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Erstelldatum: 05.10.2011

Weiteres zur Gesundheitskarte

Mein Beitrag zum Thema e-card hat mir einige Zuschriften beschert, alle mit einheitlicher Ablehnung der e-card. Eine davon war mit sehr detaillierten Begründungen versehen, darunter eine wohl ursprünglich als Powerpoint kreierte Stellungnahme eines Arztes, die dann in ein PDF-File übernommen wurde.

Bei Heise ist zu lesen, dass die britische Regierung das englisches Modell der e-card gestoppt hat, obwohl bereits 12,7 Milliarden englische Pfund (14,5 Milliarden ) in dieses Projekt investiert wurden und noch weitere Zahlungen trotz Stopp zu erwarten sind. Das Politiker permanent Milliarden in den Sand setzen, um uns dann einige Jahre später vorzuwerfen, wir hätten über unsere Verhältnisse gelebt, daran haben wir uns ja mittlerweile gewöhnt. Die teuren und nutzlosen Impfstoff-Ankäufe des Gesundheitsministeriums sollten uns als Beispiel noch in Erinnerung sein.

Bei der e-card, oder um mal den Anglizismus zu vermeiden, der so genannten elektronischen Gesundheitskarte geht es aber um mehr als nur um Geldverschwendung. Es geht um IHRE Gesundheit und IHRE Daten. Der gläserne Bürger ist längst Wirklichkeit, aber einige Stellen dieses Bürgers sind bisher noch nicht völlig durchsichtig. Natürlich verspricht uns die Regierung völlige Datensicherheit und verweist auf etliche heute mögliche Anwendungen, die Daten schützen sollen und natürlich auf die strengen gesetzlichen Regelungen. Bei solchen politischen Aussagen muss ich lachen, obwohl mir gleichzeitig übel wird. Die Rente ist sicher, meinte derzeit Norbert Blüm, doch inzwischen vergeht kaum ein Jahr, in dem nicht der Gesetzgeber per Federstrich alle früheren gesetzlichen Bestimmungen löscht und durch völlig gegensätzliche Gesetze ersetzt, begleitet von entsprechender in den Medien veröffentlichter Propaganda. Nicht einmal die angebliche Verfassung, das Grundgesetz, ist davon ausgenommen.

Warum bin ich so gegen diese Gesundheitskarte? Ein praktisches Beispiel. In der IT-Branche findet ein unaufhörlicher Wandel statt. Was gestern noch Standard war, ist u. U. bereits morgen überholt. Angeblich sucht die Industrie "händeringend" Fachpersonal für das IT-Geschäft. Dabei wäre ein Rückgriff auf die vielen IT-Mitarbeiter mit ALG II-Bezug möglich, die arbeitslos wurden, weil ihre Bosse sie auf die Straße gesetzt und ihren IT-Betrieb "outgesourct" haben, wie es im deutschen Pidgin-Englisch heißt. Eine kurze Nachschulung würde reichen, um den Mangel zu einer Schwemme werden zu lassen, ohne auf Indien oder andere ausländische Mitarbeiter zurückgreifen zu müssen. Das weiß die Industrie, aber ein indischer Mitarbeiter ist erheblich billiger, das ist der einzige Grund. Die daraus zu ziehende Erkenntnis lautet folglich ganz einfach, dass die IT-Mitarbeiter der Vergangenheit einfach von der Nachschulung und internen Weiterbildung abgeschnitten wurden, also nicht auf dem neuesten Stand der Technik sind und ihnen die Mittel fehlen, das aus eigener Kraft auszugleichen. Aber was hat das mit dem Thema e-card zu tun?

Bei Ärzten ist die Situation nicht viel anders als in der IT-Branche. Die Medizin entwickelt sich ähnlich rasant wie die IT-Branche. Einen Unterschied gibt es aber. Ärzte sind meist selbständig, folglich können sie pleitegehen, aber in der Regel nicht entlassen werden (in Kliniken ist das natürlich anders). Ein Arzt müsste also einen großen Teil seiner Zeit aufwenden, um sich fortzubilden, um auf dem neuesten Stand des Wissens zu sein. Ein Teil macht das sicherlich auch, andere nicht. Habe ich nun das zweifelhafte Glück, bei einem Arzt zu landen, der nicht auf dem neuesten Stand ist und meine ihm dargelegten Beschwerden wegen Mangel an Kenntnissen falsch diagnostiziert, dann wird sein Eintrag auf der e-card ein anderes Krankheitsbild aufweisen. Merke ich, dass mein Arzt mich falsch behandelt und wechsele den Arzt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass dieser neue Arzt sich mehr auf die Diagnose seines "Kollegen" verlässt, als eine völlig neue Untersuchung vorzunehmen. So kann mir passieren, dass mein ehemaliger Arzt mich als Hypochonder eingestuft und mir Placebos verschrieben hat, schließlich machen Hypochonder Kasse, kommen sie doch häufiger in die Praxis, als andere Patienten. Die Folge? Ich werde ein gern gesehener Patient sein, aber helfen wird man mir nicht. Schlimmer ist eine Fehldiagnose, die zu Folgeschäden führt, weil die falsche Diagnose und die damit verbundene Medikation mitunter zu schwerwiegenden Erkrankungen anderer Organe führen können. Ich fürchte, dass auf diese Art und Weise schon mehr Menschen ins Grab gebracht wurden, als die Statistik ausweist. Aber das ist nur die direkte Folge, die mit der e-card verbunden sein kann (die Betonung liegt auf "kann", schließlich gibt es sie, die Ärzte, die sich auf dem neuesten Stand halten und nicht bedingungslos dem Urteil von "Vorgängern" vertrauen).

Welche sonstigen Möglichkeiten mit der e-card und dem eingebauten Speicherchip noch verbunden sein können, beschreibt die eingangs erwähnte Mail. Sie wurde an die Krankenkasse gesendet, obwohl das sicher lich auch nicht viel nützt, es sei denn, dass sie von vielen kommt.

Unter dieser Adresse können Sie einen Muster-Widerspruch herunterladen, wenn Ihre Krankenkasse Sie auffordert, ein Bild für die e-card zu übersenden.

An die
Krankenkasse ...
Postfach
Ort

Die E-Card ist sicher?
Ort, Juli 2011

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Ihrem Schreiben vom 11. 5. 2011 wurde ich zur Abgabe eines Lichtbildes für die eGK aufge-fordert. Davon einmal abgesehen, dass die Lichtbildanforderung meiner Meinung nach rechtswidrig ist, (siehe Anlage) kommt die Einführung der eGK der Abschaffung der ärztlichen Schweigepflicht gleich und sind dem Datenmissbrauch Tür und Tor geöffnet. Die Datenmissbrauchsskandale beweisen das immer wieder neu (selbst Sony, das Pentagon und die amerikanische Regierung wurden erfolgreich gehackt, um nur 3 gravierende Beispiele zu nennen, siehe Anlage). Selbst die Kreditkartenbranche gibt zu, dass die Fotos in den Karten NICHT vor Missbrauch schützen und VERZICHTET darauf.

Eine absolute Datensicherheit gibt es nicht und kann es auch gar nicht geben. (Wer anderes behauptet ist entweder grenzenlos naiv oder er wird dafür bezahlt.) Nicht nur durch Angriffe von außen, sondern auch durch sog. "Innentäter" werden immer wieder Daten gestohlen. (siehe meine Mail von heute: "Innentäter, die unterschätzte Gefahr" und Beispiel 1 am Schluss meines Schreibens. Danach kann niemand mit gesundem Menschenverstand mehr die eGK befürworten.)

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar zum erfolgreichen Hackerangriff auf Sony, bei dem 77 Millionen Datensätze gestohlen wurden:

"Dieser Daten-GAU zeigt, dass es immer ein Restrisiko gibt, wenn viele Daten gespeichert werden."

Nun zu den anderen Argumenten, u. a. aus Ihrem Flyer zu o. a. Schreiben und den sog. "Vorteilen" der E-Card (und weswegen sie angeblich jeder "unbedingt braucht"):

Argument 1:

"Die neue Karte helfe den Ärzten, Sie besser zu behandeln. Ärzte hätten dadurch mehr Zeit für Sie und seien besser informiert". Stimmt das?

Das Gegenteil ist der Fall. Bei den Tests in den Testregionen stellte sich heraus: Die neue Karte raubt den Ärzten die Zeit. Das Einlesen der Daten, wenn der Patient in die Praxis kommt, das Erstellen von "elektronischen Rezepten" und das Erstellen der "Notfalldatensätze" kostet viel mehr Zeit als bisher. So haben ihre Ärzte weniger Zeit für Ihre Behandlung. Von Ihrem Haus- oder Facharzt können Sie die Unterlagen als Kopie bekommen, wenn Sie diese für einen Krankenhaus-aufenthalt oder Untersuchung bei anderen Ärzten benötigen. Nicht nur für Auslandsaufenthalte gibt es Notfallausweise auf Papier, sogar in viele Sprachen übersetzt. Die Daten können auch auf spezielle USB-Sticks gespeichert werden. Arztpraxen und Krankenhäuser können sich regional vernetzen.

Argument 2:

Bedeutung von "elektronischen" Notfalldaten?

Im akuten Notfall spielt es keine Rolle, ob Sie z.B. an einer Penicillinallergie leiden oder welche Blutgruppe Sie haben. Der Notarzt hat gar keine Zeit, um auf eine Computerverbindung zu warten und ein Bewusstloser oder ein geschocktes Unfallopfer wird kaum seine PIN-Nr. mitteilen können und diese Informationen spielen für das Handeln des Notarztes auch keine wesentliche Rolle. Im akuten Notfall geht es darum, Herz, Kreislauf und Atmung zu stabilisieren. Eine Blutübertragung wird im lebensbedrohlichen Notfall mit einer "Standardblutgruppe" durchgeführt, erst im Kranken-haus wird die richtige Blutgruppe getestet, usw. Ein Arzt, der anders handelt, wird ganz schnell vor Gericht landen.

Argument 3:

"Alles wird billiger, und Sie als Patient können Ihre Behandlung besser kontrollieren"?

Billiger wird nichts, allein in diesem Jahr müssen Ihre Kassen ca. 740 Millionen Euro in das "Kartenprojekt" investieren, auf längere Sicht kostet es 7-10 Milliarden Euro, die in der Grundversorgung dringend gebraucht werden. Aber alles wird transparenter? Ja, so entstehen "gläserne Patienten und gläserne Ärzte" - Schweigepflicht ade. Wollen Sie das? Datenskandale sind doch an der Tagesordnung.

Man kann als Versicherter auch NEIN zu dieser neuen Karte sagen! Und.....

Es gibt KEINEN belegbaren medizinischen Nutzen der E-Card!!!

Eine absolute Sicherheit gibt es nicht, auch nicht in der Arztpraxis. Das Problem ist nur: immer, wenn eine Arztpraxis aufgebrochen wird, können nur die einzelnen Daten von Patienten verloren gehen. Hier sind es aber die gesamten Daten von 80 Millionen Bundesbürgern, die dann einem Angriff ausgesetzt werden würden. (Was dann verheerendes passiert??? Siehe meine Mail von heute: "Innentäter, die unterschätzte Gefahr")

Hier zeigt sich, dass durch Patientendaten auf Zentralrechnern der " gläserne Patient" Realität wird. Haus- und Fachärzte sollen durch Callcenter-Mitarbeiter ersetzt werden, anonyme Billig-beratung nach dem Vorbild der USA statt persönlicher Medizin. (...ist durch Missbrauch einer Krankenkasse schon passiert - siehe Anlage). Der Deutsche Ärztetag hat die elektronische Gesundheitskarte erneut abgelehnt und die Regierung ist aufgefordert, diesem unsinnigen, teuren und gefährlichen Projekt sofort Einhalt zu gebieten".

Das schon 2004 vom Bundesgesetzgeber beschlossene neue Datennetz sei so angelegt, erklärte der nordrhein-westfälische Gesundheitsstaatssekretär Walter Döllinger in Düren, dass es sich um "neue Anwendungen" erweitern lasse - bis hin zum Zugriff auf "die Vital- und Laborwerte, den Mutter- oder Röntgenpass, den Impfpass sowie Angaben zu vorhandenen Allergien", die lebens-lang in zentralen Serverfarmen gespeichert werden sollen. (Für bessere "medizinische Beratung" durch Call-Center?)

Der Informatiker Kai-Uwe Steffens, Vertreter des "Arbeitskreises Vorratsdatenspeicherung", widerspricht der Darstellung von Politikern, das von Staatsseite kontrollierte Projekt e-Card beuge Datenschutzskandalen seitens der Privatwirtschaft vor:

  • "Weder gibt es eine Garantie auf politische Entscheidungen der Zukunft in Bezug auf die Verwendung der sensiblen Krankheitsdaten auf Zentralservern, noch ist ein Vertrauen in die absolute Sicherheit der gespeicherten Patientendaten gerechtfertigt. Liegen die Daten erst mal vor, werden interessierte Kreise diese auch zu anderen Zwecken verwenden wollen".

(z. B. Versicherungen,Pharmaindustrie oder Arbeitgeber, um nur 3 zu nennen. So war es bisher immer und allein die Pharmaindustrie wird wortwörtlich über Leichen gehen, um an diese Daten zu gelangen)

Übrigens hat in Berlin vor allem die FDP die Ängste vor dem "größten Datenberg aller Zeiten" aufgegriffen, der sich laut Ex-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger im Gesund-heitswesen abzeichnet. Im Bundestag haben die Freidemokraten beantragt, das Projekt eGK auf Eis zu legen. Und in Bayern ist es den Liberalen gelungen, ihre Haltung in den Koalitionsvertrag mit der CSU einzubringen - zum Befremden der Industrie.

Auf Missbrauchsrisiken hat die angesehene Gesellschaft für Informatik schon frühzeitig hinge-wiesen: "Angesichts der Vielzahl Zugriffsberechtigter" - rund zwei Millionen Branchen-angehörige - sei eine "hinreichend sichere Zugriffskontrolle überhaupt nicht machbar". Vorgesehen ist die Ausgabe von Lesegeräten und HBA-Cards an alle Praxen von Ärzten, Zahnärzten und Psychiatern, an alle Krankenhäuser und Apotheken, an Homöopathen und Physiotherapeuten, dazu an andere Heilberufler vom Rettungssanitäter bis zum Orthopädie-schuhmacher.

Immer wieder muss auch als Argument für die Einführung der E-Card mit pers. Foto das Argument herhalten, dass mit dem Foto der Missbrauch verringert bzw. verhindert wird.

Dabei hätten es die Mediziner in der Hand gehabt, den Missbrauch zu minimieren: Sie müssten den Patienten nur, wie in Krankenhäusern üblich, abverlangen, am Empfang neben der Kassenkarte auch den Personalausweis vorzulegen. Dazu wären nach Umfragen zwar 90 Prozent der Versicherten, aber nur 50 Prozent der niedergelassenen Ärzte bereit, aber das Thema Foto wäre erledigt (und erheblich billiger wäre es auch)

Selbst die Kreditkartenbranche gibt zu, dass die Fotos in den Karten NICHT vor Missbrauch schützen und VERZICHTEN darauf.

Schon bei ersten Tests hat sich auch gezeigt, dass das angeblich so sichere System aus eGK, HBA und PIN seine Lücken und Tücken hat. So vergaßen zerstreute und debile Patienten immer wieder ihre sechsstellige Geheimnummer. Parkinsonkranke waren außerstande, die PIN in der vorgeschriebenen Zeit einzutippen. Mancher überforderte Besucher hinterlegte die Codenummer schließlich der Einfachheit halber beim Herrn Doktor oder der Sprechstundenhilfe. Und wenn der Betriebsarzt bei der Einstellungsuntersuchung fragt, ob man "mal eben freischalten kann"???

Missbrauch will die Gematik etwa durch eine Protokollierung aller Zugriffe erschweren. Die Daten in den Zentralspeichern sollen überdies derart codiert werden, dass selbst der "derzeit leistungs-fähigste Rechner der Welt schätzungsweise mehrere Milliarden Jahre" brauchen würde, um den Schlüssel zu knacken.

Fachleute reagieren auf solche Aussagen allerdings mit Skepsis. Bereits in fünf Jahren, berichtet die "Computerzeitung", werde die brandneue Gesundheitskarte wahrscheinlich wieder ausge-tauscht. Denn das aktuelle Verschlüsselungsverfahren gelte heute schon als "nicht mehr sicher".

Auch eGK-Befürworter wissen, dass die Patientendaten nicht völlig unantastbar sein werden. "Nirgends, auch nicht bei der eGK, gibt es eine hundertprozentige Sicherheit", räumt der Kieler Datenschützer Weichert ein.

Gerade die vergangenen Monate haben gezeigt, dass es kriminellen Insidern, Hackern und Datenhändlern immer wieder gelingt, Schutzvorkehrungen zu überwinden. "Absolute Datensicherheit", warnt die Hamburger Verbraucherzentrale, "gibt es nicht einmal bei Bankdaten in Liechtenstein."

Dass die Gematik mit dem Betrieb der eGK-Dateninfrastruktur unter anderem ausgerechnet die Telekom-Tochter T-Systems beauftragt hat, weckte nach diversen Telekom-Datenskandalen der letzten Monate zusätzliches Misstrauen. Nach dem "Telekomgate" ängstigte sich die FDP-Innenexpertin Gisela Piltz, dass "statt Millionen von Handynummern Millionen von Krankenakten frei im Internet herumgereicht werden" könnten.

Mit anderen Teilen der eGK-Infrastruktur hat die Gematik die Firma Atos Worldline betraut, die neuerdings damit wirbt, dass sie "die gesamte Wertschöpfungskette der eGK-Mehrwertan-wendungen abdecken" könne. Peinlich nur, dass Atos Worldline neulich als jenes Unternehmen Schlagzeilen machte, das Zehntausende abhanden gekommener unver-schlüsselter Kreditkartendaten der Landesbank Berlin bearbeitet hatte.

Die Gematik wurde übrigens am 11. Jan. 2005 u. a. vom Bundesministerium für Gesundheit gegründet. Also ganz egal, was die Gematik sagt, es kommt immer vom BmfG!!!

Andererseits behindern scharfe Datenschutzvorkehrungen die Handhabung der eGK. In der Testregion Flensburg etwa dauerte das Einlesen der neuen Karten in der Arztpraxis viermal so lange wie bisher. "Mit der Karte laufen wir sehenden Auges ins Chaos", warnte Eckehard Meissner, Sprecher des dortigen Praxisnetzes.

Auch die Speicherung des gesetzlich verankerten "elektronischen Rezepts" auf der Chipkarte hat sich im Test als "nicht praxistauglich" erwiesen, wie es in einem Erfahrungsbericht der sächsischen Erprobungsgesellschaft SaxMediCard heißt. Das Hantieren mit Ärzte- und Patientenkarten und die immer wieder aufs Neue erforderliche PIN-Eingabe seien im Stress des Praxisalltags "nicht zu bewältigen".

Die sächsischen Apotheker, so der Bericht weiter, hätten beim Handling des papierlosen Rezepts sogar "noch größere Probleme" als die Ärzte. Auch in den Pharmazien werde "das Auslesen der Rezepte als zu lang empfunden". Darüber hinaus führe Wirrwarr um Pharmazentralnummern und Packungsgrößen "oft" dazu, "dass per Hand das Medikament eingescannt werden muss und damit der elektronische Datensatz überflüssig wird". Das elektronische Rezept, forderte der Ärztetag, müsse aus der Liste der Pflichtanwendungen der Karte gestrichen werden.

Bei der Rezeptausstellung handelt es sich noch um eine der simpleren Anwendungsmöglichkeiten der eGK. Überhaupt noch nicht erprobt worden sind die von den Kassen propagierten, daten-schutzrechtlich besonders heiklen Online-Optionen wie die e-Patientenakte und der e-Arztbrief. "Es fehlen Tests mit Online-Anwendungen", heißt es in der bayerischen CSU/FDP-Koalitions-vereinbarung: "Die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte erscheint derzeit deshalb nicht erfolgversprechend."

Wie auch immer der Konflikt um die eGK endet - für Un- und andere Notfälle können Gesundheits-bewusste auch ohne Speicherkarte vorsorgen. "Wer Wert darauf legt, medizinische Notfalldaten jederzeit griffbereit zu haben, sollte nicht auf die eGK setzen, sondern einen Notfallausweis auf Papier bei sich führen", empfiehlt die Hamburger Verbraucherzentrale.

Denn den Papierausweis könne, im Gegensatz zur elektronischen Karte, "auch ein Arzt lesen, der zufällig privat im Zug oder Flugzeug anwesend ist" (und der auch garantiert kein Lesegerät dabei hat!) Und: "Mit englischer und französischer Übersetzung ist er auch in vielen Urlaubsländern lesbar, wo Lesegeräte für die deutsche eGK kaum erreichbar sind."

Zur "Freiwilligkeit":

Alle über die derzeitige Gesetzeslage hinaus gehenden weiteren Anwendungen der eGK sollen nach dem Gesetz nur genutzt werden dürfen, sofern der Patient ausdrücklich sein Einverständnis erklärt. (Eine einfache Gesetzesänderung genügt und es ist aus mit der Freiwilligkeit !!!) Zu den freiwilligen Funktionen zählt die Speicherung aller verordneten Medikamente, aller Notfalldaten sowie aller Arztbriefe und Patientenakten. (Was schon mal gar nicht stimmen kann, da das alles nicht auf einen 64 kb-Chip passt und somit zentral gespeichert werden MUSS.) Die bisher freiwilligen Anwendungen bergen einerseits schwer kalkulierbare Risiken für die Privatsphäre der Patienten, andererseits macht erst die Nutzung möglichst vieler dieser Funktionen durch möglichst viele Versicherte das Gesamtsystem profitabel.

Das belegt eine von der Gematik in Auftrag gegebene Studie der Düsseldorfer Unternehmensberatung Booz-Allen-Hamilton. Danach sind während der ersten fünf Jahre nach Ausgabe der eGK, sofern den Versicherten nur die weniger heiklen gesetzlich vorgeschriebenen Basisfunktionen zur Verfügung stehen, "sämtliche Anwendungen defizitär". Erst nach der Einführung der "freiwilligen" Anwendungen, elektronische Patientenakte und elektronischer Arztbrief werde der Nutzen höher sein als die Gesamtkosten.

Hochbrisant sind die Angaben der Gutachter über die Nutznießer der eGK-Einführung. Die Krankenkassen haben demnach die größten Vorteile zu erwarten. Binnen zehn Jahren wächst den Kassen nach Ansicht der Experten ein Nettonutzen von etwa 5 Milliarden Euro zu, während Ärzte und Apotheker 3,5 Milliarden Euro Verlust machen.

Wem würden SIE denn nach obigen Ausführungen mehr glauben: den Befürwortern, die ein berechtigtes Interesse an der Einführung der E-Card haben (u. a. Gewinnmaximierung und Datenkontrolle) oder Ihrem gesunden Menschenverstand als Versicherter?

Mit fiel die Wahl jedenfalls nicht schwer.

Freundliche Grüße

Anlagen:

Bei allen in den Anlagen erwähnten Beispielen waren die Systeme "nach menschlichem Ermessen maximal gesichert" und haben trotzdem versagt.

Zum Thema "sichere Datenspeicherung":

(Nur 3 Beispiele von fast beliebig vielen, und weiteres, u. a. aus: Spiegel online)

Beispiel 1:

Martin Grauduszus, Präsident der Ärzteorganisation "Freie Ärzteschaft": "OHNE EINWILLIGUNG der Betroffenen hat die DAK augenscheinlich sensible Daten von zweihunderttausend (!) Patienten an den US Konzern Healthways weitergegeben. Anonyme Callcenter-Mitarbeiter des Konzerns haben dann Versicherte "medizinisch beraten".

Beispiel 2

heute kam die Meldung bei heise-online, dass die Datenbank der Universität von Kalifornien durch einen "ausgeklügelten Computerhacker" geknackt wurde. Inhalt der Datenbank: komplette persönliche Informationen von 800.000 Betroffenen!

Quelle:

Heise-Online

Brave New World der e-Card! Aber die e-Card ist ja sicher, genauso wie die Rente. (frei nach Norbert Blüm)

Bisher ist fast alles geknackt worden, auch die supersicheren Computer des Pentagon in den Vereinigten Staaten.

Beispiel 3

Hacker stehlen Pentagon-Pläne (Geheime Daten über neuen Kampfjet)
Wie das Wall Street Journal meldet, ist es Hackern gelungen, in Computer eines Waffenentwick-lungsprojektes einzudringen. Sie suchten nach Daten über den Kampfjet Lockheed Martin F-35 Lightning II (Prototyp im Bild) und stahlen letztlich mehrere TeraByte an Daten über das Projekt.

Darunter sollen sich auch Informationen über die elektronischen Systeme befinden. Da die Übertragung verschlüsselt stattfand, ist nicht klar, welche Informationen tatsächlich in die Hände der Cyberspione gerieten.

Quelle:

WELT online