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Erstelldatum: 11.03.2011

Was hat E10 mit Genmanipulation zu tun?

Motoren können mit E10 fahren, vorausgesetzt, sie sind darauf ausgelegt. Ich habe bereits Anfang der 60er Jahre im 20. Jahrhundert einen Opel Blitz gefahren, der auf Methangas umgeschaltet werden konnte, also in einer Zeit, in der Blinker noch Winker waren, die ausgeklappt wurden. Die mit der Umschaltung auf Methan verbundene Leistungseinbuße veranlasste uns, bei den Fahrten im Bergischen Land auf Gas umzusteigen, wenn es bergab ging. Aber damals waren auch Ölwechsel wesentlich öfter erforderlich, als das heute ist. Damals wurden die Motoren und alles Zubehör auch in Deutschland und der größte Teil davon direkt bei den Herstellern gefertigt. Heute kommt das Zubehör aus dem Ausland, zum großen Teil aus dem asiatischen Raum. Ob die Schläuche und Dichtungen wirklich die aggressiveren Beimengungen vertragen, wird sich zeigen. Richtig ist, dass in den USA seit langer Zeit Autos mit verschieden hohen Konzentrationen von Ethanol-Beimengungen fahren. Richtig ist aber auch, dass die Republikaner gerade versuchen, die Quersubventionen für den zur Ethanolherstellung benötigten Mais (zum großen Teil aus genmanipulierten Maissorten mit Roundup von Monsanto) zu kippen.

Richtig ist, dass wir seit 2002 bereits E5 fahren. Aber wer hat 2002 mitbekommen, das da Lebensmittel in den Sprit gefüllt wurden? Sicher, es gab schon das Internet, aber die Vernetzung damals war nicht mit der heutigen zu vergleichen und private Haushalte mit einem PC waren noch eher selten. Heute hat die Mehrheit der Bevölkerung Internet, mittel PC, Tablet oder gar dem Handy. Damit ist die Informationsschiene erheblich breiter geworden. Aber was noch fehlt, ist die Erkenntnis der Verzahnung. Politik funktioniert wie ein Uhrwerk. Scheinbar von der einen Sache völlig losgelöste Dinge ergeben im Kontext mit anderen Ereignissen gesehen plötzlich ein völlig anderes Bild. Diese Verzahnung ist ja inzwischen längst nicht mehr auf Deutschland beschränkt, weil die meisten Entscheidungen in Brüssel getroffen werden.

In Brasilien kann man alles tanken, bis zu E100 oder E85. Aber die Auswirkungen für die arme Bevölkerung in Brasilien wurden anschaulich im Spiegel, Ausgabe Nr. 16 von 1981 geschildert. Riesige Monokulturen mit Zuckerrohrpflanzungen.

Kommen wir nun zu E10. In E10 ist kein BIO und es spart kein CO2 ein, aber, so dachten unsere Politiker, das macht sich gut als Argument. CO2-Reduzierung würde anders laufen. Wie meinte Röttgen? Tempolimit ist nicht drin, denn der deutsche Autofahrer soll nicht bevormundet werden.

Aber E10 ist keine Bevormundung der Autofahrer, sondern ein Angebot, so der Originalton von Röttgen. Eine Mehrheit lehnt aber E10 ab, hat er das nicht mitbekommen? Hier wird einmal mehr deutlich, welche aufgeblasenen Popanze in deutschen Regierungsämtern sitzen. Offenbar haben sie noch immer nicht begriffen, dass man mit reinen Sprechblasen keinen Blumentopf mehr bei einer vernetzten Bevölkerung gewinnen kann. Werfen wir einen Blick auf die angeblichen Bedingungen für die Mineralölwirtschaft.

Die Mineralölwirtschaft soll einen Anteil von durchschnittlich 6,25% an Beimischung aus nachwachsenden Rohstoffen verkaufen, sonst sollen Strafzahlungen erhoben werden. Die Mineralölwirtschaft äußert "verzweifelt", dann müsse sie die Spritpreise erhöhen, wenn sich E10 nicht verkaufen lässt. Merkt niemand diesen Unsinn im Zusammenhang? Wenn ein Produkt vom Käufer nicht angenommen wird, können Unternehmen nicht gezwungen werden, es dennoch in einer nicht absetzbaren Menge herzustellen. Jede Strafzahlung in Deutschland würde der Europäische Gerichtshof sofort wieder kippen, und man kann sicher sein, dass die Mineralölwirtschaft klagen würde. Wenn aber die Mineralölwirtschaft die Preise mit dem Argument von Strafzahlungen erhöht, wer merkt dann noch, dass er einem Joke aufgesessen ist?

Das ist wie beim Fußball, hat man die Schiedsrichter gekauft, kann man die Spiele nach Belieben dirigieren.

Gäbe es heute noch richtige Reporter, würden diese auch mal nachhaken, was es mit den Vorhaben, genmanipulierte Pflanzen in Futtermitteln und auch eine "teilweise" Kontaminierung von Saatgut mit genmanipuliertem Saatgut zuzulassen. EU-weit lehnen mehr als 70% genmanipulierte Lebensmittel ab, aber das stört offenbar weder Frau Aigner, noch die EU-Politiker. Wann, so sollte man sich fragen, kommt Monsanto auf dem Umweg über die Ethanolherstellung dazu, seine Produkte durch die Hintertür Ethanol bei uns flächendeckens einzuführen? Die Weichen werden offensichtlich gerade in der EU und in Deutschland gestellt, denn da meldet sich z. B. derzeit Foodwatch mit einem Newsletter zu Wort:

    Hallo und guten Tag, 09.03.2011

    die überwiegende Mehrheit der Verbraucher lehnt Gentechnik im Esen ab. Einer 2010 geführten Umfrage der Europäischen Kommission zufolge werden es in den meisten europäischen Ländern sogar kontinuierlich mehr. In Frankreich sind es überwältigende 84 Prozent und auch in Deutschland möchten immerhin 78 Prozent keine Gentechnik auf ihrem Teller. Dafür gibt es gute Gründe: Niemand weiß, was diese Technologie langfristig bewirkt. Das werden erst unsere Kinder und Kindeskinder erfahren! Welche Folgen die Eingriffe ins Erbgut von Nahrungsmittelpflanzen haben, lässt sich erst nach Generationen feststellen. Doch die großen Gentechnikkonzerne wie Monsanto fahren Jahr für Jahr Rekordgewinne ein. Mit anderen Worten: Die Konzerne verdienen prächtig, aber die Natur ist ihr Versuchslabor und wir spielen die Versuchskaninchen!

    Den Politikern scheint das allerdings völlig egal zu sein, denn nun haben die EU-Mitgliedsländer - also auch die "Verbraucher"ministerin aus Deutschland, Frau Aigner - beschlossen, dass künftig noch mehr Gentechnik als bisher in unserem Essen landen soll. Ab diesem Sommer dürfen Gen-Pflanzen, die noch nicht mal die bisher vorgeschriebene Sicherheitsprüfung durchlaufen haben, an das Vieh verfüttert werden. Das ist unfassbar: Nicht mal die - nicht gerade als gentechnikfeindlich bekannten - USA dulden Bestandteile von Genpflanzen, die nicht von den eigenen Behörden getestet worden sind! Hier geht es weiter zum Original-Newsletter mit der gesamten Aussage

Auch Campact ruft zu einer Aktion bzgl. genmanipuliertem Saatgut auf. Dort heißt es:

    Kaum hat Brüssel die Nulltoleranz für nicht zugelassene gentechnisch veränderte Organismen (GVO) im Futtermittel gekippt, schon wollen einige Bundesländer das Reinheitsgebot im Saatgut aufweichen. Dazu liegt ein Antrag des Agrarausschusses beim Bundesrat, über den am 18. März 2011 abgestimmt werden soll. Doch nur garantiert sauberes Saatgut bannt die Gentechnik vom Acker und vom Teller.

    Die Agrarminister von Baden-Württemberg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein haben den Antrag in den Bundesrat eingebracht. Sie fordern von der Bundesregierung eine rasche Gesetzesvorlage, die die geltende Nulltoleranz für gentechnisch veränderte Organismen im Saatgut durch eine "für alle Wirtschaftsbeteiligten praktikable technische Lösung" ablöst. Das heißt im Klartext: Sie wollen einen Grenzwert für gentechnische Verunreinigung. Hier geht es weiter zum gesamten Original-Newsletter

Ein Schelm, wer dahinter Zusammenhänge mit E10 vermutet. Man sollte sich von dem Gedanken verabschieden, dass Politiker dumm oder inkompetent sind. Na ja, inkompetent vielleicht schon, denn die eigentliche Arbeit machen ja die Leute im Hintergrund und in den wichtigen Ministerien werden sie "beraten" von den von Schily integrierten Vertretern der Lobbyisten, die die Gesetzgebung maßgeblich und im Interesse ihrer Lobbygruppe mitgestalten. Deshalb darf vermutet werden, dass das Wissen einer Menge Abgeordneter nicht über das hinausreicht, was auch in den Hochglanzbroschüren verkündet wird. Ist ja verständlich, denn die Suche nach lukrativen Nebentätigkeiten oder die Arbeit im nebenher/hauptamtlich betrieben eigenen Laden nimmt schließlich viel Zeit in Anspruch. Auch die "ehrenamtliche" Tätigkeit eigener Lobbyarbeit, um bei der nächsten Wahl auch wieder oben dabei zu sein, nimmt viel Zeit in Anspruch. Aber fehlendes Detailwissen ist nicht mit Dummheit gleichzusetzen, sondern beweist lediglich Desinteresse, wenn Detailwissen für den Job eigentlich erforderlich wäre. Wie meinte kürzlich ein Kaberattist über zu Guttenberg sinngemäß? Er habe 7 Jahre lang gelogen und betrogen. Gibt es eine bessere Voraussetzung für einen Spitzenjob in der Politik?