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Erstelldatum: 27.05.2011

Joschka und mehr

The Rocky Horror Joschka Show ist der Titel einer Betrachtung zum Film über Joschka Fischer bei Telepolis. Wer den Film unverständlicherweise sehen möchte, sollte sich an die Grünen wenden. Vielleicht verteilen die ja Freikarten. Geld für eine Kinokarte für diesen Film auszugeben, würde ich allerdings als stark übertrieben bezeichnen, es sei denn, man ist ein ambitionierter Grüner, also Basis-Mitglied, denn in den Parlamenten oder der Parteispitze habe ich bisher noch keine ambitionierten Grünen ausmachen können.

Der Kommentar zu diesem Film ist ja zutreffend, aber die Kernfrage ist, warum wurde dieser Film überhaupt gemacht?

Ich denke, es hängt mit der derzeitigen „Grünen-Euphorie“ zusammen. Dank Stuttgart 21 und Fukushima sind die Grünen im Aufwind, viel stärker sogar, als sie selbst „befürchtet“ hatten. Dabei haben die Grünen längst aufgehört, „grüne Politik“ zu betreiben (falls sie das überhaupt schon mal getan haben). Sie zehren vor allem davon, dass sie den Begriff „Öko“ geprägt haben, dabei ist ihr Einsatz für Gender weitaus größer, als ihre so genannte Ökopolitik. Mit Letzterem haben sie lediglich neue Steuerarten produziert.

Doch wie gesagt, sie sind im Aufwind und suchen nun natürlich einen Kanzlerkandidaten. Fischer hat nonchalant abgewunken, doch kurze Zeit später kommt dieser Film und ich denke, der Wendehals Fischer wird sich bei der nächsten Bundestagswahl gerne überreden lassen, als Kanzlerkandidat nun doch zu kandidieren, vorausgesetzt, er sieht Möglichkeiten, dass die Grünen stärkste Kraft werden. Was tut ein Joschka nicht alles für „sein Volk“. Sein Abwinken zeigt doch, wie bescheiden „dieser große Staatsmann“ ist. Sollten die Grünen im Aufwind bleiben und er sich dann noch „überreden“ lässt, zeit das doch sein „großes Verantwortungsgefühl“. So wird es dann in der Presse vermarktet werden (meine Prognose, die sicher nicht falscher ist als die des IFO-Institut oder die der Wirtschaftsweisen). Und wir, die Wähler? Wir fahren doch auf solche Euphemismen rein, immer schon. Der moderne junge Mensch macht das sichtbar, was sich die Alten nicht getrauten. Er lässt sich piercen und trägt den Ring durch die Nase voller Stolz und für jedermann sichtbar.

Folglich stufe ich den Film als PR-Masche ein, die Fischer diese Option ermöglichen soll. Sollte der Stern der Grünen wieder sinken, hat er ja bereits gesagt, dass er dafür nicht zur Verfügung steht. Man sieht, Politik ist Vermarktung und von Selbstvermarktung, davon versteht Joschka eine Menge.

Doch welche Rolle würde es schon spielen, wenn Joschka Kanzler würde? Ob Steinmeier, Steinbrück oder Gabriel, ob Merkel, von der Leyen, Schäuble oder Röttgen, oder eben Joschka Fischer, angeschmiert wäre der deutsche Michel in jedem Fall, so wie auch in jeder aus dieser Konstellation hervorgehenden Koalition. Und sich anschmieren zu lassen, darin ist der deutsche Michel perfekt.

Die Financial Time Deutschland (FTD) befasst sich mit einem anderen schwerwiegenden Problem. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank (Sie wissen schon, die mit "Leistungsverweigerung aus Leidenschaft") sucht einen Nachfolger für Josef Ackermann (die Josefs scheinen auf dem Vormarsch zu sein). Nach Aussagen von Vertrauten (ich hätte nie gedacht, dass Ackermann außer Merkel Vertraute hat) will er 2012 gehen. Jetzt schon zu sagen, er will das sinkende Schiff verlassen (adäquat zu einem Nagetier) , ist momentan noch zu früh, als Grund für seinen vorzeitigen Rücktritt zu vermuten. Interpretiere ich den Artikel in der FTD richtig, dann legt diese Aktionärsversammlung offen, dass der Aufsichtsrat der Deutschen Bank einer Orgel ähnelt, besetzt mit lauter Pfeifen.

Wie auch immer, es geht um die Nachfolge für Ackermann und aus alter Tradition sucht man erneut einen gestandenen Bankster, denn was sollte dieses Haus wohl mit einem echten Banker im Vorstand anfangen?

Was ich nicht verstehe, sind die Schwierigkeiten, die diese Suche bereiten soll. Gerade ist doch ein gestandener Mann frei geworden, in der Presse kurz DSK (Dominique Strauss Kahn) genannt, der ehemalige geschäftsführende Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF). Sicher, man wirft ihm vor, ein Zimmermädchen mit seinem männlichen Charme beglückt zu haben, bevor das Zimmermädchen diesem unwiderstehlichen Charme schon verfallen war. Aber was bedeutet das schon im Kreise der Alpha-Tierchen? Wie konnte man auch ahnen, dass ein nichtssagendes Zimmermädchen nicht gleich freudig juchzend einwilligt, wenn ein Alpha-Männchen es süß umgarnt. Da können Alpha-Tierchen doch nun wirklich mehr erwarten. Angewiesene Stellung einnehmen und dann beglückt hinnehmen, was das Alpha-Männchen zu bieten hat. Das sollte doch in solchen Hotels zum Zimmer-Service gehören, man konnte schließlich nicht von DSK erwarten, dass er dafür extra nach Rumänien fährt und sich vorrübergehend der Hamburg Mannheimer anschließt.

Manche behaupten ja auch, das sei eine so genannte "Venusfalle" gewesen: Doch bis Ackermann geht, müsste das ja geklärt sein und damit wäre doch ein würdiger Nachfolger für Ackermann gefunden. Schließlich kann so eine kleine Schramme in der Vita von DSK doch kein Hinderungsgrund sein, oder? Es sei denn, es war wirklich eine "Venusfalle", aufgestellt von Trapper Nicolas Sarkozy. Dann könnte es natürlich sein, dass Angela in DSK eine falsche Wahl sehen würde, weil sie befürchtet, von Sarkozy nicht mehr die gewohnten Schmuseinheiten zu bekommen. Darauf müsste natürlich der Vorstand und Aufsichtsrat der Deutschen Bank Rücksicht nehmen, denn wer sollte ansonsten künftige Geburtstagsfeiern üfr den Vorstandsvorsitzenden ausrichten?

Wie, Sie meinen, das würde die Bevölkerung aufregen? Aber ich bitte Sie, wen interessiert denn das? Der erzählt man, etwas von einer Verschwörung, allerdings ohne die Rolle von Sarkozy dabei zu erwähnen, denn merke: Eine Verschwörungstheorie ist es, wenn das Volk Einzelne der oberen Zehntausend verdächtigt. Wenn aber einer aus den oberen Zehntausend auffliegt, dann ist das eine echte Verschwörung. Da bedarf es auch keiner Beweise.

Die ZEIT widmet sich den Überlegungen von Angela Merkel nach der Wahl in Bremen. Sie kommt zu dem Schluss: Merkel versteht die Großstädter nicht! Das kann ich gut verstehen. Da durften in Bremen erstmalig auch die jungen Leute ab 16 wählen gehen und trotzdem dieses desaströse Ergebnis? Wie kann das nur sein? Waren in der guten alten Zeit (in der ehemaligen DDR) nicht gerade die Jungen die eifrigsten Parteisoldaten und hier im Westen bringt das keine Vorteile? Da wagen die es, grün zu wählen? Von den Stimmen für die Roten erst gar nicht zu reden. Nein, das hätte es in der guten alten Zeit nicht gegeben.

Vielleicht würde es helfen, wenn man die Wahlpflicht einführt? Ich weiß nicht so recht. Vielleicht liegt es ja daran, dass immer mehr Menschen erkennen, dass die der CDU/CSU nachgesagte Wirtschaftskompetenz eigentlich immer ein Rohrkrepierer gewesen ist, weil diese so wirtschaftskompetenten Schwesterparteien offenbar ihre Wirtschaftskompetenz nicht nur aus den offiziellen Parteispenden, sondern auch noch aus ihren illegalen Parteispenden bezogen und dabei in der Schuldenstatistik des Landes immer beste Werte zu verzeichnen hatten. Denn viel Schulden machen ist doch ein Zeichen von Wirtschaftskompetenz, oder? Das Bild ist schon ein wenig älter. Überlegen Sie mal, wie weit der Balken nun nach oben reichen würde, nach nunmehr 6 Jahren CDU/CSU als Regierungspartei. Da kommen mal locker pro Jahr 100 Milliarden neue Schulden hinzu. Wenn das kein Zeichen von wirtschaftlicher Kompetenz ist, dann weiß ich es nicht.

Nun ja, dass die relativ kurze Zeit der rotgrünen Koalition weniger neue Schulden zu verzeichnen hatte, liegt vielleicht daran, dass sie sich mehr darauf konzentriert hat, Tafelsilber zu verscherbeln. Nicht bei Ebay, denn dort bekommt ja der Meistbietende den Zuschlag und das wäre ja ein Zeichen wirtschaftlicher Inkompetenz gewesen. Und rotgrün wollte schließlich beim Ansehen in Sachen Wirtschaftskompetenz ein wenig Boden gut machen.

Bliebe also die Option, die Wahlpflicht einzuführen. Aber dann könnte ich mir vorstellen, dass die Nichtwähler, die aus Protest nicht wählen, die Wahlzettel mit einem Flyer überkleben, ihn ablichten und das Foto an die Presseorgane senden, damit die Presse zumindest nicht verschweigen kann, wie viele ihren Protest durch ungültig abgegebene Stimmen ausdrücken.