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Erstelldatum: 25.03.2011

Presse und Meinung

Ich bin einer von denen, die viele Presseartikel lesen. Das führt dazu, dass ich mir über die einzelnen Presseorgane eine eigene Meinung gebildet habe. Subjektiv natürlich, aber eben eine eigene Meinung, was in der heutigen Zeit gar nicht so selbstverständlich ist.

Liest man so die Presse, muss man zwischen Nachrichten und Meinung unterscheiden. Nachrichten sind zumeist mit einem Kürzel versehen, welches auf die Presseagentur verweist, die für diese Nachricht verantwortlich ist. Meinung wird in den meisten Fällen als "Kommentar" zu einer aktuellen Nachricht verfasst. Da aber unsere Presse nicht völlig frei von den Strömungen der Zeit ist, wird man häufiger Meinungen finden, die "im Trend" liegen, als Meinungen, in denen Kritik am Trend geäußert wird.

Anders Nachrichten. Sie kommen nüchtern und als reine Faktenlage daher. Zumindest glauben wir das, oder sollen es zumindest glauben. Aber Nachrichtenagenturen unterliegen den gleichen gesetzmäßigen Voraussetzungen, wie Kommentare. Sie müssen verkaufbar sein, wenn möglich an alle im Trend liegenden Presseorgane. Folglich werden auch die Nachrichten zunächst gefiltert, wie sie im aktuellen Geschehen platzierbar sind und wie man sie formulieren muss, um sie dem Trend anzupassen. Wie meinte der englische Autor Edward Bulwer-Lytton einst so treffend: "Die Feder ist mächtiger als das Schwert". Nun, da so manche Jugendlich heute den Begriff "Feder" nicht mehr so recht einzuordnen wissen, schließlich leben wir in der Zeit der Smart-Phones und der IPADS, da tauchen ja schon Schwierigkeiten beim Begriff Kugelschreiber oder Kuli auf und einen direkten Bezug zum Füller, genauer zum Füllfederhalter herzustellen, wird auch nicht mehr so leicht zu praktizieren sein. Deshalb erlaube ich mir den Hinweis, dass mit der Feder das Schreibutensil gemeint ist, welches im vorindustriellen Zeitalter die Tastaturen der PCs, der Smart-Phones und der IPADS zwangsläufig ersetzten, weil Wörter und Sätze noch durch das Aneinanderreihen einzelner Buchstaben mit Hilfe einer Feder und einer als Tinte bezeichneten Flüssigkeit sorgfältig und oft recht künstlerisch auf einem Blatt Papier zu Gedichten, Geschichten und Berichten führten, die Informationsbasis vergangener Epochen.

Doch zurück zu den Nachrichtenagenturen. Sie geben Nachrichten so weiter, dass sie in den augenblicklich herrschenden Trend passen. Dabei ist wichtig, Dinge, die den gegen den Trend laufen, wegzulassen oder mit der Wortwahl ins Gegenteil zu verkehren. Ein Beispiel aus der Nachrichtenagentur Euronews: Gaddafi schickt Scharfschützenvom 24.03.2011:
Aussage:

    Bewohner berichteten von Scharfschützen auf den Dächern der Stadt, die wahllos auf alles schössen, was sich bewegt, es soll mehrere Tote gegeben haben.

Eine Meldung der Nachrichtenagentur DPA im Focus über den Jemen:

    Sanaa (dpa) - In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa ist die Lage nach dem Mittagsgebet außer Kontrolle geraten. Hunderttausende waren einem Aufruf gefolgt, um für den Rücktritt von Präsident Ali Abdullah Salih zu demonstrieren. Die Sicherheitskräfte gingen mit äußerster Brutalität gegen die Kundgebung vor. Ihre auf Dächern postierten Scharfschützen schossen gezielt in die Menge, berichteten Augenzeugen. 14 Menschen wurden getötet, Hunderte verletzt.

Dann folgt die Süddeutsche mit der Meldung über den Jemen: Scharfschützen positionieren sich auf Deraas Dächern Hier sind es gleich über 100 Menschen, die erschossen wurden.

Wie sich doch die Meldungen gleichen. Nur, auf Euronews besagt wenigstens der letzte Absatz, dass keine unabhängigen Beobachter die Aussagen bestätigen können.

Nehmen wir an, die Meldungen stimmen. Aber woher weiß die Nachrichtenagentur, dass es sich bei den Schützen um Scharfschützen handelt? Wenn man von einem Dach aus in eine Menge schießt, muss man kein Scharfschütze sein, um zu treffen. Aber wenn man die Schützen als Scharfschützen bezeichnet, gibt das der Meldung den richtigen Pep. Es stellt klar, dass die Bösen extra ausgesuchte und kampferprobte Leute gegen Unschuldige einsetzt und identifiziert damit automatisch auch, wer die trendgemäßen Bösen sind.

Ob die Meldungen aber überhaupt stimmen, wer will das sagen. Man braucht Stimmungsmacher und liefert sie in Kurzmeldungen. Und beim nächsten Fall kann man den Textbaustein mit winzigen Abänderungen wieder verwenden. Im Fall Libyen aber kein Wort über mögliche Opfer unter den Zivilisten durch Angriffe der Interventionisten aus dem Westen, die aus sicherer Höhe das machen, was ja so viel Spaß macht: Bomben abwerfen. Wenn mal Zivilisten erwähnt werden, dann waren es eben Anhänger von Gaddafi. Wichtig ist, dass die "Botschaft" transportiert wird. Meinung wird heute gemacht, auch wenn noch so mancher denkt, er habe eine eigene Meinung.

Kommen wir zu den Kommentaren. Im Tagesspiegel habe ich einen mit der Aussage: Zu viel national-egoistischer Geist gefunden. Wäre ich ein frommer Mensch, würde ich nun ausrufen: "Oh Herr, bewahre uns von solchen Idealisten". Es wird an allen Ecken und Enden von Menschenrechten gefaselt und dabei, fragt man nach, auf die Menschenrechtskonventionen der UN verwiesen, die in abgeschwächter Form auch in die Charta der EU Eingang gefunden hat. Wie ist sie zustande gekommen, die Menschenrechtskonvention der UN? Da haben sich kluge Leute zusammengesetzt, sich beraten und die Ergebnisse zu Papier gebracht. Zumindest ist das die hergebrachte Sicht. Aber die klugen Leute sind dann fast immer Juristen und wenn Juristen ein Pamphlet erstellen, dann nicht, ohne dass es nach Belieben interpretiert werden kann. Unser Grundgesetz ist dafür ein passendes Beispiel.

Doch was versteht man denn nun wirklich unter Menschenrechten? Ich wette, dass man dazu je nach Land und je nach politischer Einstellung sehr unterschiedliche Interpretationen hören wird. Beruft man sich auf die Menschenrechtskonvention, die schließlich alle in der UN vertretenen Länder als bindend unterschrieben haben, dann wird man auch sehr unterschiedliche Auffassungen darüber in jedem Politischen Lager eines jeden Landes finden. In der EU ist die letzte Instanz zu den Menschenrechten die Europäische Gericht für Menschenrechte (EGMR). Und manchmal kommt es auch dort zu einem Urteil, das mit den trendigen Vorhaben einer Regierung nicht ganz in Einklang steht. Doch meist wird dann eine "Umleitung" gefunden, die sowohl dem Urteil wie auch dem politischen Vorhaben gerecht wird, nur den Menschen nicht.

Unsere Kommentatorin Sibylle Tönnies im Tagesspiegel hat sich vermutlich noch nicht bewusst gemacht, dass der vom ständigen Sicherheitsrat empfohlene Interventionismus immer dann gefordert wird, wenn es um Länder mit geostrategischer Bedeutung (Afghanistan) oder mit Bodenschätzen Irak, Libyen, Iran) geht. Haben arme Länder das nicht vorzuweisen, ist man an Interventionen auch nicht interessiert.

Und vielleicht sollte Sibylle Tönnies sich mal die Frage stellen, wer denn eigentlich nicht nur den Sicherheitsrat, sondern die gesamte UN dominiert? Wenn die USA pfeift, dann springen dort in der Regel alle oder halten still, wie man am Beispiel Irak sehen konnte. Ein Weltgewaltmonopol bei der UN ist das Letzte, was erstrebenswert wäre. Es würde das Gewaltmonopol in die Hände von einigen wenigen Leuten legen, die von den Nationalstaaten zu diesem Behuf abgestellt wurden. Und wie die von der UN beschlossenen Maßnahmen umgesetzt werden, kann man an Israel sehen, die alle dort beschlossenen Maßnahmen ignoriert haben, ohne dass sich jemals Konsequenzen daraus ergeben hätten. Und wer sich die Menschenrechtsverletzungen der Länder ansieht, die das Ganze ins Leben gerufen haben, zuvorderst die USA, den muss das Grauen bei der Vorstellung eines Weltgewaltmonopols überkommen. Es ist erst wenige Tage her, da erschien auf ARTE eine Dokumentation über MKULTRA. Leider habe ich den Link nicht mehr, aber das Video ist auch auf YouTube zu finden.

Dazu wurden auch Mediziner der Nazis in die USA geschmuggelt (Rattenlinie) und haben dort als CIA-Ausbilder für Folter- und Gehirnwäschemethoden fungiert. Kann man übrigens auch bei Wikipedia nachlesen.

Irgendwie erinnert mich ein solches Ansinnen ein wenig an die deutschen Verfechter und Befürworter eines bedingungslosen Grundeinkommens. Auch die sehen immer nur die scheinbaren Vorteile, ohne sich bewusst zu machen, wer denn letztendlich die Leute sein werden, die das Ganze am Laufen halten und die Bedingungen vorgeben. Würde das BGE Wirklichkeit, wären es Leute wie Ursula von der Leyen, Angela Merkel, Wolfgang Schäuble, Rainer Brüderle oder ihre Pendants bei den Grünen und der SPD, die die Bedingungen formulieren und vorgeben.

Nicht anders ist es mit den Menschenrechten. Sie werden von den Leuten formuliert, die wissen, wie man sie jederzeit umgehen und brechen kann, ohne sich vor Konsequenzen fürchten zu müssen. Und seien Sie sicher, jedes Land hat seine CIA, sie nennen sich bloß in jedem Land anders. Wer Menschenrechte will, muss selbst jeden Tag dafür kämpfen, denn man kann diese Forderung nicht delegieren, ohne damit den Grundstein für den Missbrauch zu legen.

Aber das ist ja nicht das einzige Thema, dass die Presse derzeit in Atem hält. Fukushima führt zu täglich neuen Meldungen, die heute so (alles halb so schlimm) und morgen so (Lage verschlimmert sich) lauten. Dabei leidet Japan an zwei Katastrophen, denn das Beben und der Tsunami zeitigen nicht weniger dramatische Folgen, die aber in der Berichterstattung nur am Rande erwähnt werden.

Fukushima hat auch in Deutschland zu einer Reaktion geführt, dem vorübergehenden Ausstieg aus dem erneuten Einstieg nach dem Ausstieg bei der Politik über die Kernkraftwerke. Ich weiß, einfacher wäre es gewesen, ich hätte einfach vom Moratorium gesprochen, aber der erste Satz zeigt doch viel besser, welcher Kindergarten dort in Berlin sitzt, denn mich erinnert das an die auf die Straße mit Kreide gemalten Kästchen, durch die man hüpfen muss, ohne die Linien zu berühren, ein bei Kindern, vor allem Mädchen, sehr beliebtes Spiel.

Wie auch immer, nun hat Brüderle bei einem Gespräch mit dem BDI verlauten lassen, dass dieses Moratorium nur reine Wahlkampftaktik war. Brüderle kann einem leidtun. Wie kann er auch ahnen, dass es sogar im BDI einen Leaks-Fan gibt? In manchen Leserkommentaren wird er dennoch nun fast gefeiert, weil den Mut hatte, die Wahrheit zu sagen. Über so viel Naivität bin ich regelrecht fassungslos. Der gute Rainer Brüderle hat doch geglaubt, man wäre im Kreise des BDI unter sich, ist doch der BDI einer der Strippenzieher, die der Politik sagen, wo es lang geht. Wie konnte er ahnen, dass davon etwas nach außen dringt? Aber vielleicht ist das kein Versehen, sondern Absicht gewesen? Was, wenn man sich beim BDI an die Sonnenseiten unter Rot-Grün erinnert, die in ihrer Amtszeit doch wesentlich mehr für die Industrie getan haben, als Schwarz-Gelb jetzt.

Damals haben die Energiekonzerne von der Wirtschaftspolitik unter Wirtschaftsminister Müller und Staatssekretär Tacke profitiert. Dann kam Gerd Schröders Agenda 2010 mit der Hartz-Kommission, der Rürup-Kommission und den aus diesen mit Industriellen und wirtschaftstreuen Wissenschaftlern besetzten Kommissionen abgeleiteten Reformen, wie Arbeitsmarktreform(en), Rentenreform(en), Gesundheitsreform(en) und anschließend in der Schwarz-Roten Koalition die EU-Reform in Form des Lissabonvertrages. Dass das alles alternativlos war und ist, haben Rot-Grün doch viel besser und nachhaltiger in die Bevölkerung eingeimpft, als das die Schwarzen oder die Gelben je vermocht hätten. Vielleicht sehnt sich der BDI nun nach diesen goldenen Zeiten zurück??

Doch hier noch ein paar Hinweise zu den anstehenden Wahlen.

Wie das wohl ausgesehen hat und immer noch aussieht? Die in die Wirtschaft entliehenen Leute der öffentlichen Hand lernen, wie man Lobbyist wird und Nutzen daraus in Form von Nebentätigkeiten zieht, die Mitarbeiter der Industrie lernen in den Ministerien, wie man den Mitarbeitern der öffentlichen Hand am wirkungsvollsten einflüstert, welche Wünsche die Wirtschaft bei der Gesetzgebung verwirklicht sehen möchte und sie teilweise sogar selber schreiben.

    2005: Bilderberg-Treffen. Angela Merkel (Oppositionsführerin) ist geladener (und anwesender) Gast. Gerhard Schröder kommt zu einem "Kurzbesuch", um die Anwesenden zu begrüßen. Keine 4 Wochen später verkündet Gerhard Schröder, dass er vorgezogene Neuwahlen anstrebt und schiebt das Wahldesaster in NRW vor.

Na ja, die nächste Bilderberg-Konferenz ist ja bald. Vielleicht erleben wir ja eine Neuauflage der Ereignisse von 2005, nur mit umgekehrten Vorzeichen. Auch wenn dann mehr Zeit zwischen den Wahlen in Baden Württemberg und in Rheinland-Pfalz vergangen ist, kann Angie ja sagen, sie sei nach "ausgereifter Überlegung" zu diesem Schluss gekommen Nur ändern wird sich nicht viel, weil die, die am dringendsten wählen müssten, das einfach nicht kapieren.

Dennoch noch einmal mein Rat? Wählt aussichtsreiche kleine Parteien. Ihr kennt die Leute dort nicht, habt noch nie was von ihnen gehört? Aber das ist doch der Grund, sie zu wählen! Sie sind noch nicht durch Betrug, durch Lügen, durch Korruption oder andere politische Standards aufgefallen. Wenn das kein Grund ist, wählen zu gehen und diese Parteien zu wählen!

Zum Abschluss noch eine ungekürzte Wiedergabe einer Mail, die mich gestern erreichte:

    Wir brauchen die Atomkraft

    Es ist für mich unvorstellbar auf Getränke in Dosen zu verzichten. Die Herstellung von Dosen verbraucht zwar enorm viel Energie, aber es ist eben cool aus solch einer Dose zu trinken und diese dann in der Natur zu entsorgen. Gott sei Dank will Red Bull demnächst acht Milliarden Dosen verkaufen, so gehen sie mir niemals aus. Auch möchte ich nicht auf Tragetüten aus Plastik verzichten. Sie benötigen zwar viel Energie bei ihrer Herstellung, aber ich muss, wenn ich im Supermarkt einkaufe nicht daran denken, ein Einkaufsnetz mitzunehmen. Auch hier gehen die Sackerln nicht aus, werden doch weltweit 600 Milliarden jährlich hergestellt. Auch mein geliebter Jogurtbecher aus Plastik bleibt mir hoffentlich erhalten, ist er doch so praktisch und komfortabel. Zwar braucht man zur Herstellung viel Energie, aber was soll`s .Und wohin kämen wir denn, wenn ich meine Milch mit einem selbst mitgebrachten Gefäß aus einem Automaten zapfen müsste, nur um Energie zu sparen. Was würde denn dann mit all den schönen bunten Tetrapackungen passieren. Nein, das wäre echt abscheulich. An sich brauche ich all die vielen schönen, bunten Sachen, die man nach einmaligem Gebrauch wegwirft, ist echt praktisch und cool. Ich weiß auch, dass das alles enorm viel Energie kostet, aber es sichert auch Arbeitsplätze und das Wirtschaftswachstum. Klar, dass man so viel Energie nicht alleine durch regenerative Energien ersetzen kann, aber wir haben ja Öl, Gas und die Atomkraft. Und letztere ist ja sicher.

    A. Tom
    P.s. Ach übrigens, die Erde ist eine Scheibe.

Ja, A. Tom hat recht. Jetzt verstehe ich auch, warum wir Atomstrom brauchen. Er hat dabei noch die vielen Pet-Flaschen vergessen, für die wir ja sogar unseren Pfand zurückbekommen, bevor sie in den Shredder kommen und wie die Plastiktüten entsorgt werden. Man ist sich ja heute nicht einmal mehr sicher, ob es in den Meeren mehr Plastik oder mehr Fische gibt. Wir müssen uns einfach noch mehr Mühe geben, diesen Planeten unbewohnbar zu machen.