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Erstelldatum: 14.03.2011

Der Glaube an die Technik

Thema der letzten Tage ist natürlich die verheerende Katastrophe in Japan und als zusätzliche und menschgemachte Katastrophe kommt noch das Kernkraftwerk Fukushima hinzu. Die Betreiber und die Regierung wiegeln derzeit noch bei den Folgen für dieses Kernkraftwerk ab. Über die wahren Folgen werden wir nie, oder wenn doch, dann erst in Jahren Informationen erhalten, ausgenommen natürlich durch Internetseiten, deren Aussagen dann aber wieder als unrichtig und als Verschwörungstheorien abgetan werden.

Ich möchte nicht weiter auf dieses Thema eingehen, denn in der Presse wird es ja ausgiebig behandelt. Worum es mir geht, ist unsere Technik-Gläubigkeit. Unsere schwarz-gelbe Regierung hat sich mit eingeübter Mimik vor die Kameras gestellt und uns beruhigt, dass unsere Kernkraftwerke ja sicher sind. Trotzdem werde man die Sicherheitskonzepte noch mal prüfen. Wie das vonstattengeht, wurde nicht gesagt, also lasse ich mal meine Phantasie spielen. Vermutlich erfolgt die Prüfung in einer Fragebogenaktion, auszufüllen von den Betreibern mit dem Ergebnis, dass wir die besten und sichersten Kernkraftwerke der Welt haben.

Maßgeblich für den Gau in Fukushima 1 war der Zusammenbruch der Stromversorgung, weil die Verlegung der Stromkabel dort fast ausschließlich oberirdisch erfolgt. Wie das bei uns ist, vermag ich natürlich nicht zu sagen. Aber der Zusammenbruch eines Stromnetzes kann unterschiedliche Ursachen haben. Ein richtig heftiger Orkan kann Überlandleitungen zerstören, eine große Überschwemmung kann zu Kurzschlüssen im unterirdischen Netz führen und was alles bei einem Flugzeugabsturz passieren kann, steht in den Sternen. Der 11.9. hat ja in den USA angeblich zum Einsturz des World-Trade-Center geführt, mit einem ansehnlichen Krater. Was, wenn mal ein solches Flugzeug auf ein Kernkraftwerk fällt? Aber die Wahrscheinlichkeit dafür ist wohl nicht größer, als ein Sechser im Lotto, obwohl es das ja auch schon gab.

Wie aber sieht es mit menschlichem Versagen aus? Eine Unachtsamkeit, eine fehlerhafte Reaktion bei einem auftretenden Problem, eine Inkonsistenz, wenn bei Reparatur- oder Wartungsarbeiten Altes gegen Neues getauscht wird, sich dann aber entgegen den Erwartungen nicht miteinander verträgt? Ein zu spätes Abschalten, wenn ein Problem erkannt wird, weil Vorgesetzter aus Angst um seinen Job, oder der von ganz oben in Sorge um den Profit glaubt, es gäbe noch andere Möglichkeiten? Was ist mit den Kernkraftwerken in Deutschland, deren Laufzeit auf 40 Jahre ausgelegt ist, die aber nun, dank schwarz-gelb, wesentlich länger am Netz bleiben?

Wir Menschen haben uns angewöhnt, der Technik zu vertrauen. Einige Naturereignisse in jüngster Vergangenheit haben aber gezeigt, dass die Technik nur solange funktioniert, bis ein Ereignis eintritt, welches sie ausschaltet. Bei manchen führt das zu einem Ausfall auf begrenzte Zeit ohne Nebenwirkungen. Bei der Kernkraft sind jedoch die Nebenwirkungen katastrophal und vor allem langandauernd aufgrund von Halbwertszeiten über Hunderte, wenn nicht gar tausende von Jahren. Es gibt kein sicheres Kernkraftwerk, sondern allenfalls Kernkraftwerke, bei denen noch nichts Unvorhergesehenes passiert ist. Dabei sind die radioaktiven Abfälle noch gar nicht eingerechnet. Tschernobyl hat erstmalig gezeigt, welche Folgen es haben kann, wenn sich ein Kernkraftwerk anders verhält, als es die Vorhersagen der Techniker beschrieben haben. Wie viele Menschen dabei wirklich direkt oder indirekt betroffen waren, werden wir wohl nie erfahren. Dabei lag Tschernobyl noch in einer relativ schwach besiedelten Gegend. In Deutschland hingegen stehen alle Kernkraftwerke in unmittelbarer Nähe zu dicht besiedelten Ballungsräumen.

Sehen wir Bilder von Kernkraftwerken, zeigt man uns große Räume, gespickt mit Bildschirmen und Schalttafeln, vor denen ruhig und gelassen die Kontrolleure sitzen. Zeigt man Bilder von den Reaktorkammern, sieht man eine den meisten unverständliche Anordnung technischer Geräte und tief unten klares Wasser, in welchem man die Brennstäbe in dieses Wasser eingetaucht sieht. Das alles macht einen sauberen und vertrauenserweckenden Eindruck. Wer denkt bei diesem Anblick schon daran, dass schon ein kurzfristiger Ausfall der Technik zu einer Katastrophe führen kann?

Störfälle in Kernkraftwerken sind keine Seltenheit. Aber die Betreiber sind immer bemüht, diese nicht an die Öffentlichkeit dringen zu lassen und wenn das nicht vermeidbar ist, wird abgewiegelt mit dem stets gleichen Satz: "Für die Bevölkerung bestand keine Gefahr." Aber bereits das Vorhandensein der Kernkraftwerke ist eine ständige latente Gefahr, denn alle Sicherheitsvorkehrungen sind nur soweit wirksam, wie man Risiken vorhersehen konnte. Japan ist an Erdbeben und Tsunamis gewöhnt und Fukushima war mit entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen gebaut. Nur hat dieses Mal die Stärke des Bebens die "vorhersehbare" Stärke weit übertroffen. Inzwischen ist ein weiterer Reaktor (Fukushima 3) explodiert und ein Dritter (Fukushima 2) verliert inzwischen an Kühlkapazität. Die Kernschmelze hingegen, die zu einem Gau führen würde, soll nach offiziellen Angaben noch nicht eingetreten sein.

Nun hat die Kanzlerin ein Moratorium für die Verlängerung von AKW-Laufzeiten von 3 Monaten verkündet. Die Aussage:

    Für die Aussetzung der Laufzeitverlängerung ist nach Ansicht von Merkel keine Gesetzesänderung nötig. Sie werde mit den Betreibern erörtern, was dies bedeute, sagte die Kanzlerin. Sie werde diese Frage an diesem Dienstag auch mit den Ministerpräsidenten der Länder mit Atomstandorten besprechen.

Innerhalb dieser Laufzeit wird in Baden Württemberg die Wahl sein. Die gerade stattgefundene Lichterkette der Atomgegner, lange vor der Katastrophe in Japan geplant, hat sicherlich durch die Ereignisse in Japan erheblichen Zulauf bekommen und ja, vielleicht hat das sogar die Kanzlerin nachdenklich gemacht. Vielleicht deshalb das Moratorium. Ich halte es für reine Heuchelei, um vor den Wahlen keine Aussage machen zu müssen. Heuchelei deshalb, weil ja angeblich alle AKWs vor der gesetzlich beschlossenen Laufzeitverlängerung auf "alle Sicherheitsaspekte hin eingehend geprüft" wurden. Von einer neuerlichen Überprüfung sind folglich keine neuen Erkenntnisse zu erwarten. Aber natürlich kann es sein, dass sich die Kanzlerin mit den Betreibern einigt, wenigstens eins der alten AKWs, Biblis, Neckarwestheim oder Philippsburg von der Laufzeitverlängerung auszunehmen, um dann diese einzelne Abschaltung als großen Erfolg ihrer Regierung hinzustellen, während der jeweilige Betreiber in der Presse ein lautes Wehklagen anstimmt, damit man auch so richtig merkt, dass hier ein Sieg der Merkel vorliegt, während in Wahrheit lediglich eine Kungelei stattgefunden hat, denn mehr kann es nicht sein, weil ohne Gesetz die Regierung keinerlei Handhabe hat. Merkel interessiert nicht, was die Bevölkerung will. Sie interessiert sich nur für die anstehenden Wahlen und dazu muss sie den Menschen Sand in die Augen streuen, denn die Katastrophe in Japan kam zeitlich sehr ungelegen.

Noch zwei Anmerkungen. In den Nachrichten wird nun als vermutlicher Abschaltkandidat das AKW Neckarwestheim genannt. Aber natürlich gibt es keinen Zusammenhang mit der Wahl in Baden-Württemberg, oder vielleicht doch?

Versicherungen versichern so ziemlich alles und jeden, wenn nur die Prämie stimmt. Nur Atomkraftwerke, die werden nicht versichert. Daraus kann man schließen, dass die Versicherungswirtschaft schlauer ist, als die Befürworter der AKWs.