Navigation aus    Navigation an
Erstelldatum: 24.02.2011

noch einmal und abschließend
von und zu Guttenberg

Offen ist die Frage, warum Karl Theodor von und zu Guttenberg (KTzG) bei einem Teil der Bevölkerung noch immer gut ankommt? Die Antwort? Er hat viel Fassade. Das hatten die potemkinschen Dörfer auch.

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht! Das habe ich als Kind von meinen Eltern gelernt. Heute weiß ich natürlich, dass der Mensch der geborene Lügner ist. Seine Lügen dienen meist als Schutzbehauptung, um einen Fehler zu vertuschen, oft auch aus Angabe, um die eigene Erscheinung aufzupolieren. Besonders häufig wird gelogen, wenn man sich aus der Lüge eine persönliche Vorteilsname verspricht. In seltenen Fällen wird auch mal gelogen, um andere zu schützen oder ihnen Trost zu spenden. Die meisten Lügen werden aber wohl aus Bequemlichkeit verwendet.

Einen Fehler einzugestehen, wird von vielen Menschen mit Schwäche gleichgesetzt, obwohl es eine Stärke ist, Fehler einzugestehen. Nun könnte man ja denken, KTzG habe ja nun Stärke gezeigt, indem er seine Fehler zugegeben hat. Aber das wäre eine ziemlich kurzsichtige Betrachtung, denn er hat immer nur das, was definitiv und unwiderruflich bekannt geworden war, eingestanden. Eingestanden? Nein, er hat zumindest versucht, daraus erneut eine Selbstinszenierung zu gestalten, indem er behauptet, nie bewusst abgeschrieben zu haben. Unterstellt man ihm, dass er diese Aussage ehrlich meint, dann kann man ihm auch gleichzeitig fehlenden Intellekt unterstellen. Wenn ich einen Text eines anderen in einem Schriftwerk benutze, dann habe ich abgeschrieben. Gebe ich dabei die Quellenangebe an, dann teile ich dem Leser mit, dass ich den Text eines anderen verwendet habe und zumeist geschieht das dann, um sich inhaltlich mit der dieser Textpassage des anderen auseinanderzusetzen. Das ist der eigentliche Sinn von verwendeten Zitaten in einer Dissertation. Ich kann dann der Aussage zustimmen und begründen, warum ich sie für richtig halte, oder ich kann sie ablehnen und auch hier wieder meine eigenen Gedankengänge für die Ablehnung formulieren. Unterlasse ich die Kenntlichmachung und setze mich mit diesen Aussagen nicht auseinander, dann ist das geistiger Diebstahl, auch Plagiat genannt. Unbewusst kann das nicht sein. Es dient dazu, meine Fassade glanzvoller erscheinen zu lassen. In einem normalen Schriftstück kann das noch als verzeihlich angesehen werden. In einer Doktorarbeit hingegen nicht, weil ich damit einen mir nicht zustehenden wissenschaftlichen Anspruch erhebe.

KTzG hat versucht, seine "Fehler" zu vertuschen, sie abzustreiten und das macht er, von der Wiege an in Rhetorik geschult, besser als so mancher andere. Er nutzt dazu eine sehr gedrechselte Redeweise, die seine Vergehen ins Gegenteil verkehren sollen. Die ZEIT bringt das ziemlich genau auf den Punkt. Er nützt seine "Beichte" zu erneuten Selbstinszenierung als eine Art Märtyrer, gesteht seine "Fehler" ein, nicht aber die Absicht dahinter.

Aber KTzG hat keine Fehler gemacht. Er hat wissentlich und absichtlich getäuscht und betrogen, hat kluge Gedanken anderer als seine eigenen ausgegeben, nur um einen Titel zu erlangen, den er prinzipiell nicht braucht, den er aber unbedingt haben wollte, weil er beim titelgläubigen Deutschen damit "zusätzliche" Kompetenz vortäuschen kann. Irgendwie ist auch mein Eindruck, dass seine oft geschwurbelte Phrasendrescherei bei manchen Menschen den Effekt erzielt, dass er, weil diese Menschen nicht mal die Hälfte dessen, was er gesagt hat, in Klartext fassen könnten, er deshalb damit seine Kompetenz beweise. Das ist übrigens eine durchaus übliche Form von Titelträgern, durch komplizierte und oft für viele unverständliche Ausdrucksweise Banalitäten als geistigen Höhenflug zu verkaufen.

Bezeichnend war für mich seine Aussage zu den kopierten Teilen des Wissenschaftlichen Dienstes (WD) des Bundestages, der den Richtlinien nach nur für Mandatszwecke verwendet werden darf. Wenn er behauptet, nun ließe sich nicht mehr rekonstruieren, ob und wer ihm erlaubt habe, Passagen daraus zu verwenden, ist das aus meiner Sicht eine der unverschämtesten Lügen. Im Bundestag wird alles protokolliert und sowohl die Anfrage wie auch die Erlaubnis, Teile des WD für seine Dissertation nutzen zu dürfen, hätten protokollarisch schriftlich erfolgen müssen.

Dass da die Opposition nicht nachgehakt hat, erkläre ich mit meinem Verständnis der Politik, der Regierung und der Opposition. Das hat viel mit einem Boxkampf gemein. Die Opposition ist sozusagen der Herausforderer, die Regierung der Herausgeforderte. Die Opposition will versuchen, den entscheidenden Punch anzusetzen, der den Gegner KO gehen lässt, um damit vorzeitige Neuwahlen zu erreichen. Der Herausgeforderte, also die Regierung muss auf seine Deckung achten, um den KO zu vermeiden (Schröder war da wohl eine Ausnahme, denn er hat den entscheidenden Schlag gegen sich 2005 selbst geführt). Manchmal kann die Opposition einen Schlag landen, manchmal haut die Regierung zurück. Landet die Opposition einen Schlag und vernachlässigt dabei die eigene Deckung, kann das ziemlich fatal sein, weil sie Konter einfängt, die Punktverluste bringen. Im Fall KTzG hat sie zwar mit der Anhörung einen Punch gelandet, aber nicht nachgehakt. Das lässt vermuten, dass ein Nachhaken die Gefahr eines Konters hätte heraufbeschwören können.

Die Punktrichter bei diesen Kämpfen sind übrigens die Wähler und über deren korrekte Sichtweise des Kampfgeschehens kann man getrost streiten.

Losgelöst von der Frage, ob er oder die Kanzlerin daraus nun die erforderlichen Konsequenzen ziehen, sollte man sich bei dieser Frage der Uni Bayreuth zuwenden. Wie behauptet wird, soll es in seiner Dissertation auffällige Stilbrüche geben, was nicht verwunderlich ist, wenn man nur kopiert. Aber er hat den Titel summa cum laude zugesprochen bekommen. Stimmt das mit den Stilbrüchen, dann hätte
1. die Prüfungskommission bereits damals misstrauisch werden müssen und
2. die Ehrenbezeichnung summa cum laude für diese Arbeit nicht vergeben dürfen.
Das ist zumindest meine Sicht.

Deshalb wäre es interessant, zu erfahren, ob und inwieweit die Rhönkliniken (die mit der Uni Bayreuth partnerschaftlich verbunden waren) mit ihrem Aktionär KTzG Einflussmöglichkeiten auf die Prüfungskommission nehmen konnten und ob das

"Spendenaufkommen"

der Uni Bayreuth auch größere Zuwendungen aus dem Hause Guttenberg oder von den Rhön-Kliniken erhalten hat, was ja gelegentlich doch zu einer etwas freundlicheren Gesinnung bei Beurteilungen führen sein kann.

Auch die rechtliche Frage wäre zu klären. Beginnt die Verjährungsfrist für den Diebstahl geistigen Eigentums 2007, als er mit Genehmigung den Titel führen durfte, oder erst 2009, als die Dissertation veröffentlicht wurde und damit den geistigen Eigentümern auch erstmals zur Kenntnis gelangen konnte.

Für die Merkel ist das Theater eigentlich nützlich, denn als Konkurrent für die Kanzlerschaft kann man KTzG nun wohl abhaken.