann klar sein, der GRV-Mitglied ist. Es ist nicht Schuld der Rentner, wenn der Staat mit ständig neuen Gesetzen und mit Nullrunden die Rentenansprüche minimiert. Der Staat macht das, um die Beitragszahler, die es sich leisten können, in zusätzliche private Rentenversicherungen zu treiben, obwohl die derzeitige Situation im Finanzwesen das eigentlich jedem verantwortungsvollen Politiker verbieten sollte. Aber es gibt sie nicht, die verantwortungsvollen Politiker. Im Gegenteil, sie kassieren noch kräftig dabei ab.

Eigentlich hätte die Politik in der Arbeitsmarktpolitik auf die sich immer weiter ausweitende Automatisierung in Form von Arbeitszeitverkürzungen reagieren müssen. Hier kommt das zum Tragen, was Bosbach in der Sueddeutschen anführt. Die Umverteilung funktioniert nicht mehr, obwohl es genau diese Gruppe (die GRV-Versicherten) ist, die alles erwirtschaftet.

Punkt 2 baut im Grunde auf Punkt 1 auf. Es geht um Familien mit Kindern, die sich beschweren, dass sie Kinder zeugen, die dann später für die Renten der Kinderlosen aufkommen. Das ist geradezu hanebüchen. Schauen wir mal warum. Familien mit Kindern werden, wie schon eingangs erwähnt, teilweise vom Staat alimentiert bzw. subventioniert. An diesen Kosten sind Kinderlose und Singles stärker beteiligt durch höhere Steuern und auch bei den Krankenkassenbeiträgen, mit denen ja Kinder in Familien kostenfrei mitversichert sind.

Irgendwann kommen die Kinder dann in das Alter, in dem sie ins Berufsleben einsteigen. Aber haben sie auch einen Beruf ergriffen, der sie versicherungspflichtig für die GRV macht? Haben sie überhaupt eine Chance erhalten, ins Berufsleben einzusteigen oder bleiben sie, wie eine zunehmende Zahl Jugendlicher ohne Lehrstelle und ohne Job? Unterstellen wir, sie haben einen versicherungspflichtigen Job bekommen, dann zahlen sie ihre Beiträge, so wie die Rentner vor ihnen, ausschließlich für den späteren Erhalt einer eigenen Rente. Und hat eine Familie mehrere Kinder, dann gilt das für jedes Kind, vorausgesetzt, dass es jemals GRV-Beiträge zahlt, denn jedes dieser Kinder ergibt dann einen Renten-Anspruchsberechtigten. Es gibt eben manchmal Aussagen, die logisch klingen, ohne es zu sein. Das aber setzt voraus, dass man sich zuerst einmal eingehend informiert und das tun immer noch zu wenige in diesem Land.